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Aus: Ausgabe vom 18.11.2020, Seite 15 / Antifa
Verbot der »Grauen Wölfe« gefordert

Prügelnde »Idealisten«

Verbot der »Grauen Wölfe« müsste mehrere Vereine mit teils irreführenden Namen umfassen
Von Claudia Wangerin
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Türkische Flagge und Symbol der ultranationalistischen MHP am Eingang einer Moschee in Wiesbaden (Archivbild)

Ein Verbot der »Grauen Wölfe« in der Bundesrepublik haben kurdische, türkische und deutsche Linke in den vergangenen Tagen mehrfach gefordert. Allerdings handelt es sich dabei faktisch um mehrere Organisationen türkischer Ultranationalisten, die in einer Verbotsverfügung genannt werden müssten, um wirksam gegen sie vorgehen zu können. »Die Bundesregierung muss Vereine der faschistischen ›Grauen Wölfe‹ in Deutschland wie die ›Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e. V.‹ (ADÜTDF), die ›Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa e. V.‹ (ATIB) und den ›Verband der türkischen Kulturvereine in Europa‹ (ATB) verbieten«, erklärte die Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen (Die Linke) am Donnerstag vergangener Woche. Außerdem müsse ihren türkischen »Mutterorganisationen« ein Betätigungsverbot erteilt werden: »Die ›Grauen Wölfe‹ sind eng mit der faschistisch-islamistischen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) verbunden, dem Koalitionspartner von Präsident Erdogans Regierungspartei AKP. Sie gehören zum Netzwerk des türkischen Präsidenten, das Oppositionelle und Kritiker auch in Deutschland verfolgt und terrorisiert«, stellte Dagdelen klar.

Eines der jüngsten Beispiele war eine Gewaltattacke türkischer Faschisten auf Azad Yusuf Bingöl und Inan Ercik. Beide sind in der kurdisch-türkischen Community als aktive Gegner Erdogans und der Türkei-Politik der Bundesregierung bekannt: Bingöl engagiert sich im Kurdischen Gesellschaftszentrum München, im Migrationsbeirat der bayerischen Landeshauptstadt und in der kurdischen Redaktion von Radio Lora 92.4 – Ercik tritt als Politrapper unter dem Namen Exxil auf. Laut einem Bericht der kurdischen Nachrichtenagentur ANF saßen sie am 16. Oktober in einem Linienbus – und Ercik trug einen Schal in den kurdischen Farben Rot, Gelb und Grün – als eine fünfköpfige Gruppe türkischer Nationalisten zustieg und sofort aggressiv wurde. Bei Sprüchen wie »Die türkische Fahne wird sich niemals senken« und »Unser Vaterland werdet ihr nicht spalten« blieb es demnach nicht. Es folgten Beleidigungen, Schläge und Tritte. Ercik erlitt einen Nasenbeinbruch und Schnittwunden im Gesicht, Bingöl Prellungen am Oberkörper. Beide stellten aber nach der Attacke klar, sich nicht einschüchtern zu lassen. Am Samstag demonstrierten mehrere hundert Menschen am Münchner Gollierplatz gegen Faschismus und antikurdischen Rassismus sowie für ein Verbot der Vereine der »Grauen Wölfe« in Deutschland.

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