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Aus: Ausgabe vom 26.09.2020, Seite 10 / Feuilleton
Corona

Die Katze im Sack: Hamburger Mittelstand, ein Lagebericht

Von Dusan Deak
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»Ausschankverbot für 19 Läden/Kioske in der Schanze nach 18 Uhr. Warum dürfen Rewe und Lidl durchgängig Alkohol verkaufen? Weil der Staat Kapitalisten schützt« – Hamburger Kioskbetreiber im Juni

Die Katze ist im Sack. Oder aus dem Sack raus, wie man’s nimmt. Im Hamburger Schanzenviertel wurde der sympathische Superspreader-Treff »Katze« gegenüber der »Roten Flora« und direkt neben »Daniela« (hat mit Daniela Katzenberger nichts zu tun) geschlossen. Endlich, sagt manch genervter Bewohner des Viertels, und findet eine Schließung nicht genug.

Seit langem war nur die Frage, wann, nicht ob es zu Schließungen in der Schanze kommt. Weitere werden mit Sicherheit folgen, denn das Ballermann-Besucherpublikum in dem Viertel ist überwiegend gut gelaunt und sieht offenbar keinen Anlass, an der gewohnten Wochenendpartystimmung etwas zu verändern. »Alles gut«, möchte man meinen angesichts der Ausgelassenheit, und denkt an die kleinere, fast intime Hochzeitsfeier in Hamm mit nur rund 250.000 Gästen (unter anderem Darth Vader, Graf Dracula und Lucky Luke), von denen sich allerdings bis zu drei Millionen mit dem Coronavirus infizierten.

Hochzeiten und private Familienpartys entwickeln sich zu beliebten Corona-Hotspots und geraten damit ins Blickfeld der Forschung. Weniger Probleme sieht die »Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina« bei Feiern von »Eingetragenen Partnerschaften«. Skeptisch, wenn nicht mit Argwohn, werden von der Leopoldina Hochzeitsautokorsen auf Autobahnen beobachtet, solange diese nicht einheitlich bundesweit geregelt sind, sondern in der Obhut der Länderbehörden verbleiben. Massenhochzeiten, wie man sie von der koreanischen »Moon-Sekte« aus den 1980ern kennt, sind nach Meinung der Leopoldina keine wirkliche Alternative und könnten im ungünstigen Fall sogar die harmonische und behutsam geregelte Ausbreitung der Covid-19-Pandemie eher behindern.

Fortschritte sieht die Leopoldina bei den Konzepten in der Sexarbeit. Bei konsequenter Beachtung der AHA-Regeln (1,5 Meter Abstand, Hygiene, Analmaske) ist da viel Spaß zu haben. Ohne Küssen, versteht sich, das aber ist für erfahrene Besucher*innen kein Novum. Das Singen übrigens ist im Puff im Gegensatz zu Kirchenräumen erlaubt. Aus diesem Grund führen das »Eroszentrum« und die »Ritze« auf der Reeperbahn (ein wichtiger Wirtschaftsstandort des Hamburger Mittelstands) bereits lange Wartelisten, in die sich Chöre und Gesangssolisten Hamburger Kirchengemeinden für Übungsstunden eintragen können. Die Wartezeit für das Einsingen des »Weihnachtsoratoriums« von J. S. Bach beispielsweise beträgt bei derzeitiger Anmeldung zirka zwei Monate.

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»Besonders in der Schule lernt man wenig über die tatsächlichen historischen und aktuellen Zusammenhänge, umso wichtiger ist die junge Welt mit ihrem Beitrag zur Aufklärung.« – Saskia Bär, Studentin

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