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Aus: Ausgabe vom 21.11.2020, Seite 8 / Ansichten

Law-and-Order-Lyriker des Tages: Thomas Strobl

Von Jan Greve
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Zeigt in der Krise sein wahres Gesicht: Landesinnenminister Thomas Strobl

Die Krise, das sei die Stunde der Exekutive, heißt es. Hier kann der bürgerliche Demokrat beherzt den ganzen ideologischen Ballast von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit abwerfen und das tun, was ihm sonst verwehrt bleibt: sich langatmige Parlamentsdebatten sparen, Gesetze durchpeitschen, einfach mal so richtig durchgreifen.

Thomas Strobl ist für Krisen gemacht. Wenn es um rigide Maßnahmen des Staates geht, kann der Innenminister Baden-Württembergs einfach nicht sparen. In einem am Freitag veröffentlichten Gespräch mit dem Spiegel führt der CDU-Politiker aus, worauf es in der Coronakrise nun ankomme – und zeigt dabei ganz nebenbei, wie schön die deutsche Sprache sein kann: »Hartnäckige Quarantänebrecher müssen abgesondert werden.« Der Law-and-Order-Lyriker nutzt die »potentiell tödliche Krankheit« auch für weitere tiefsinnige Gedanken. Die mit der Pandemie begründeten Grenzschließungen im Frühjahr seien »uns überzeugten Europäern« »sehr schwergefallen«. Aber »richtig und notwendig« waren sie allemal. Strobl ist zudem Fan der Corona-App. Nur sei es für den Infektionsschutz nicht gut, »wenn wir 150 Prozent Datenschutz machen«. Hier merkt man: Ein Feingeist macht sich wenig aus Zahlen und bevorzugt statt dessen das Wort. So formuliert der Innenminister zu dem Komplex stilsicher: »Die App muss geschärft werden.«

Wie sie wohl aussieht, die Traumwelt des Strobl? Zumindest ist bekannt, wer in ihr das ganz große Zepter schwingt: Als neuen CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzler wünscht er sich Friedrich Merz. Warum? Auch wegen dessen hohem Ansehen in »der Wirtschaft«. Der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sagte Strobl vor kurzem, das wisse er »aus Hunderten, wahrscheinlich sogar Tausenden Gesprächen mit Unternehmern«. Auch wenn er es mit den Zahlen nicht ganz genau nimmt, muss man einen wie Strobl immer auf der Rechnung haben.

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