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Aus: Ausgabe vom 02.10.2020, Seite 4 / Inland
75 Jahre »Elbe Day«

Historischer Handschlag

Friedensbewegung erinnert am 3. Oktober in Torgau an »Elbe Day« 1945
Von Markus Bernhardt
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Begegnungsstätte: Die US-amerikanische, die deutsche und die russische Fahne wehen am Ufer der Elbe, im Hintergrund Schloss Hartenfels (Torgau, 25.4.2020)

An die Bedeutung des »Elbe Day« will ein Bündnis aus linken Parteien und Friedensinitiativen an diesem Sonnabend mit einer Demonstration im nordsächsischen Torgau erinnern. Dort fand am 25. April 1945 die erste Begegnung US-amerikanischer und sowjetischer Truppen auf deutschem Boden statt. Die beteiligten Soldaten richteten damals den Wunsch an die Völker aller Nationen, ihre Differenzen in Zukunft ohne Krieg zu lösen und gemeinsam für das Wohl aller Menschen zu arbeiten. Ursprünglich sollte die diesjährige Veranstaltung am 75. Jahrestag der besagten Begegnung stattfinden, mussten jedoch aufgrund der Coronapandemie verschoben werden.

»Wir wollen am 3. Oktober, an dem die Republik zum großen Teil im verordneten Einheitstaumel versinkt, ein klares Zeichen für den Frieden setzen, den Schwur von der Elbe ›Geist der Elbe‹, wie es auf dem Gedenkstein heißt, in die Öffentlichkeit heben«, erläuterte Stefan Natke, Vorsitzender der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) in Berlin, am Donnerstag auf jW-Anfrage. Besagter Schwur war unmittelbar nach der Beendigung der Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs in Europa von den direkt beteiligten Soldaten der Antihitlerkoalition an der Elbe in Torgau besiegelt worden. Natke erinnerte daran, dass das Gelöbnis in großen Teilen der Bevölkerung in Vergessenheit geraten und den jüngeren Generationen meist völlig unbekannt sei. »Dieser ›Geist der Elbe‹ wurde die Grundlage für die Gründung der UNO, deren Vorbereitung sofort im April 1945 begann und die als internationale Organisation zur Aufrechterhaltung des Friedens und der Sicherheit ebenfalls vor 75 Jahren ins Leben gerufen wurde«, so der DKP-Politiker.

»Eben diese Ziele sind uns wichtig, und dafür demonstrieren wir am Sonnabend mit einem breiten Bündnis in Torgau«, stellte Natke klar und hob das Wirken des am 1. Juli dieses Jahres verstorbenen Theologen und Ehrenvorsitzenden der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA), Heinrich Fink, in dieser Angelegenheit hervor. Fink habe sowohl in der DDR als auch in den vergangenen Jahren in der BRD alles unternommen, »um diesen historisch-symbolischen Tag nicht in Vergessenheit geraten zu lassen«. »Zusammen mit dem Genossen Peter Bäß hat er es möglich gemacht, einen der damals beteiligten US-Soldaten seinem letzten Willen entsprechen 1983 in Torgau – also in der DDR – zu beerdigen«, erinnerte sich Natke am Donnerstag.

Informationen unter: dkp-berlin.info

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Leserbriefe zu diesem Artikel:

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