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Menschliche Sehnsüchte

Von Rafik Will
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Schlingensiefs Persiflage »Lager für alle« thematisiert den Jugoslawienkrieg. (Deutsche Soldaten in Prizren, 1999)

Der Theater- und Filmkünstler Christoph Schlingensief wäre am kommenden Samstag, dem 24. Oktober, 60 Jahre alt geworden. An den vor zehn Jahren Gestorbenen erinnert eine Schwerpunktwoche bei WDR 3. Auf der Kulturwelle laufen die ganze Woche Hörspiele von Schlingensief. Dienstag um 19 Uhr kommt dort »Lager ohne Grenzen« (WDR 1999; Di., 19 Uhr, WDR 3) – ein Stück zur damaligen Situation der vor dem NATO-Krieg gegen Jugoslawien Geflüchteten. Es folgen »Hören soll stören« (WDR 2003; Mi., 19 Uhr, WDR 3), die Rede Schlingensiefs anlässlich seines Gewinns des Hörspielpreises der Kriegsblinden 2003, das prämierte Stück  »Rosebud« (WDR 2002; Do., 19 Uhr, WDR 3) selbst sowie sein Hörspieldebüt »Rocky Dutschke ’68« (WDR 1997; Sa., 19 Uhr, WDR 3).

Um Wetterbeeinflussung geht es in Werner Cees Arbeit »When Whea­ther Was Wildlife« (SWR 2020; Di., 20 Uhr, DLF), die auf seinen bisherigen Stücken zum sogenannten Anthropozän basiert.

»Weshalb erleben Verschwörungsmythen einen Aufwind?« – zu diesem Thema führt die Sendung »Streitmächte« (Mi., 17 Uhr, Radio Corax Halle) ein Gespräch mit dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Oliver Nachtwey. Unter der Überschrift »Das Lachen der Täter« steht ein Interview, das Radio Corax aus Halle bereits am 16. Oktober mit Klaus Theweleit über sein gleichnamiges Buch und den rechten Anschlag auf eine Synagoge in Halle am 9. Oktober 2019 geführt hat – der Beitrag findet sich auf freie-radios.net zum Download. Dort steht unter dem Titel »Am Anfang haben wir noch gelacht« auch ein weiterer Beitrag über Verschwörungsmythen, für den Radio Z aus Nürnberg am 16.10. mit Giulia Silberberger sprach, der Gründerin des in Berlin vergebenen Negativpreises »Goldener Aluhut«. Aus Nürnberg sendet diese Woche auch Bernd Pflaum seine Sendung »Mach mal langsam« (Mi., 20 Uhr, Radio Z) zum Motto »Aufstand Schwarzer Stimmen«.

Vom Buch zum Theater, zum Radio: Diesen Weg hat »Der Ruf der Wildnis« (NDR 2018; Mi., 22 Uhr, DLF Kultur) hinter sich, die Funkinszenierung von Cordula Dickmeiß nach Sören Voimas Bühnenbearbeitung des gleichnamigen Textes von Jack London. Direkt ab ins Radio geht es hingegen für Martin Durms »Ägypten unter Al-Sisi – Ein Feature über die zerschlagene Revolution« (SWR 2020; Mi., 22 Uhr, SWR 2 u. a.), das ARD-»Radiofeature« für diesen Monat.

Von Dinah Rothenberg und Mohammed Ashour kommt die empfehlenswerte Ursendung »It’s not a secret any­more« (DLF Kultur 2020; Do., 22 Uhr, DLF Kultur) zur aktuellen Situation auf Leros. Die griechische Insel ist ein sogenannter EU-Hotspot zur Registrierung Geflüchteter. Bodo Traber und Tilman Zens sind kurz darauf mit »Die Flüsterer« (WDR 2008; Do., 23 Uhr, 1 Live), dem Gewinnerstück der Kategorie Hörspiel beim für Science-Fiction ausgelobten Kurd-Laßwitz-Preis 2009 am Start. Vicki Bennetts Hörspiel »I can fly« (WDR 2020; Fr., 0 Uhr, DLF Kultur) setzt sich mit Mary Poppins und Superman als Projektionsflächen menschlicher Sehnsüchte auseinander.

In die Unterwelt führt Felix Kubins »Orphée Mécanique« (BR 2006/2012; Fr., 21 Uhr, Bayern 2), tags darauf gibt es News vom »Antifa-Info« (Sa., 19.30 Uhr, FSK), bevor Edgar Allan Poes »Der Fall des Hauses Ascher« (SRF 1988; Sa., 20 Uhr, SRF 2 Kultur) in der Übersetzung von Arno Schmidt zu hören ist. Und an Ursendungen stehen zur Wochenendunterhaltung Henry Jaegers  »Vom Gauner persönlich« (HR 2020; Sa., 23 Uhr, HR 2 Kultur), Magdalena Schrefels »Ein Berg, viele« (BR/ORF 2020; So., 15 Uhr, Bayern 2) und von Anne Bennent, Ines Birkhan und Sainkho Namtchylak »mit der Fliehkraft« (ORF 2020; So., 23 Uhr, ORF Ö 1) an.

Unverzichtbar!

»Die junge Welt ist unverzichtbar, wegen ihrer klaren Positionierung beim Kampf für eine lebenswerte, von Ausbeutung befreite Welt. Sie verdeutlicht, dass nur in vereinten Kämpfen Erfolge errungen werden können!« – Andre Koletzki, Geprüfter Meister für Bäderbetriebe, Berlin

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