Die jW-Serie »Wohnen im Haifischbecken«
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Die jW-Serie »Wohnen im Haifischbecken«
Aus: Ausgabe vom 31.10.2020, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Große Anstrengung

Zu jW vom 28.10.: »Die Erde planen«

Als häufiger Gast in China kann ich im täglichen Leben die Bemühungen zur Gestaltung einer ökologischen Gesellschaft gut beobachten. Wird zum Beispiel eine Straße verbreitert oder ein Wohngebiet erschlossen, werden die Bäume, die im Weg stehen, nicht gefällt, sondern ausgegraben und an anderer Stelle wieder eingepflanzt (…). Im Winter kann man beobachten, dass alle Straßen- und Alleebäume sowie Bäume in den zahlreichen Parks gekalkt werden, um sie vor Schädlingen und Frostschäden zu schützen. (…) Es gibt viele weitere Beispiele, die belegen, dass der chinesischen Regierung der Erhalt der natürlichen Ressourcen äußerst wichtig ist (…). Das Artensterben ist natürlich auch in China ein Problem, und ob sozialistisch oder nicht, die notwendige industrielle Entwicklung hat Boden und Gewässer geschädigt. Deshalb werden zum Schutz und zur Regeneration tiefgreifende Maßnahmen ergriffen: Fischerei ist von Mai bis August verboten, im Unterlauf des Jangtse ist die Fischerei ab 2019 für zehn Jahre, in den Nebenflüssen des Jangtse ist sie ab 2021 ebenfalls verboten. Die Fischbestände sollen sich erholen, und der Jangtse-Delphin wird so dem Schicksal des Aussterbens entgehen. (…) Man kann sich einen sorgfältigen Umgang mit Ressourcen natürlich auch bei kapitalistischen Gesellschaften vorstellen, aber praktisch findet er nicht statt, da der Profit das gesellschaftliche Leben und die Politik bestimmt. Der sozialistische Charakter des chinesischen Systems ist eben in der gesellschaftlichen Praxis auszumachen (…). Wie sagte Mao: Man muss die Wahrheit in den Tatsachen suchen. Nur Allwissende haben sie für sich gepachtet – manche westliche Linke sind wirklich eine Marter fürs Gehirn!

Josef Witte, Hefei/China (Onlinekommentar)

Bessere Effizienz

Zu jW vom 29.10.: »Deutsche Titanic«

Die Systemkonkurrenz zu China und die Tatsache, dass China das Coronavirus erfolgreich bekämpft, sind momentan ein Segen. Ein einfaches Laufenlassen der Pandemie, wie von FDP und AfD gefordert und von der Wirtschaft eigentlich gewünscht, kann sich die Bundesregierung nicht leisten. Das Akzeptieren überquellender Krankenhäuser würde die Überlegenheit des chinesischen Hybridsystems aus Sozialismus und Kapitalismus zu offensichtlich machen. Chinesische Angebote humanitärer Hilfe würden das Ansehen Chinas in der Bevölkerung weiter erhöhen. Deutsche Kapitalisten müssen dadurch freilich keine sozialistische Revolution befürchten (…). Aber ganz klassische kapitalistische Übernahmeattacken Chinas auf deutsche und europäische Konzerne werden bislang noch – entgegen aller Ideologie des freien Kapitalmarkts – von Staat und EU abgewehrt. Wenn das aufgrund eines positiven China-Bildes nicht mehr vermittelbar ist, ist es eine Frage der Zeit, bis chinesische Firmen die Produktionsmittel in Deutschland schlicht aufkaufen und so zu den wahren Herren im Lande werden. Der Übergang zu einer hybriden Plan- und Marktwirtschaft würde sich dann friedlich und allmählich vollziehen, nur dass der Wirtschaftsplan dann in Beijing und nicht in Berlin gemacht wird. Die parlamentarische Demokratie bliebe erhalten. Letztlich ist der Übergang zu einer neuen unipolaren Weltordnung mit China als Pol nach dem Gesetz der Maximierung der Profitrate unausweichlich. Die chinesische Wirtschaftsform ist schlicht effizienter als die rein kapitalistische, ein Anspruch, an dem viele sozialistische Vorgängermodelle gescheitert sind. Die deutsche Gesundheitspolitik ist eine halbherzige Imitation der chinesischen Strategie: viel testen, Kontaktpersonen isolieren, bei unüberschaubarem Ausbruchsgeschehen Lockdowns. Sie will den chinesischen Erfolg imitieren, genau wie die BRD einen Sozialstaat ausbauen musste, um den sozialistischen Errungenschaften in der DDR etwas entgegenzusetzen. Wir sollten diese Politik unterstützen, denn sie rettet bei Erfolg viele Menschenleben, wird den Gang der Geschichte aber nicht aufhalten.

Hagen Radtke, Rostock (Onlinekommentar)

Versuchskaninchen

Zu jW vom 26.10.: »Feldversuch im ­Klassenzimmer«

(…) Mir ist schleierhaft, wie man gegen Masken im Schulunterricht sein kann. Beim Arbeitsschutz wären doch auch alle gleich dabei zu fordern, dass möglichst alle Maßnahmen getroffen werden, und zwar auch die unbequemen wie Stahlkappenschuhe und Helm. Wenn der Präsenzunterricht durch die Masken und etliche dadurch verhinderte Infektionen länger aufrechterhalten werden könnte, wäre das doch gut. Ebenso wenn weniger Infektionen aus den Schulen in die Haushalte getragen würden. Ob die Schulen nicht doch aktuell ein Treiber der Pandemie sind bzw. ohne Maskenpflicht nach den Sommerferien waren, wäre eine spannende Frage. Da sehe ich die Schüler sowie das Lehrpersonal in der Tat als Versuchskaninchen. Wollte man mal sehen, wie lange es ohne ausreichende Maßnahmen gut geht? Geht es ja offensichtlich nicht.

Conny Geeve, per E-Mail

Nicht kompatibel

Zu jW vom 28.10.: »Merz auf allen Kanälen«

Friedrich Merz’ ziemlich klare »Ungehaltenheit« über die Verschiebung des CDU-Parteitages offenbart emotionale wie intellektuelle Taktlosigkeit. Genau das dürfte auch einer der Gründe sein, warum der Sauerländer beim sogenannten Establishment nicht erste Wahl für den CDU-Vorsitz und die Kanzlerkandidatur der Union ist. Die Union will vor allem politische Macht, und ohne linksliberale Kompatibilität kann daraus nichts werden. Denn Friedrich Merz wird insbesondere beim mutmaßlich künftigen Koalitionspartner mitunter als wenig demokratischer und kaum progressiver Politikrentner aus den Untiefen des 20. Jahrhunderts eingeschätzt. Es fehlt die Überzeugung, dass Merz die höchst notwendige zukunftsgerechte ökonomisch-ökologische Wende unter sozial ausgewogenen Bedingungen gestalten kann.

Ira Bartsch, Lichtenau-Herbram

Man kann sich einen sorgfältigen Umgang mit Ressourcen auch bei kapitalistischen Gesellschaften vorstellen, aber er findet nicht statt, da der Profit Leben und Politik bestimmt.

Unverzichtbar!

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Auftakt der jW-Mietenserie: Heute Teil 1 – »Wohnen als Goldgrube. Die Inwertsetzung einer Mietnation«!