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Aus: Ausgabe vom 23.11.2020, Seite 8 / Ansichten

Welterklärer des Tages: Ralf Fücks

Von Oliver Rast
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Ralf Fücks geht vielen mit seinen ständigen Kanzelreden auf den Zeiger

Ausrangierte Grünen-Politiker, die sich eifrig ins öffentliche Blitzlichtgewitter drängeln, gibt es einige. Längst nicht nur Joseph Martin Fischer. Ralf Fücks ist auch so einer, der indes in der dritten Reihe nur noch über mediale Restrelevanz verfügt. Jüngst bot sich ihm ein Anlass, um Aufmerksamkeit zu buhlen: das dreijährige Bestehen seines Thinktank-Versuchs namens »Zentrum Liberale Moderne«. (Die Kurzform »Libmod« klingt irgendwie nach einem Drops gegen Halskratzen.)

Fücks, der Mehrfach-Ex (Ex-K-Grüppler, Ex-Bremischer Senator und Exchef der Heinrich-Böll-Stiftung), geriert sich gern als Welterklärer, müllt mit Videoschnipseln seinen Twitter-Account zu. Zum »Libmod«-Ehrentag schlüpfte er in die Rolle eines geostrategischen Supercheckers. Mit pastoralem Tonfall und starrem Blick lobhudelte er die »liberale Gegenwehr gegen die autoritäre Gleichschaltung der KP Chinas in Hongkong«, schwadronierte von »der Erneuerung des transatlantischen Bündnisses«, halluzinierte die Kriegs-NATO als zukünftige »Allianz der Demokratien«. Fücks weist sich zudem als Kunstkenner aus, im Hintergrund seines Werbespots hängen Skizzen des Reichtagsverhüllers Christo, mit Autographen, versteht sich.

Zurück zum Text. Fücks’ außenpolitische Feinderklärung ist klar definiert: Volksrepublik und Russland. Dabei wird er in seiner vierminütigen Selbstreklame nicht müde, das Gemeinsame mit den USA zu betonen, freilich stets in Konfrontation zu Beijing und Moskau, den »antidemokratischen Mächten«.

Besonders öffentlichkeitswirksam waren Fücks’ Einlassungen bislang nicht, knapp 70 Zugucker hat er auf Youtube interessieren können. »Geschichtsmächtig« ist er dennoch, indirekt zumindest. Als Vordenker eines grün-gelb-schwarzen Bundeskabinetts etwa, oder als Souffleur seiner Adepten, dem Grünen-Spitzenduo Robert Habeck und Annalena Baerbock.

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