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Aus: Ausgabe vom 13.10.2020, Seite 8 / Ansichten

Atlantiker des Tages: Stefan Liebich

Von Reinhard Lauterbach
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Ungelogen stellvertretender Vorsitzender der »Parlamentariergruppe USA«: Stefan Liebich (Die Linke) in Berlin (15.12.2018)

In der Öffentlichkeit grassiert ein sich beharrlich haltendes Vorurteil: Die Partei Die Linke sei prorussisch. Dieser Verleumdung soll hier einmal mit allem Nachdruck entgegengetreten werden. Die Linke hat nicht nur den unsäglichen Richard Grenell auf ihren Neujahrsempfang eingeladen, als der noch US-Botschafter in Berlin war und nicht Geheimdienstchef – sie stellt auch einen stellvertretenden Vorsitzenden der »Parlamentariergruppe USA« im Bundestag namens Stefan Liebich. Dieser hat gegenüber dem Magazin Spiegel zu Methoden im US-Präsidentschaftswahlkampf geraten, die ansonsten Moskau unterstellt werden: Berlin solle sich eindeutig zugunsten von Donald Trumps Herausforderer Joseph Biden aussprechen.

Und warum? »Trump lügt sechzehnmal am Tag«, zitierte Liebich die Washington Post, die das stichprobenartig nachgezählt hatte. Das mag einen Abgeordneten beeindrucken, der normalerweise keine Gelegenheiten bekommt, öffentlich zu lügen – die werden ja hier nicht mitgezählt. Als gehörte es nicht zur Grundausstattung des erfolgreichen Politikers, lügen zu können – mit der dem jeweiligen Publikum angemessenen Eleganz oder Plumpheit. Trump zeige »immer mehr Anzeichen eines Diktators«, so Liebich. Damit ist er zwar bei weitem nicht der einzige, aber hier müsse laut Liebich die Bundesregierung den US-Demokraten zeigen, dass »ein wichtiger Verbündeter an ihrer Seite« stehe. Aha. Kein Einwand gegen dieses »Bündnis« von seiten Liebichs. Nur ein bisschen Einbildung.

Die Sache mit der Einmischung könne doch nach hinten losgehen, wenn Trump gewinne, fragte der Spiegel nach. Antwort: »Auch Auseinandersetzungen mit China und Russland … erschweren die internationale Zusammenarbeit. Sie werden trotzdem geführt, wenn sie geboten sind«. Wundert sich noch jemand, dass sich Russland im Zweifel lieber an die AfD hält?

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Debatte

  • Beitrag von Dietrich L. aus K. (13. Oktober 2020 um 12:35 Uhr)
    Liebich halt, wie wir ihn kennen.

    Aber was will uns der Autor mit seinem Schlusssatz sagen? Dass eine Förderung der AfD durch die russische Regierung verständlich und womöglich zu akzeptieren ist bzw. wäre – im Sinne des Friedens, oder was? Nein, Reinhard Lauterbach, das wäre für die Friedensbewegung und für Antifaschist*innen nicht zu akzeptieren.
    • Beitrag von Jürgen R. aus W. (13. Oktober 2020 um 23:33 Uhr)
      nein, er will damit sagen, dass daraus mehrere neg. folgen erwachsen, wenn keine oder eine marginalis. linke in den imperial. zentren da ist. vor allem für die von ihnen angegriffenen. auch wenn die sozi-faschism-these seinerzeit stark übertrieben wurde, muss sie nicht gleich aufgg. werden. die arbeiteraristokratie ist nicht nur ein beifang des extremkapitals, der »mitte«.

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