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Aus: Ausgabe vom 10.10.2020, Seite 3 (Beilage) / Wochenendbeilage

Gangsterstück mit Habeck

Von Arnold Schölzel
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Im Berliner Politvarieté purzeln die Kanzlerkandidaten aus dem Zylinder. Bei »Maischberger. Die Woche« in der ARD durfte der Grünen-Kovorsitzende Robert Habeck am Mittwoch öffentlich ausbreiten, dass er antreten will. Das hörte sich im Grünen-Schwurbel so an: Man müsse »sich selbst überprüfen, ob man glaubt, man hat das moralische Rüstzeug und innere Ruhe, man hat einen Plan, was man will. Diesen Plan habe ich, und deshalb ist die Antwort: Ja, diese Prüfung würde ich für mich bestehen.« Frau Maischberger garnierte ihre Wahlkampf-PR mit einer rührseligen Homestory: Habeck, der zu Hause alles mit seiner Frau teilt – Romane schreiben, Kinder erziehen. Nur Politik macht er allein. Habeck ist wie das, was als Backware hierzulande durchgeht: außer Billigzucker kein Inhalt, aber krosse Kruste.

Die stylen Großredaktionen seit Jahren. Mitte 2019 hievte z. B. der Stern den Flensburger auf den Titel – sorgfältig gewuscheltes Haar, sorgfältig bearbeitete Bartstoppeln, fester Blick in die Ferne und Wetterjacke mit offenem Kragen. Der Stern titelte: »Unser nächster Kanzler?« und meldete: »Robert Habeck und Annalena Baerbock führen die Partei mit einem revolutionären Konzept: Vertrauen«. Mehr Pose plus Inhaltsleere gehen nicht. Im November 2019 kam folgerichtig die Einsegnung von oberster Stelle. Transportunternehmer und HSV-Sponsor Klaus-Michael Kühne traf sich mit dem Auserwählten privat und verkündete anschließend: »Ich kann mir Herrn Habeck als Bundeskanzler einer grün-schwarzen Koalition vorstellen. Wenn man sich die Parteien in Deutschland anschaut, dann sind die Grünen der einzige Hoffnungsträger.« Jedenfalls für Kühne und andere deutsche Milliardäre. Danach lieferte Habeck pflichtgemäß: Attacke auf Trump (Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar 2020), Treffen mit ­Emmanuel Macron (Sicherheitskonferenz München im Februar 2020) und antirussische Anfeindungen.

Die sind für deutsche Grüne generell eine leichte Übung – vom linken Antikommunismus der Gründerjahre zum antirussischen Furor heute herrscht Kontinuität. Habeck hat in dieser Hinsicht gegen einen Norbert Röttgen (CDU) längst die Nase vorn. Bereits im September 2016 sagte er, damals noch Minister in Kiel, Spiegel online: »Wladimir Putin bombardiert in Syrien Zivilisten, treibt damit noch mehr Menschen in Flucht, Elend und Tod. Und wir ermöglichen das über unsere Gas- und Öleinkäufe in Russland.« Diese Partnerschaft mit dschihadistischen Kopfabschneidern führte Habeck folgerichtig zu der Forderung, den Bau der Gasleitung Nord Stream 2 zu stoppen: »Mindestens muss der geplante Ausbau der Nord-­Stream-Pipeline gestoppt werden. Sonst helfen wir Russland, noch mehr Gas nach Deutschland und Europa zu transportieren und seine Einnahmen zu erhöhen.« Damals hatte die NATO gerade die Rückkehr zur atomaren Erstschlagsdoktrin des Kalten Krieges und die Erneuerung des Atomwaffenarsenals beschlossen.

Auf NATO-Kurs blieb Habeck verlässlich auch 2020. Anfang September zitierte ihn die Süddeutsche Zeitung zu Nord ­Stream 2: »Diese Pipeline spaltete Europa. Sie ist ökologisch unsinnig und überdimensioniert. Und sie ist sicherheitspolitisch falsch.« Wenn die Bundesregierung sich jetzt nicht in der EU für einen Baustopp einsetze, sende sie das Signal an die russische Regierung: »Ihr könnt internationale Verträge brechen, wie ihr wollt, ihr könnt Menschen vergiften, ihr könnt euch benehmen wie die Axt im Walde, wirtschaftliche Interessen gehen immer vor.« Für Habeck geht jede Konfrontation mit Russland vor Frieden. Willige Helfer in den Großmedien stehen bereit. Das Gangsterstück heißt frei nach Brecht: Sowas will fast die Welt regieren.

Für Habeck geht jede Konfrontation mit Russland vor Frieden. Willige Helfer in den Großmedien stehen bereit. Das Gangsterstück heißt frei nach Brecht: Sowas will fast die Welt regieren.

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