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Aus: Ausgabe vom 20.10.2020, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Mobilitätswende

Subventionierte Dreckschleuder

»Ökobonus« der Regierung fördert vor allem Kauf von SUV-Fahrzeugen
Von Bernd Müller
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Batterieprobleme: Der US-amerikanische Autobauer Ford musste für rund 33.000 Exemplare seines Modells »Kuga« in Europa einen Rückruf starten.

Elektrofahrzeuge erleben zur Zeit einen Boom, und die Bundesregierung lässt es sich einiges kosten, sie zu fördern: Den Kauf eines Autos mit Elektroantrieb unterstützt sie mit bis zu 6.750 Euro. Im September hatte die Zahl der Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen einen neuen Höchststand erreicht, teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) Anfang Oktober mit. Vor allem die Zulassung von Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen wies demnach einen Zuwachs von 463 Prozent im Gegensatz zum Vorjahresmonat auf. Bis zum 30. September wurden von ihnen rund 312.000 zugelassen.

Diese Fahrzeuge verfügen über zwei Motoren: einen Verbrenner und einen Elektromotor, und unter ihnen dominieren »die als Stadtpanzer verspotteten SUV«, berichtete die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) am vergangenen Sonntag, weil sie ausreichend Platz für die notwendige Technik bieten – und weil sie die höchsten Renditen versprechen. Das Paradoxe am »Ökobonus« ist also, dass SUV damit gefördert werden.

Autos mit Hybridantrieb können beim Klimaschutz behilflich sein – wenn sie mindestens zur Hälfte elektrisch betrieben werden. Viele fahren aber »ausschließlich mit dem Verbrenner und nutzen die E-Mobilität nur zur Startbeschleunigung an der Ampel«, schimpft Grünen-Politiker Cem Özdemir laut FAS.

Die Zielmarke von 50 Prozent elektrischen Betriebs bei Hybridfahrzeugen wird in Deutschland nicht erreicht, heißt es in einem aktuellen Bericht der »Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität«, eines Expertengremiums, das die Bundesregierung berät. Bei Privatfahrzeugen seien es 43 Prozent und bei Dienstfahrzeugen lediglich 18 Prozent. Eine signifikante Minderung des Ausstoßes von Treibhausgasen lasse sich erst verzeichnen, wenn der Anteil des elektrischen Betriebs deutlich erhöht wird: auf 65 Prozent bei Privat- und auf 55 Prozent bei Dienstfahrzeugen.

In der nächsten Zeit werden sich viele Hybridfahrzeuge nur mittels Verbrennungsmotor fortbewegen. Einige Autokonzerne mussten ihre Plug-in-Hybriden in die Werkstätten zurückrufen – es drohte Brandgefahr, heißt es im Handelsblatt (Montagausgabe). Der Hintergrund sind Probleme bei der Herstellung der Batterien. BMW muss demnach jetzt 26.000 Fahrzeuge umrüsten, weil es »Verunreinigungen im Produktionsprozess« der gelieferten Batterien gegeben habe. Auch der US-amerikanische Autobauer Ford musste für rund 33.000 Exemplare seines Modells »Kuga« in Europa einen Rückruf starten. Bis eine Reparatur möglich ist, sollen die Kunden auf den Elektroantrieb verzichten. Als Entschädigung erhalten sie einen Tankgutschein von 500 Euro.

Die Plugin-in-Hybrid-Antriebe sind für die Autokonzerne unverzichtbar. Mit ihnen soll es gelingen, die EU-Emissionsgrenzwerte einzuhalten. Gelingt den Konzernen nicht, die Grenzwerte einzuhalten, drohen ihnen empfindliche Strafen. Bei Ford Europa wird nach Angaben des Handelsblatts in diesem Jahr wahrscheinlich ein dreistelliger Millionenbetrag fällig, weil es für den «Kuga« einen Auslieferungsstopp gebe.

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