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Aus: Ausgabe vom 21.10.2020, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Steueroasen

Geldwäscher international gesucht

Medienbericht: Staatsanwaltschaft Köln erlässt Haftbefehl gegen Kanzlei in Panama
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Trotz »Panama Papers«: Mossack und Fonseca haben mit einer baldigen Festnahme nicht zu rechnen, der mittelamerikanische Staat liefert seine Bürger aus Prinzip nicht aus

Viereinhalb Jahre nach Veröffentlichung der »Panama Papers« haben deutsche Behörden einem Medienbericht zufolge Haftbefehle gegen die früheren Eigentümer der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca erlassen. Der aus Deutschland stammende Jürgen Mossack und sein panamaischer Partner Ramón Fonseca werden wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung und Bildung einer kriminellen Vereinigung weltweit gesucht, wie Süddeutsche Zeitung (SZ), NDR und WDR am Dienstag berichteten. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln habe auf Anfrage »die Existenz von zwei internationalen Haftbefehlen« bestätigt, jedoch nicht mitgeteilt, gegen wen sich diese richteten.

Mossack und Fonseca hatten in den 80er Jahren in Panama eine Kanzlei eröffnet, die sich auf das Gründen und Betreiben von Briefkastenfirmen spezialisierte. Die Kanzlei Mossack Fonseca half den »Panama Papers« zufolge Politikern, Fußballfunktionären und Kriminellen, aber auch Milliardären und Prominenten, ihr Geld zu verstecken. Lange Zeit funktionierte das Geschäftsmodell reibungslos. Für oft nur 1.000 Dollar konnte man eine anonyme Firma in Panama erwerben. Gegen Aufpreis stattete Mossack Fonseca diese Firma mit Scheindirektoren aus und verschleierte damit den wahren Inhaber.

Das Treiben flog auf, als ein anonymer Whistleblower der SZ mehr als elf Millionen interne Dokumente der Kanzlei zuspielte. Die SZ und das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) analysierten die Daten zusammen mit 400 Journalisten aus aller Welt und veröffentlichten die Ergebnisse im April 2016. Nach der Veröffentlichung mussten etliche Politiker – darunter der damalige isländische Premier Sigmundur Gunnlaugsson und der pakistanische Premier Nawaz Sharif – von ihren Ämtern zurücktreten. Weltweit wurden Tausende Ermittlungsverfahren eingeleitet und umgerechnet mehr als zwei Milliarden Euro an Strafen und Nachzahlungen eingetrieben.

In Deutschland wurden laut dem jüngsten Medienbericht rund 2.000 Verfahren gegen Steuerhinterzieher eingeleitet, etliche Banken und Vermögensverwalter zahlten Bußgeld in Millionenhöhe. In den USA wurden zuletzt ein Vermögensverwalter sowie ein Mossack-Fonseca-Kunde zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Die Gründer der Kanzlei blieben dagegen bisher weitgehend unbehelligt. Der 68 Jahre alte Fonseca und der 72jährige Mossack haben laut Bericht beide die panamaische Staatsbürgerschaft – und Panama liefert seine Bürger aus Prinzip nicht aus. Mit einer baldigen Festnahme ist also nicht zu rechnen. (AFP/jW)

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