Die XXVI. RLK-Konferenz findet statt
Gegründet 1947 Sa. / So., 31. Oktober / 1. November 2020, Nr. 255
Die junge Welt wird von 2422 GenossInnen herausgegeben
Die XXVI. RLK-Konferenz findet statt Die XXVI. RLK-Konferenz findet statt
Die XXVI. RLK-Konferenz findet statt
Aus: Ausgabe vom 19.10.2020, Seite 2 / Ausland
Frankreich

Entsetzen in Frankreich

Lehrer enthauptet, nachdem er Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte
RTX8389L.JPG
Für die Meinungsfreiheit: Menschen am Sonntag in Lille

Tausende Menschen haben sich am Sonntag nachmittag nach der brutalen Ermordung eines Lehrers in Frankreich zu Solidaritätsdemonstrationen in Paris und weiteren Städten versammelt. Der 47jährige war am Freitag nachmittag von seinem Angreifer in der Nähe seiner Schule im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine enthauptet worden. Das mutmaßliche Motiv des Täters war nach Angaben der Staatsanwaltschaft, dass der Lehrer im Rahmen seines Unterrichts zum Thema Meinungsfreiheit vor einigen Wochen Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt hatte. Anlass war die Diskussion um die erneute Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen im Satireblatt Charlie Hebdo.

Nach dem Mord stellte der Täter ein Bild des Opfers ins Internet. Kurz danach wurde er von der Polizei erschossen. Am Sonntag befanden sich elf Personen aus dem Umfeld des 18jährigen Täters in Polizeigewahrsam. Auch der Vater einer Schülerin, der im Netz gegen den Lehrer mobilisiert hatte, nachdem der die Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte, ist in Polizeigewahrsam genommen worden. Er hatte ein Video verbreitet und öffentlich gegen den Lehrer gewettert, wie Staatsanwalt Jean-François Ricard sagte.

Die Attacke trifft Frankreich mitten in der schweren zweiten Coronawelle. In Paris gilt die höchste Coronawarnstufe, hier sind Versammlungen von mehr als 1.000 Menschen eigentlich verboten. Berichten zufolge hat die Pariser Polizeipräfektur die Demonstration dennoch genehmigt. Zudem soll am Mittwoch mit einer nationalen Gedenkfeier an den Lehrer erinnert werden.

Präsident Emmanuel Macron hat den Mord als islamistisch motivierten Anschlag bezeichnet. Auch US-Präsident Donald Trump verurteilte die Tat und nahm sie zum Anlass, eine Botschaft an die Wähler zu richten: »Einwanderungssicherheit ist nationale Sicherheit«, sagte er am Samstag abend (Ortszeit) im Bundesstaat Wisconsin.

Erst vor wenigen Wochen hatte ein Mann vor dem ehemaligen Redaktionsgebäude von Charlie Hebdo in Paris zwei Menschen brutal mit dem Messer attackiert. Er gab als Motiv ebenfalls Mohammed-Karikaturen an, die das Magazin veröffentlich hatte. Der Angreifer hatte es eigentlich auf die Redaktion abgesehen, wusste aber nicht, dass diese mittlerweile an einen geheimen Ort umgezogen ist. (dpa/Reuters/jW)

Unverzichtbar!

»Zusammen mit der jährlichen Rosa-Luxemburg-Konferenz bietet die junge Welt für uns die perfekte Grundlage, um unsere gewerkschaftliche Arbeit kapitalismuskritisch und antifaschistisch auszurichten.« – DGB-Jugend Ulm

Eine prinzipienfeste, radikal kritische Tageszeitung ist durch nichts zu ersetzen für all diejenigen, die dem real existierenden Kapitalismus und Faschisten etwas entgegensetzen wollen.

Diese Zeit braucht eine starke linke Stimme!

Debatte

  • Beitrag von Ralf S. aus G. (18. Oktober 2020 um 20:32 Uhr)
    Ich weiß nicht, was mich mehr anwidert. Die abscheuliche, widerlich faschistoide, menschenverachtende Kleingeistigkeit und unvorstellbare Intoleranz, die hinter einer solchen Tat steckt, oder wie Rechte, Fremdenfeinde und Rassisten aller Gattungen daraus (wie immer) Kapital zu schlagen versuchen.

Ähnliche:

  • »Gegen die Weiterbildung auf der höheren Schule spricht vor alle...
    01.08.2020

    Bourdieu und mein Vater

    Wie das Bürgertum die Unteren unten hält. Die Studien des französischen Soziologen, der am 1. August 1930 geboren wurde, lassen sich auch an der Karriere eines Arbeiterkindes in der Bundesrepublik überprüfen
  • Eine stärkere Besteuerung von Vermögen wird das grundsätzliche P...
    09.12.2019

    Umverteilen reicht nicht

    Thomas Piketty untersucht den Zusammenhang von Kapital und Ideologie, will aber vom Profit nichts wissen. Eine Rezension
  • Tränengas gegen »Gelbwesten« am 44. Protesttag in Nantes, 14. Se...
    15.11.2019

    »Armut tötet«

    Frankreichs Studierende erheben sich gegen unerträgliche Lebensbedingungen

Regio:

Mehr aus: Ausland