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Aus: Ausgabe vom 22.09.2020, Seite 4 / Inland
Dannenröder Wald

Biotop in Gefahr

Polizei schützt »vorbereitende bauliche Maßnahmen« im Dannenröder Wald, der Autobahn weichen soll. Gegenaktionen auf Wiese und Planierraupe
Von Claudia Wangerin
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Einsatzkräfte am Montag vor einer Barrikade im Dannenröder Forst

Im Dannenröder Wald, den die »schwarz-grüne« hessische Landesregierung der Autobahn »A 49« opfern will, haben am Montag »vorbereitende bauliche und logistische Maßnahmen« unter Polizeischutz begonnen. Dies teilte das Polizeipräsidium Mittelhessen am Vormittag mit. Aktive der Umwelt- und Klimaschutzbewegung, die den gesunden Laubwald besetzt halten und dort zum Teil seit mehreren Monaten in Baumhäusern leben, um sich am »Tag X« mit Aktionen des zivilen Ungehorsams der Rodung ­entgegenzustellen, rechneten mit einem weiteren polizeilichen Räumungsversuch. Dazu kam es aber zunächst nicht.

Auf der Rudolfswiese – nach Meinung der Umweltbewegten ein schützenswertes Biotop – wurden die Bauarbeiten zunächst mit einer Sitzblockade aufgehalten. Drei der Aktiven erklommen außerdem eine Planierraupe. Auf Videos, die in »sozialen Netzwerken« geteilt wurden, ist zu sehen, dass die Einsatzkräfte an eine Person auf dem Dach des Fahrzeugs zunächst nicht herankamen und sie vergeblich aufforderten, herabzusteigen, nachdem zwei Beteiligte vorübergehend festgenommen worden waren. Alle drei hätten ein Strafverfahren wegen Nötigung zu erwarten, hieß es. Eine Barrikadenbeseitigung oder Räumung sei für diesen Tag nicht mehr vorgesehen. Nach Angaben des »Legal-Teams Dannenröder Wald« vom Nachmittag gab es im Zusammenhang mit den Aktionen auf der Lichtung mindestens sechs Festnahmen; drei Betroffene seien von der Polizei nach Gießen gebracht worden, sagte eine Sprecherin des Ermittlungsausschusses gegenüber junge Welt.

Vor »hässlichen Jagdszenen durch die Polizei« warnte derweil der klima- und energiepolitische Sprecher der Fraktion Die Linke im Bundestag, Lorenz Gösta Beutin, und erinnerte daran, dass sich erst vor wenigen Tagen der Tod des Journalisten Steffen Meyn bei einer polizeilichen Räumungsaktion im Hambacher Forst zum zweiten Mal gejährt habe. Polizei und »schwarz-grüne« Landesregierung müssten alles tun, um eine Eskalation im Dannenröder Forst zu verhindern, erklärte Beutin am Montag.

Die überwiegend jungen Menschen in den Baumhäusern sind derweil auf einiges gefasst und entschlossen, es notfalls auch durchzustehen: »Mögen uns auch Knast und die Krätze erwarten, Zerstörung und Ausbeutung dulden wir nicht«, heißt es in einer Umdichtung des Liedes »Auf die Barrikaden« aus dem Spanischen Bürgerkrieg in ihrem Mobilisierungsvideo.

Der Räumungsversuch am Mittwoch vergangener Woche im Dannenröder Wald ist aus polizeilicher Sicht schlecht gelaufen – nicht nur, weil die Beamten offenbar ungeübt im Demontieren von Dreifüßen waren, die im Wald als Blockadeelemente genutzt wurden, sondern auch, weil die Firma, die die Hebebühne an die Einsatzkräfte verliehen hatte, diese nicht mehr zur Verfügung stellen wollte, »weil wir mit der Verwendung unserer Arbeitsbühne für Einsätze wie im Dannenröder Forst nicht einverstanden sind«. Deshalb habe die Unternehmensleitung »unmittelbar reagiert« und die Maschine »mit sofortiger Wirkung vom Einsatzort abgezogen«, war auf der Internetseite der Firma Kiloutou Wiesecker nachzulesen.

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) sieht in der geplanten Rodung des Waldes einen Verstoß gegen die europäische Wasserrahmenrichtlinie, ist aber am 23. Juni mit einer diesbezüglichen Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht gescheitert. »Wer in Zeiten von Klimakrise und Artensterben noch meint, Wälder für Straßen roden zu müssen, hat den Ernst der Lage nicht erkannt«, erklärte der Landesvorsitzende des BUND Hessen, Jörg Nitsch, nach einem Bericht des Portals Energiezukunft vergangene Woche auf einer Pressekonferenz am Rande des Dannenröder Walds. Der grüne Landesverkehrsminister Tarek Al-Wazir hatte im Hessischen Rundfunk verauf verwiesen, dass es sich bei dem Autobahnbau um ein Bundesprojekt handle und er jetzt nichts ändern könne.

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