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Aus: Ausgabe vom 17.10.2020, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Lange Demütigung

Zu jW vom 10.10.: »Um uns selber kümmern«

Am Vorabend des 30. Jahrestags der »deutschen Einheit« fragte das »Heute-Journal« Exbundespräsident Joachim Gauck nach seinen Eindrücken. In einem Wortschwall seine Hauptthese: »Im Osten hat die Zeit der politischen Ohnmacht von 1933 bis 1989 gedauert.« Mit dem Anschluss erlebten Bürger der DDR – und es waren an die 17 Millionen –, wie eine volkseigene Industrie, schwer erarbeitet und weithin anerkannt, weitgehend platt gewalzt wurde, wie bewährte und gut ausgebildete Fach- und Führungskräfte in Wissenschaft, Technik, Medizin, Kultur »Westimporten« weichen mussten, bis in die Gegenwart. Trotz wiederholter Wahlversprechen bleiben Löhne und Renten niedriger. Allein die Vermögensunterschiede zwischen Ost und West sind drastisch. Ohnmacht hin, Ohnmacht her – Demütigung ist langwierig. (…) Vor hundert Jahren schrieb Kurt Tucholsky: »Das Geld rast und tyrannisiert.« Was daraus wurde, ist bekannt.

Atti Griebel, Berlin

Impfpflicht gab es

Zu jW vom 12.10.: »Vorsorge ohne Pharmalobby«

Ein großes Danke für Ihre Serie über die Leistungen der DDR! Der Neid der »besitzlosen Bundesbürger« auf diesen Reichtum der »armen Brüder und Schwestern in der Zone« veranlasste die im Auftrag des Kapitals Regierenden 1990, dort endlich wieder die alte Ordnung herzustellen – um des heiligen Profits willen. Und so wurde alles platt gemacht. Es konnte nicht sein, was nicht sein durfte. (…) Was die Impfpflicht in der DDR betrifft, so hat sich in Ihrem Beitrag allerdings ein Irrtum eingeschlichen: Sie gab es! Natürlich wird sie jetzt als »staatlich verordnet« verunglimpft. Geschenkt, siehe oben und den »ausreichenden« Grippeimpfstoff für alle 2020. (…)

Dr. Hans-Jürgen Nagel, per E-Mail

Rückständige BRD

Zu jW vom 14.10.: »Bildung für alle«

Was mit der DDR verlorenging, hat so mancher Schlauberger bis heute nicht bemerkt. 16 Jahre ist es her, da gab es in den Dürener Nachrichten gleich drei bemerkenswerte Artikel dazu: »DDR und Finnland als Vorbild«, »Gemeinsamer Unterricht bis zur zehnten Klasse« und »Wir müssen Schule ganz neu denken«. Ein jeder Leser konnte den Artikeln entnehmen, dass das Bildungssystem der BRD völlig rückständig ist. Es war aufgefallen, dass das Schulsystem der DDR keineswegs so marode war, wie uns dies die Medien jahrzehntelang vorgegaukelt hatten. Im Gegensatz zur verschlafenen »BRD-Elite« hatte Finnland das Schulsystem der DDR in weiten Teilen übernommen und ist sehr erfolgreich damit. »Innerhalb von zehn Jahren könnte das deutsche Schulsystem radikal reformiert werden«, hoffte damals die GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange. Nie vergessen hab’ ich seitdem die Sätze: »Das deutsche Schulsystem konzentriert sich doch derzeit darauf, Schüler auszulesen. Nur 37 Prozent der jungen Menschen haben deshalb eine Hochschulzugangsberechtigung. In anderen OECD-Ländern sind es doppelt so viele.« (…) Und was hat sich inzwischen bei uns getan? 30 Jahre nach dem Ende der DDR dümpeln wir noch immer vor uns hin. Und es wird Jahrzehnte dauern, bis wir dort sind, wo Finnland bereits vor 16 Jahren war. Vorausgesetzt, wir fangen endlich an, unser Bildungssystem zu reformieren. Aber dazu ist man ja offensichtlich weder willens noch fähig!

Lothar Böling, Düren

Ganze Wahrheit

Zu jW vom 13.10.: »Bezahlbar und unkündbar«

Der Kontrast zum heutigen Mietwucher kann in der Tat größer nicht sein, jedoch hatten die niedrigen Mieten in der DDR eine Kehrseite: Altbauten verfielen stadtviertelweise. Das ist nun wahrlich nicht neu, wir wissen es alle. Und es gehört zur Wahrheit! In Cottbus zum Beispiel wurde eine städtebaulich wichtige Zeile von Gründerzeit- und Jugendstilhäusern nur erhalten, weil die »Wende« kam. Der historische Kern von Greifswald sollte durch Betonbauten ersetzt werden, das Andreasviertel in Erfurt war dem Verfall preisgegeben … Wenn die meisten Medien ausschließlich die negativen Seiten der DDR hervorheben, so sollte die junge Welt nicht das genaue Gegenteil tun, sondern der ganzen Wahrheit verpflichtet sein. Der Glaubwürdigkeit wegen! (…)

Rudolf Sittner, Cottbus

Keine Partner

Zu jW vom 10.10.: »Die große Intrige«

Von deutschem Territorium aus wurden und werden ständig ausländische Staatsbürger völkerrechtswidrig getötet (also ermordet) durch die dort befindlichen Anlagen für den Drohnenkrieg der USA im Nahen Osten. (…) Das hat alles (…) keinerlei Folgen, ebenso wie weiterhin Beziehungen zu Saudi-Arabien gepflegt werden, welches in seinem Konsulat in Istanbul einen Oppositionellen zerstückeln ließ. Bei dem Schmierentheater um die Fälle Nawalny, Skripal oder Tiergarten handelt es sich um Ablenkungsmanöver unter dem Titel »Haltet den Dieb«. Wenn ein Terrorist, der im Kaukasus an Massenmorden beteiligt war, im Tiergarten in Berlin spazierengehen darf, erhebt sich für die Menschen in Russland von Tag zu Tag mehr die Frage, ob Deutschland wirklich noch ein Land ist, mit dem man Beziehungen pflegen sollte. Die Sowjetunion hat 1945 Gleiches nicht mit Gleichem vergolten, den Deutschen Anfang der 1950er Jahre die Wiedervereinigung angeboten, sie 1990 ermöglicht, im Gegensatz zu den USA ihre Truppen aus Deutschland abgezogen, Vorschläge zur Zusammenarbeit und Abrüstung ohne Ende vorgetragen. Wagt hier jemand zu behaupten, man könne mit Russland nicht weiter zusammenarbeiten? Die Antwort des Westens auf alle Kooperationsangebote sind regelmäßig unfreundliche Akte von Sanktionen bis hin zu Kriegen. In Russland werden Länder wie die USA oder Deutschland beschönigend noch »Partner« genannt. Noch, denn verdient haben die USA diesen Titel seit 1945 nicht mehr. Das gilt auch für Deutschland (mit Ausnahme der DDR). Es sind Gegner Russlands. Wer sich nahezu täglich feindselig verhält, wird von der Gegenseite letztlich dann auch so betrachtet.

Fred Buttkewitz, Ulan-Ude/Russland

30 Jahre nach dem Ende der DDR dümpeln wir im Bildungswesen noch immer vor uns hin. Und es wird Jahrzehnte dauern, bis wir dort sind, wo Finnland bereits vor 16 Jahren war.

Unverzichtbar!

»Besonders in der Schule lernt man wenig über die tatsächlichen historischen und aktuellen Zusammenhänge, umso wichtiger ist die junge Welt mit ihrem Beitrag zur Aufklärung.« – Saskia Bär, Studentin

Eine prinzipienfeste, radikal kritische Tageszeitung ist durch nichts zu ersetzen für all diejenigen, die dem real existierenden Kapitalismus und Faschisten etwas entgegensetzen wollen.

Diese Zeit braucht eine starke linke Stimme!

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