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Aus: Ausgabe vom 16.10.2020, Seite 8 / Ansichten

Appelle reichen nicht

Industrie baut Arbeitsplätze ab
Von Daniel Behruzi
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Protestaktion eines Mitarbeiters von Continental (29. September)

Gemeinsam durch die Krise – unter diesem Motto appellierte die IG Metall vor gut zehn Jahren an die Unternehmen, den seinerzeitigen Wirtschaftseinbruch zusammen mit den Beschäftigten zu bestehen und diese nicht massenweise auf die Straße zu setzen. Für die Stammbelegschaften der Großkonzerne klappte das einigermaßen. In vielen kleineren Betrieben und vor allem den Leiharbeits- und Werkvertragsfirmen weniger gut. Auch in der aktuellen Krise hoffen die Industriegewerkschaften darauf, dass es nicht allzu schlimm kommen möge, wobei sie intern bereits mit deutlich sinkenden Mitgliedsbeiträgen infolge von Jobverlusten planen. Die am Donnerstag vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen befeuern eher das pessimistische Szenario.

Im August waren demnach 179.000 oder 3,1 Prozent weniger Menschen im verarbeitenden Gewerbe beschäftigt als ein Jahr zuvor. Das ist der stärkste Rückgang seit Mai 2010. Und weiterer Stellenabbau ist in vielen Betrieben bereits angekündigt. Dieser ist indes keineswegs allein dem Coronavirus geschuldet. Schon vor dessen Ausbreitung war die Industrieproduktion hierzulande rückläufig, wobei die Pandemie die Lage freilich dramatisch verschärfte. Hinzu kommen weitere Probleme wie Handelskonflikte und strukturelle Umbrüche, vor allem in der Automobilindustrie. Und nicht zuletzt scheinen einige Konzerne die Lage für ohnehin geplante Kürzungs- und Verlagerungspläne zu nutzen – zum Beispiel Schaeffler, Continental und Daimler.

Wie können die Gewerkschaften darauf reagieren? Sollten sie, wie Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger am Mittwoch in der Süddeutschen Zeitung forderte, durch Lohnverzicht »einen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten«? Der baldige Chef der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) tischt hier mal wieder das neoliberale Märchen auf, die Unternehmen würden Arbeitsplätze schaffen und sichern, wenn diese nur billig genug seien. Darauf könnte man mit Dulgers eigenen Worten antworten: »Das ist leider vollkommener Unsinn.«

Der Unternehmerfunktionär bezog diesen Satz allerdings auf etwas anderes, nämlich auf den Vorschlag des IG-Metall-Vorsitzenden Jörg Hofmann für eine Vier-Tage-Woche. Die Verkürzung der Arbeitszeiten wäre in der Tat ein wirksames Mittel zur Sicherung von Arbeitsplätzen. Doch im Konsens mit den Konzernen, wie Hofmann es gerne hätte, wird das nicht funktionieren. Dulgers krude Polemik bestätigt das. Wer ernsthaft eine Umverteilung von Arbeit anstrebt – und das möglichst mit vollem Lohnausgleich, damit die Beschäftigten sich das auch leisten können –, muss bereit sein, sich mit den Unternehmern anzulegen.

Die Konzerne haben im vergangenen Boom Milliarden gescheffelt, jetzt sollen die Beschäftigten für die Krise bezahlen. Sicher: In der aktuellen Situation zu kämpfen ist nicht einfach. Appelle allein werden aber nicht reichen.

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