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Aus: Ausgabe vom 30.09.2020, Seite 10 / Feuilleton

Kochan, Demongeot, Mendt

Von Jegor Jublimov
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Wahrscheinlich hätte sie es auch ohne die Defa geschafft – Mylène Demongeot 2012 auf dem Filmfestival in Locarno

»Start frei! Der Wettkampf beginnt! Der Kompass ist richtig gestellt.« Veteranen können den Refrain des Jugendliedes »Brigaden der sozialistischen Arbeit« aus den 50er Jahren heute noch intonieren. Den Text von Helmut Preißler vertonte Günter Kochan, der am Freitag 90 Jahre alt geworden wäre. 2009 ist er gestorben. Seine besondere Musikalität wurde von einer Klavierlehrerin in Luckau entdeckt, und nach den Wirren des Krieges konnte er zunächst bei Boris Blacher studieren, ehe der von ihm verehrte Hanns Eisler sein Förderer wurde. Schon mit 20 Jahren wurde Kochan Dozent an der Hochschule, die später Eislers Namen erhielt.

Kochan versuchte sich als junger Mann in mehreren Sparten, schrieb etwa Jugendlieder oder Film- und Bühnenmusiken (»Italienisches Capriccio«, »Klaus Störtebeker«), ehe er Schostakowitsch entdeckte, der zum großen Vorbild wurde. Mit zahlreichen Orchesterwerken wurde Kochan in der DDR neben Siegfried Matthus der erfolgreichste anspruchsvolle Komponist seiner Generation. Seine 1965 komponierte Kantate »Die Asche von Birkenau« mit dem Text von Stephan Hermlin wurde in vielen Ländern der Welt aufgeführt und kann heute als sein einflussreichstes Werk angesehen werden. Auch die an der Berliner Staatsoper uraufgeführte Oper »Karin Lenz« wurde vielfach nachgespielt. Auch wenn sich Kochan seit den 70ern skeptisch gegenüber der DDR-Politik zeigte, wurde ihm die Arbeit nach 1990 offenbar aus politischen Gründen schwergemacht.

Konnte man mit einem Defa-Film zum Sexsymbol werden? Mylène Demongeot hat es geschafft. Für ihre Rolle in »Die Hexen von Salem«, einer Koproduktion mit Frankreich, erhielt sie 1958 Preise auf zwei Festivals – et voilà! Sie spielte fortan zahlreiche Hauptrollen neben David Niven, Gérard Barray, Jean Marais und Bud Spencer. (Wahrscheinlich hätte sie es auch ohne die Defa geschafft.) Die Schwiegertochter von Maigret-Erfinder Georges Simenon wurde am gestrigen Dienstag 85 Jahre alt.

In diesem Jahr wurde das Lied »Wie a Glock’n« 50 Jahre alt, und seine Wiener Interpretin Marianne Mendt konnte sich freuen, dass es auf Platz acht der 100 wichtigsten österreichischen Popsongs gewählt wurde. Der Song begründete das erfolgreiche Genre des Austropop. Die Sängerin, die u. a. mit Gerhard Bronner, André Heller, Werner Schneyder und Georg Danzer arbeitete, ist schon längst auch eine anerkannte Schauspielerin und konnte am 29. September ihren 75. Geburtstag feiern.

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