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Aus: Ausgabe vom 15.10.2020, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Kein rasanter Aufschwung

Der »Wumms« bleibt aus

Prognose: Trotz hoher Staatsausgaben bricht deutsche Wirtschaft stark ein
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Krisendauer unterschätzt: Die Minister Olaf Scholz (r.) und Peter Altmaier am 13. März 2020 in Berlin

Wunschdenken weicht partiell der Realität: Die deutsche Wirtschaftsleistung wird 2020 vor allem wegen der Coronapandemie deutlich stärker schrumpfen als noch im Frühjahr erwartet. In ihrem am Mittwoch veröffentlichten Herbstgutachten senkte die vom Staat für die Prognose beauftragte Gruppe von Wirtschaftsforschungsinstituten ihre Schätzung für die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr um mehr als einen Prozentpunkt auf minus 5,4 Prozent ab. Für 2021 werde ein Plus von 4,7 Prozent, für 2022 ein Wachstum um 2,7 Prozent angenommen.

Im April waren die Institute noch von einem Rückgang um 4,2 Prozent in diesem sowie einem Plus von 5,8 Prozent im kommenden Jahr ausgegangen. Zwar sei das BIP im dritten Quartal um schätzungsweise 6,5 Prozent gestiegen, sagte der Konjunkturchef des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, Stefan Kooths, bei der Vorstellung des Gutachtens. Damit liege die Wirtschaftsleistung aber immer noch fast sechs Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Und der »Erholungsprozess dürfte an Fahrt verlieren«.

Als Gründe für die gebremste Erholung sehen die Forscher zurückgehaltene Investitionen sowie die schleppende Entwicklung in Branchen mit vielen Sozialkontakten wie Tourismus, Gastronomie, Veranstaltungsgewerbe und Luftverkehr.

Auch die gewaltigen Geldspritzen des Staates, die für die »Abfederung« der Krisenfolgen vorgesehen sind, können offenbar nicht den von Finanzminister Olaf Scholz (SPD) angekündigten »Wumms« bewirken. Der sollte zu einer V-förmigen Entwicklungskurve des BIP führen. Der dabei erhoffte steile Aufschwung nach dem rasanten Fall in Frühjahr muss deshalb wohl vom Wunschzettel gestrichen werden. Allerdings nicht von Scholz. Der wiederholte nach Bekanntwerden des Gutachtens seine Behauptung und sprach von »guten Aussichten«.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bemühte sich, trotz der Prognose ebenfalls Zuversicht zu verbreiten. Das Herbstgutachten »liegt auf einer Linie mit der Einschätzung der Bundesregierung«, und »der Abschwung in diesem Jahr ist weniger dramatisch als ursprünglich befürchtet«. (AFP/jW)

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