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Aus: Ausgabe vom 22.09.2020, Seite 2 / Ausland
Verursacher des Klimawandels

»Vielfliegerei und SUVs sind ein Problem«

Report von Greenpeace in Österreich zeigt, dass Reiche deutlich mehr klimaschädliche Emissionen zu verantworten haben als Arme. Ein Gespräch mit Jasmin Duregger
Interview: Johannes Greß
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Das Klima verpesten mit dem teuren Privatjet? Im Kapitalismus nehmen sich Reiche diese »Freiheit« gerne

Greenpeace veröffentlichte kürzlich einen Report zur sogenannten Klimaungerechtigkeit in Österreich. Was steht drin?

Der Report zeigt, dass die Reichen sehr viel mehr zur Klimakrise beitragen als die Durchschnittsbürgerinnen – und vor allem als die Geringverdienerinnen. Ganz konkret kann man sagen, dass die reichsten zehn Prozent doppelt so viele klimaschädliche Emissionen zu verantworten haben als der Durchschnitt. Und im Vergleich zu den ärmsten zehn Prozent der Menschen in Österreich ist es sogar vier Mal soviel.

Dramatisch ist der Unterschied im Bereich Urlaub und Verkehr. Hier sieht man deutlich, wie sich der CO2-Ausstoß durch exzessive Vielfliegerei und dicke SUVs in der Statistik niederschlägt. So wird der CO2-Fußabdruck der Reichen sehr viel größer.

Würde jede so leben wie die österreichische Durchschnittsverdienerin – würde das reichen, um das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, oder lebt auch die Durchschnittsverdienerin auf »zu großem Fuß«?

Auch der CO2-Ausstoß der Durchschnittsverdienerin ist zu hoch. Das hängt mit den Rahmenbedingungen zusammen. Ärmere Einkommensschichten haben weniger Möglichkeiten, sich zwischen unterschiedlichen Heizsystemen zu entscheiden oder sind teilweise auf ein Auto angewiesen, weil die Menschen pendeln müssen. Die Forderung von Greenpeace lautet daher, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit klimafreundliches Verhalten zur billigsten, bequemsten und schnellsten Option wird. Gerade Geringverdienerinnen sind es, die oftmals nicht auf die teure, biologische, regionale Variante eines Produkts zugreifen können, sondern auf die billigere Importware angewiesen sind. Das ist ein Umstand, der im Kontext der Klimakrise nicht mehr geduldet werden kann.

Im Report fordern Sie eine ökosoziale Steuerreform. Wie soll die aussehen?

Unsere Studie zeigt: Führt man einen CO2-Preis ein, ohne gleichzeitig – wie wir es fordern – einen Öko-Bonus zu etablieren, dann frisst eine solche Bepreisung die Ersparnisse der unteren 30 Prozent auf. Das würde heißen, es ginge vor allem zu Lasten der Geringverdienerinnen – und das darf nicht sein, denn es sind ja gerade sie, die am wenigsten zur Klimakrise beitragen! Als Öko-Bonus verstehen wir einen Geldbetrag, der allen Bürgerinnen jährlich ausgeschüttet wird. Und je nachdem, ob ich eher klimafreundlich oder eher klimaschädlich lebe, bleibt mir dann vielleicht am Ende sogar was vom Bonus, oder ich muss draufzahlen.

Wird sich jemand, der mit dem Privatflieger zum Shoppen in eine andere Stadt jettet, von einer höheren Steuer davon abhalten lassen, das weiterhin zu tun?

Sicher nicht nur deswegen. Vor allem das oberste Prozent wird man damit nicht erreichen. In diesem Fall fordern wir zusätzlich einen Verzicht der Eliten. Auch die haben nur einen Planeten, auf dem ihre Kinder und Enkelkinder ein schönes Leben führen wollen. Und dann gibt es natürlich noch andere Stellschrauben. Wir plädieren beispielsweise für Inlandsflugverbote: Alles, was leicht mit dem Zug erreichbar ist, sollte auch mit dem Zug gefahren werden. Natürlich sind auch Verbote eine Variante, um noch mehr einzugreifen.

Wieso setzen viele in der Frage der Klimakrise immer erst beim Konsum an – und nicht schon einen Schritt vorher, bei der Produktion? Könnten Sie nicht fordern, bereits die Herstellung von SUVs zu verbieten?

Das ist eine Variante. Theoretisch ist das beispielsweise die Idee des Emissionshandelssystems. Dort wird versucht, Unternehmen zu motivieren, bereits bei der Produktion weniger Emissionen zu verursachen. Leider funktioniert das nur bedingt, da die CO2-Kosten viel zu niedrig angesetzt sind. Natürlich können weniger Emissionen bei der Herstellung eines Autos möglich werden, das wirkliche Problem liegt aber bei der Nutzung des Autos. Ein Verbot der Produktion von SUVs ist politisch leider sehr schwer umzusetzen. Daher fordern wir im ersten Schritt eine leichter zugängliche Maßnahme, um hier einen Lenkungseffekt anzustoßen.

Jasmin Duregger ist Klima- und Energieexpertin bei »Greenpeace Central- and Eastern Europe« in Wien

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