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Aus: Ausgabe vom 22.09.2020, Seite 1 / Titel
UNO-Geburtstag

Nichts zu feiern

75 Jahre Vereinte Nationen: Klimawandel mit drastischen Folgen, Armut durch Coronakrise verschärft, Atomkrieg droht
Von Jörg Kronauer
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Die Reichsten der Welt sind überproportional für den Klimawandel verantwortlich, hat Oxfam zum UN-Geburtstag herausgefunden: Großfeuer in Kalifornien

Begleitet von eindringlichen Appellen zahlreicher Hilfsorganisationen aus aller Welt, haben die Vereinten Nationen am Montag in New York ihr 75jähriges Bestehen gefeiert. »Unsere Welt ist noch nicht die, die sich unsere Gründer vor 75 Jahren vorgestellt hatten«, heißt es selbstkritisch in einer Erklärung, die anlässlich des Festakts verbreitet wurde. Zwar habe die UNO in vielen Konflikten vermittelt und mit ihren Sonderorganisationen humanitäre Hilfe leisten, Krankheiten besiegen und Millionen von Kindern Zugang zu Bildung verschaffen können; doch leide die Menschheit nach wie vor unter bewaffneten Konflikten, Armut, Hunger, wachsender Ungleichheit und Umweltzerstörung. »Momente der Enttäuschung« ließen sich nicht abstreiten, heißt es in diplomatischem Understatement.

Für die Feier am Montag wurden die meisten Teilnehmer per Internet zugeschaltet, unmittelbar zuvor hatte ein Zusammenschluss von mehr als hundert teils weltweit tätigen Hilfsorganisationen zur Gründung eines globalen Fonds für soziale Sicherheit aufgerufen. Der Fonds soll, so fordert die Global Coalition for Social Protection Floors, Menschen in prekärer Lage den Zugang zu Gesundheitssystemen ermöglichen und ihnen ein Grundeinkommen sichern. Anlass ist, dass die Coronakrise dramatische Rückschläge im Kampf gegen die Armut mit sich bringen dürfte. So sei damit zu rechnen, dass sich die Zahl der Menschen, die keinen sicheren Zugang zu Nahrung hätten, dieses Jahr auf eine Viertelmilliarde verdoppeln werde, heißt es in dem Appell. Alles in allem könne die Pandemie sogar eine halbe Milliarde Menschen weltweit in bittere Armut stürzen, warnt die Hilfsorganisation Oxfam.

Oxfam hat darüber hinaus zum Beginn der UN-Generaldebatte eine Studie vorgelegt, die belegt, dass auch die drohende Klimakatastrophe deutlich von sozialer Ungleichheit geprägt ist. Oxfam untersuchte den weltweiten Ausstoß klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) in den Jahren von 1990 bis 2015 und stellte fest, dass das reichste Prozent der Menschheit – 63 Millionen Menschen – alleine 15 Prozent der globalen CO2-Emissionen verursachte, die reichsten zehn Prozent zusammen sogar 52 Prozent, während die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung für lediglich sieben Prozent verantwortlich war. Die Ärmeren sind bekanntlich zugleich diejenigen, denen die Mittel fehlen, sich im Fall der Fälle den Konsequenzen des Klimawandels zu entziehen. Oxfam schlussfolgerte, man müsse die »Klima- und Ungleichheitskrise zusammen lösen«.

Ebenfalls am Montag präsentierten 56 frühere Spitzenpolitiker aus Europa, Nordamerika und Asien einen offenen Brief, in dem sie mit Blick auf die sich zuspitzenden globalen Konflikte vor der wachsenden »Gefahr eines Atomkrieges« warnten und nicht nur nukleare Abrüstung einforderten, sondern auch die – problemlos mögliche – Unterzeichnung des 2017 verabschiedeten Atomwaffenverbotsvertrags durch die sich bisher mehrheitlich verweigernden westlichen Staaten. Die Unterzeichner, darunter zwei Ex-NATO-Generalsekretäre und die deutschen Exminister Joseph Fischer und Rudolf Scharping, haben sich als Kriegspolitiker profiliert; ihre Länder haben keine Kernwaffen und würden deshalb von nuklearer Abrüstung der Atommächte machtpolitisch profitieren. Ihre Sorge, »kriegerische Rhetorik und schlechtes Urteilsvermögen der Politiker in nuklear bewaffneten Nationen« könnten leicht »zu einem Unglück führen«, trifft dennoch zu.

Die UN-Generaldebatte – dieses Jahr weitgehend virtuell – beginnt am heutigen Dienstag.

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Leserbriefe zu diesem Artikel:

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