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Aus: Ausgabe vom 16.10.2020, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Wirtschaftslage

Krise bleibt akut

Kurzarbeit, Entlassungen, drohende Pleitewelle: Ökonomen schrauben Wachstumsprognosen weiter nach unten
Von Susan Bonath
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Beschäftigte in Nürnberg protestieren am Donnerstag gegen Stellenabbau bei Zulieferunternehmen der Autobranche

Das Schönfärben der Wirtschaftskrise will nicht mehr gelingen. Deutsche Ökonomen prognostizierten jüngst ein Minus von 5,4 Prozent, der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzte den konjunkturellen Einbruch auf sechs Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Politik verschärft Beschränkungen und verlängerte halbherzige »Corona-Konjunkturpakete«, die Europäische Zentralbank (EZB) will den »Geldfluss in der Volkswirtschaft im Gange halten«. Viele kleine Unternehmen stehen vor der Insolvenz, die Bundesagentur für Arbeit (BA) erwartet einen Ansturm im Hartz-IV-System. Derweil saß Ende September in der Bundesrepublik noch immer jeder neunte Beschäftigte zu Hause in Kurzarbeit, wie das Institut für Wirtschaftsforschung München (Ifo-Institut) am Donnerstag mitteilte.

Wie die Ifo-Forscher in Umfragen ermittelten, ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Kurzarbeiter in Deutschland zuletzt binnen eines Monats von geschätzten 4,7 auf etwa 3,7 Millionen gesunken. Im Mai lag die Zahl der auf Kurzarbeit Gesetzten bei rund 7,3 Millionen. Zum Vergleich: In der vorherigen Wirtschaftskrise war der Höchststand an Kurzarbeit 2009 mit rund 1,4 Millionen Betroffenen erreicht. Nun habe die aktuelle Zahl sich seit Mai zwar halbiert, liege aber immer noch auf hohem Niveau, heißt es. Das Arbeitsvolumen insgesamt sei dadurch etwa um fünf Prozent gesunken. Und: Im verarbeitenden Gewerbe wie dem Fahrzeugbau oder der Metall- und Elektroindustrie sei zwar die Kurzarbeit rückläufig, aber immer noch »deutlich höher als etwa im Baugewerbe, Handel oder in den meisten Dienstleistungsbereichen«.

Den höchsten Anteil an Kurzarbeitern verzeichnet demnach Bayern, wo Ende September noch immer 14 Prozent der Menschen mit sozialversicherungspflichtigem Job ganz oder teilweise zu Hause saßen. Betroffen waren insgesamt 825.000 Lohnabhängige. In Baden-Württemberg waren zuletzt gut 600.000 Beschäftigte (13 Prozent) betroffen, in Nordrhein-Westfalen (knapp 800.000 Kurzarbeiter) und dem Saarland (193.000 Kurzarbeiter) waren dies insgesamt elf Prozent. In Niedersachsen, Bremen, Hessen und Schleswig-Holstein steckte demnach jeder zehnte in dieser Situation fest, in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern war es jeder elfte, in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen jeder zwölfte. »In Bundesländern mit viel Metallverarbeitung, Maschinenbau, Autobauern und Zulieferern wird mehr Kurzarbeit als anderswo gefahren«, sagte der Ifo-Forscher Sebastian Link am Donnerstag in einer Pressemitteilung.

Der Studie zufolge schrumpfte der Anteil von Kurzarbeitern an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Metallindustrie von 48 Prozent im Juni auf 34 Prozent Ende September. Im Fahrzeugbau ging er in dieser Zeit von 46 auf 24 Prozent zurück, beim Maschinenbau von 35 auf 29 Prozent. In der Land- und Forstwirtschaft registrierten die Forscher noch im Juli einen Arbeitsausfall von etwa 43 Prozent für jeden Kurzarbeiter, im September waren es knapp 30 Prozent. Am stärksten ist das Gastgewerbe betroffen. Dort fiel noch im Juli der Analyse zufolge pro Kurzarbeiter mehr als jede zweite Arbeitsstunde aus, im September waren es noch immer 47 Prozent.

Mehrere Automobilzulieferer haben Stellenabbau angekündigt. Die Schaeffler-Gruppe will bundesweit 4.400 Beschäftigte auf die Straße setzen, die IG Metall demonstrierte dagegen am Mittwoch zum zweiten Mal am Stammsitz im bayrischen Herzogenaurach. Auch der Konzern Woco mit Sitz im hessischen Bad Soden-Salmünster will Mitarbeiter loswerden. Am Mittwoch hatte das Unternehmen die Beschäftigten darüber informiert, aber noch keine Zahl bekanntgegeben.

Ins Straucheln geraten sind aber vor allem kleinere Unternehmen. Laut einer Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gab Anfang Oktober nur rund ein Viertel der Betriebe im Gastgewerbe und im Bereich Verkehrswesen an, »grundsätzlich ausreichend« liquide zu sein, also über die nötigen Finanzmittel zu verfügen, um durch die Krise zu kommen. Jedes fünfte Unternehmen in diesen Bereichen erklärte, maximal zwei Monate Rechnungen begleichen zu können, jeder sechste Gastbetrieb schätzte diese Zeit auf gerade vier Wochen. Insgesamt sieht jeder zehnte Betrieb die Pleite unmittelbar bevorstehen. Mehr als jede sechste Firma sah sich von der Krise weiterhin »stark negativ« betroffen. Im Mai waren dies dreimal so viele Betriebe. Ein weiteres Viertel der befragten Unternehmen schätzte die eigene Situation als »mäßig negativ« betroffen ein.

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