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Aus: Ausgabe vom 23.09.2020, Seite 15 / Antifa
Verschwörungsmystiker

Realitätsverweigerung mit Ansage

Erneut antisemitische Verschwörungsmythen bei Aufmarsch von »Coronarebellen« in Düsseldorf
Von Markus Bernhardt
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Demonstration von »Coronarebellen« in Düsseldorf (20.9.2020)

Einmal mehr ist es am Sonntag zu einem Aufmarsch von Kritikern der staatlichen Maßnahmen gegen die Coronapandemie gekommen. Rund 3.400 Personen versammelten sich zum Protest unter dem Motto »Querdenken«. An der Demonstration nahmen Anhänger der »Qanon«-Sekte und andere Verschwörungsmystiker teil. Auch AfD-Politiker, die neofaschistische »Bruderschaft Deutschland« und eine Reihe weiterer offensichtlicher Antisemiten waren bei dem Aufmarsch zugegen. Eine Impfpflicht, die im Kampf gegen das Covid-19-Virus laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) explizit nicht vorgesehen ist, wurde auf einem stilisierten Hakenkreuz mit Verbrechen des deutschen Faschismus gleichgesetzt. Mindestens ein Demonstrationsteilnehmer trug einen sogenannten Judenstern mit der Aufschrift »Ungechipt und ungeimpft«.

Die Demonstration war im Vorfeld auf massive Kritik der Düsseldorfer Stadtgesellschaft und antifaschistischer Organisationen gestoßen. Beispielsweise rief Heinrich Fucks, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf, zu Protesten gegen den Aufmarsch auf. »Undifferenziert demonstriert ein Teil der Bürgerinnen und Bürger, die den Maßnahmen zur Abwehr der Coronapandemie skeptisch gegenüberstehen, gemeinsam mit Rechtsradikalen und Nazis«, erklärte er Ende der Woche. »Das wertet die Motive von Nazis und Rechtsradikalen auf.«

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) schloss sich dem Protestaufruf des antifaschistischen Bündnisses an und forderte »alle Demokraten in Düsseldorf auf«, sich dem »rechtsradikalen Mob« entgegenzustellen. »Die selbsternannten ›Coronarebellen‹ tragen ihren Namen zu Unrecht: Rebellen, das sind Fortschrittsmacher in der Geschichte: und was sind sie? Sie sind widerwärtige Gesellen, die im Namen der Freiheit Verantwortungslosigkeit und Rücksichtslosigkeit predigen gegenüber den an Corona erkrankten und verstorbenen Menschen hier in Düsseldorf und überall auf der Welt: keine Masken, kein Abstand, kein Respekt ist ihr Credo.«

Medienberichten zufolge sprach auch Iris Dworeck-Danielowski, familienpolitische Sprecherin der AfD-Fraktion im NRW-Landtag auf der Demonstration und rief dort zum Umsturz auf. »Seid nicht so naiv zu glauben, dass dieses System, so wie es jetzt ist, von einer parlamentarischen Opposition verändert werden kann«, sagte sie laut einem Bericht der Zeit Online vom Montag.

Es habe sich erneut gezeigt, dass »die augenscheinlich bunte und friedliche Masse der sogenannten Coronarebellen, Querdenkerinnen und Querdenker, durchsetzt ist mit rechts-offenen Verschwörungstheoretikern, Reichsbürgern, Antisemiten und Nazi-Hooligans«, resümierte Oliver Ongaro, Sprecher des antifaschistischen Bündnisses »Düsseldorf stellt sich quer« am Dienstag im Gespräch mit jW.

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