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Aus: Ausgabe vom 19.10.2020, Seite 8 / Ansichten

Fauler Adel des Tages: C. A. Freiherr von Stetten

Von Felix Jota
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Pöbelnder Freiherr: CDU-Mittelstandschef im Bundestag, Christian von Stetten, legt sich mit der kurzarbeitenden Klasse an

Schon immer verzweifelte der deutsche Adel schier an der notorischen Faulenzerei des Pöbels. Offensichtlich wollte das Volk nicht begreifen, welche enormen Kosten man für Hofhaltung, Repräsentation und die Besoldung von Landsern bei unverzichtbaren Raubzügen aufbringen musste. Christian Alexander Freiherr von Stetten, Vertreter eines alten fränkischen Geschlechts und Mittelstandschef der Bundestagsfraktion der Union, stellte sich am Wochenende in diese Tradition des Lamentierens. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) klagte er, mit der Ausweitung des Kurzarbeitergeldes werde »Hunderttausenden Personen ein Jahr Sabbatical auf Kosten der Allgemeinheit finanziert«.

In einer Situation, in der die Coronazahlen wieder in die Höhe schießen und das Kurzarbeitergeld für viele Betriebe und Beschäftigte als rettender Strohhalm erscheint, ist das ein steiles Statement. Aber wenn man seit Geburt im Schloss Stetten im baden-württembergischen Künzelsau hoch über dem Kocher wohnt und vom Vater ein florierendes Bau- und Immobilienunternehmen übernommen hat, verliert man offenbar leicht den Kontakt zur Realität.

Apropos Vater: Wolfgang Freiherr von Stetten saß auch schon für die CDU im Bundestag und sorgte 1997 für Schlagzeilen, als er den früheren Nazimarinerichter Hans Filbinger als Präsident des berüchtigten Studienzentrums Weikersheim ablöste, einem Netzwerk der neuen Rechten. Von Stetten senior bezeichnete sich selbst als »national-liberal-konservativ«. Aber zurück zum Sohn. Zu kritisieren, die Allgemeinheit finanziere mit dem Kurzarbeitergeld Menschen »ein Jahr Sabbatical«, ist so oder so grotesk. Erst recht aber, wenn man einer Familie angehört, die sich seit Jahrhunderten auf Kosten der Allgemeinheit einen schönen Lenz macht.

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