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Aus: Ausgabe vom 09.10.2020, Seite 16 / Sport
Beim Fananwalt

Besuch beim Nachwuchs

Von René Lau
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Am vorigen Sonnabend jährte sich der Beitritt der DDR zur BRD zum 30. Mal, und die große Politik lud zum Fest nach Potsdam ein. Und was macht der Fananwalt an einem solchen Tag? Er fährt nach Potsdam, nicht aber um zu feiern, sondern an das andere Ende der Stadt, nach Babelsberg. Zum Fußball – Was sonst?

Es spielten die C-Junioren in der Regionalliga, immerhin die höchste Liga in dieser Altersklasse. Ich gebe zu, nicht ohne Eigennutz dort gewesen zu sein, schließlich trainiert der eigene Sohn die Babelsberger Nachwuchskicker. Diese traten gegen die Loksche aus der Messestadt Leipzig an. Hätten die Männer gespielt, ginge kaum mehr ostdeutsche Fußballtradition. Aber es waren die 14jährigen Babelsberger und Sachsen, denen über 70 Minuten meine Aufmerksamkeit galt.

Und ich merkte immer mehr, wieviel Spaß es macht, wieder einmal ein Spiel fernab des großen Fußballs zu sehen. Aufgeregte Mütter, alles besser wissende Väter und beruhigende Omas und Opas. Alles war dabei. Schnell kommt man ins Gespräch, und man muss gar nicht Fan des einen oder anderen Vereins sein, um das Ganze genießen zu können.

So einiges ging mir durch den Kopf. Viele Jahre habe ich selbst als Vater den Sohn bei seiner Entwicklung auf den Fußballplätzen dieser Stadt begleitet, kenne fast jede Turnhalle und habe mit der eigenen Kanzlei den Nachwuchs unterstützt.

In Zeiten, in denen höchsten Verbandsfunktionären Steuerhinterziehung oder Korruption vorgeworfen wird, sollte sich jeder Fan bewusst sein, dass diese Hauptamtlichen nicht den wahren Fußball repräsentieren. Der findet fernab des großen Fußballs bei den Amateuren oder eben auf dem Kunstrasenplatz der C-Jugend statt. Und dort wird er immer lebendig sein. Denn er benötigt eben keine Fernsehmillionen, um zu überleben. Engagement, ganz kleines Geld und vor allem viel Herzblut sind dort viel wichtiger.

Jeder von uns Fußballfans sollte sich immer wieder mal darauf besinnen, Nachwuchsspiele zu besuchen. Seien es die des Herzensvereins oder des Klubs nebenan. Man wird dadurch geerdet und wird sich wieder bewusst, weshalb wir Fußballfans unseren Verein lieben und für ihn leben.

Jeder von uns, der derzeit vom Besuch eines Spiels ganz oben ausgeschlossen ist, sollte einfach am nächsten Wochenende beim Nachwuchs vorbeischauen. Man selbst wird es nicht bereuen, und die Jungs und Mädels auf dem Platz freuen sich über jeden zuschauenden Fan. Auch dort darf man singen, hüpfen, tanzen, und wenn’s aufregend wird, auch ein bisschen pöbeln.

Das Sportforum Berlin als Heimstätte meines Herzensvereins wird auch mich wieder öfter sehen.

»Sport frei!« vom Fananwalt.

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In der Serie Beim Fananwalt:

Sind Geisterspiele nicht das allerletzte? Werden Stadionkurven als Experimentierfelder für Polizeimaßnahmen genutzt? Wie ist es um die Rechtsstaatlichkeit von Sportgerichten bestellt? Solche Fragen beantwortet Rechtsanwalt René Lau ab sofort an jedem Freitag auf der Sportseite der Tageszeitung junge Welt.

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