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Aus: Ausgabe vom 16.10.2020, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Arbeitskampf

Ringen um die Gesundheit

Gewerkschaften rufen in Frankreich zu Streiks im Gesundheitswesen auf
Von Raphaël Schmeller
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»Das Krankenhaus braucht keine Almosen«. Pflegekräfte in Frankreich streiken für mehr Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen

In Frankreich brodelt es wieder. Nur drei Monate nach dem von der Regierung organisierten »Gesundheitsgipfel« (benannt nach der Adresse des zuständigen Ministeriums »Ségur de la santé«) hat ein von der Gewerkschaft CGT angeführtes Bündnis am Donnerstag zum Streik im Gesundheitswesen aufgerufen. Die Beschäftigten sind unzufrieden mit Präsident Emmanuel Macron, denn »das, was bisher umgesetzt worden ist, ist völlig unzureichend«, erklärte Mireille Stivala, Generalsekretärin der CGT Santé, im jW-Gespräch am Donnerstag. Im Oktober hatte es eine Lohnerhöhung für das Pflegepersonal in Krankenhäuser und Altenheimen von rund 90 Euro gegeben, weitere 90 Euro, ursprünglich für März 2021 angekündigt, sollen jetzt doch »noch vor Jahresende« dazukommen, kündigte Premierminister Jean Castex am Donnerstag an.

»Wir sind völlig erschöpft«, sagte Stivala, »da reichen ein paar Euro mehr im Monat nicht aus, um das Problem zu lösen.« Hunderte Betten würden trotz Coronapandemie geschlossen, weil es nicht genügend Personal gebe, um mehr Patienten zu versorgen. »Das System versagt. Viele Kollegen haben in den letzten Monaten hingeschmissen, der Job ist zu anstrengend geworden.« Die CGT fordert die Regierung auf, Zehntausende neue Stellen im Gesundheitswesen zu schaffen. »Dazu muss der Beruf attraktiver werden«, so Stivala. Um beispielsweise auf das OECD-Durchschnittseinkommen von Krankenpflegern zu kommen, müssten deren Gehälter in Frankreich monatlich um 500 Euro erhöht werden. Im internationalen Vergleich sehe die Lage überhaupt sehr schlecht aus: Auf 1.000 Einwohner kämen in Frankreich lediglich 5,9 Krankenbetten. Dieser Wert liegt in Deutschland bei 13.

Am Donnerstag morgen, bevor es zum Demonstrationszug ging, erzählte Laurent Rubinstein, 30 Jahre alt und Pfleger in einem Pariser Krankenhaus, dem Radiosender France Info: »Seit März arbeite ich pausenlos. (…) Ich liebe meinen Beruf, aber es wird mir langsam physisch und psychisch zu belastend. Wir werden hier zu Robotern«. Auch Gewerkschafterin Stivala läutet die Alarmglocken: »Wenn die Situation in den Krankenhäusern nicht sofort drastisch verbessert wird, dann fahren wir mit vollem Tempo gegen die Wand«. Die CGT werde alles daran setzen, Macron zum Einlenken zu bringen, damit das nicht passiert.

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