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Aus: Ausgabe vom 20.10.2020, Seite 1 / Kapital & Arbeit
Welthandel

Deutsches Kapital gegen China

Regierung auf der Suche nach alternativen Absatzmärkten in Südostasien
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Vereint gegen die Volksrepublik: Regierung und Konzernchefs waren sich am Montag einig

Bundesregierung und Kapitalvertreter wollen Alternativen zum Geschäft mit China suchen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verwies am Montag auf der Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft in Berlin darauf, dass derzeit 75 Prozent der deutschen Exporte nach Ostasien gingen, die Hälfte allein in die Volksrepublik. »Angesichts dessen bieten sich noch viele Möglichkeiten der Diversifizierung und Erschließung weiterer Märkte in der gesamten Asien-Pazifik-Region«, fügte sie hinzu. Wichtig seien dabei die Gleichbehandlung der Unternehmen, Transparenz, Rechtssicherheit und der Schutz geistigen Eigentums.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte auf der Konferenz: »Wir wollen natürlich unsere Lieferketten diversifizieren.« Es habe sich in der Coronapandemie gezeigt, dass diese sehr einseitig ausgerichtet seien, was zu Abhängigkeiten führe und anfällig für Unterbrechungen mache.

Altmaier verwies darauf, dass auch andere asiatische Länder wie Singapur oder Südkorea sehr gut mit der Coronapandemie umgegangen seien. »Es hat zur Folge, dass dort die Wachstumskräfte sehr früh wieder die Überhand gewonnen haben.« Das müsse man ausnutzen. Josef Käser, Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft und Vorstandschef von Siemens, nannte vor allem Vietnam als wichtige Alternative für Investitionen. Deutschland habe dort die duale Ausbildung vorangetrieben, so dass qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stünden. Man könne »relativ zügig« in das Land ausweichen. Zudem benannte Käser Indien und Indonesien. Letzteres habe bei 300 Millionen Einwohnern eine wachsende Mittelschicht. Deutsche Firmen und die Politik sollten die Qualifizierung von Mitarbeitern vorantreiben, wie man es früher auch in China gemacht habe. Die EU müsse ihre wirtschaftspolitischen Interessen im Wettbewerb mit den USA und China klarer und einheitlicher formulieren. Die neuen Wirtschaftszahlen zeigten, dass China schnell aus der Pandemie gekommen sei. Das liege an der Größe des chinesischen Marktes, aber auch am Handeln der Regierung. (dpa/Reuters/jW)

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