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Aus: Ausgabe vom 28.09.2020, Seite 5 / Inland
Finanzwirtschaft

»Black Rock« am Pranger

Schattenspieler: Weltgrößter Vermögensverwalter baut Finanzimperium aus
Von Raphaël Schmeller
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Protest gegen die politische Einflussnahme der Finanzjongleure von »Black Rock« (New York, 11.8.2020)

Geld regiert die Welt. Und die US-amerikanische Fondsgesellschaft »Black Rock« besitzt eine ganze Menge davon: Mit 7,4 Billionen US-Dollar an verwaltetem Kapital ist der Finanzkonzern der weltgrößte Vermögensverwalter. Black Rock ist Aktionär bei 18.000 Banken und Unternehmen weltweit und damit der einflussreichste Kapitalorganisator des Westens. Die Schattenbank ist ebenfalls der größte Einzelaktionär an der Deutschen Börse. Und doch ist der 1988 in New York von Larry Fink gegründete Konzern in der breiten Öffentlichkeit fast unbekannt.

Am Wochenende fand eine Veranstaltung statt, die genau das ändern wollte. Auf Initiative von Peter Grottian, ehemaliger Professor für Politikwissenschaften am Otto-Suhr-Institut (OSI) der FU Berlin, wurde das »Black Rock Tribunal« auf dem Universitätscampus abgehalten, bei dem die Kapitalgesellschaft symbolisch für ihre Verbrechen angeklagt werden sollte.

Als am Sonnabend morgen das durchschnittlich eher ältere Publikum in den modernen Glasbau – das Kongresszentrum der FU – kam, war die Stimmung heiter. An Stehtischen wurde geplaudert, und nebenbei wurden Croissants verspeist. Doch nach wenigen Minuten wurde es ernst. Es ging in den »Gerichtssaal«, wo Zuschauerstühle mit Coronaabstand im Halbkreis vor der »Richterbank« aufgestellt waren. Auf eine Leinwand war das Veranstaltungslogo projiziert: Die weiße Spitze eines Eisbergs ragt aus dem Meer, unter der Wasseroberfläche schimmert der schwarze, fast unsichtbare große Eisblock. Die Metapher war klar.

Die Richter des Tribunals, die neben Grottian vorne Platz nahmen, waren Karin Baumert, Soziologin und Teil des »Bündnis Zwangsräumung verhindern« sowie Mohssen Massarrat, emeritierter Professor für Politik und Wirtschaft, und Politikwissenschaftler Lutz Mez. Letzterer eröffnete die Verhandlung mit den Worten des französischen Schriftstellers Honoré de Balzac: »Hinter jedem großen Vermögen steht ein Verbrechen«. Ein bekannter Aphorismus.

CDU-Politiker und ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender für Black Rock in Deutschland, Friedrich Merz, gespielt vom Kabarettisten Max Uthoff, verteidigte sich via Videobotschaft: »Es ist doch positiv, wenn wir Profit mit dem Klimawandel machen. Wir brauchen ja schließlich Geld, um uns von dessen Folgen abzuschotten.« Klang echt.

In vier Anklagepunkten wurde Black Rock an den Pranger gestellt. Als erster Zeuge beschrieb Jörg Cezanne, Bundestagsabgeordneter der Partei Die Linke, wie die Finanzjongleure durch ihre »Marktmacht« die Demokratie gefährden. Eine kleine Anfrage der Linksfraktion legte offen, dass Regierungsvertreter wie Olaf Scholz, Wolfgang Schäuble oder Sigmar Gabriel sich regelmäßig mit Konzernchef Fink trafen. Nach der Finanzkrise von 2007 beriet das Unternehmen die US-Notenbank Fed. Heute instruiert es die Europäische Zentralbank (EZB).

Im zweiten Anklagepunkt zeigte Knut Unger, Sprecher der Initiative »MieterInnenverein Witten«, wie der Finanzkonzern die Wohnungswirtschaft hierzulande beeinflusst, indem er bei Unternehmen wie Deutsche Wohnen oder Vonovia große Aktienanteile besitzt. Auch in der Rüstungsindustrie, dritter Anklagepunkt, wird von Black Rock Geld »verdient«, betonte Niklas Hover von der Stiftung Ethecon. Und viertens: »Black Rock macht sich schuldig an der Zerstörung der Umwelt und des Anheizens des Klimas«. Durch sogenanntes Greenwashing versuche sich der Konzern als umweltbewusst zu verkaufen, doch er sei der weltgrößte Investor in die Förderung fossiler Energieträger.

Das Urteil des Tribunals fiel deutlich aus: Black Rock verstößt gegen die Prinzipien von Demokratie und gegen die Menschenrechte. Es verstößt gegen das Kartellrecht, das Recht auf Wohnen und das auf gewerkschaftliche Organisation. Es konnte nur eine Forderung geben: Enteignung jetzt!

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