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Aus: Ausgabe vom 18.09.2020, Seite 10 / Feuilleton
Klassik

Es geht auch ohne Bundeswehr

Zum Saisonauftakt der Berliner Symphoniker
Von Sigurd Schulze
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Dutzende Fräcke, keine Uniform: Berliner Symphoniker im Sommer 2019

Sie wurden schon oft totgesagt, aber zum Saisonauftakt überraschten die Berliner Symphoniker am Sonntag mit einem Open-Air-Konzert in der Parkbühne an der Wuhlheide. Rund 1.400 Besucher kamen dabei auch in den Genuss einer Pausenversorgung, was nicht mehr selbstverständlich ist. Gespielt wurden Werke von Beethoven, die Ouvertüre »Die Geschöpfe des Prometheus«, das Violinkonzert D-Dur und die 5. Sinfonie. Hansjörg Schellenberger, seit 2013 Chefdirigent im japanischen Okayama, leitete das Orchester zum ersten Mal, wird es im Laufe der Saison aber noch öfter tun.

Besonderes Kopfzerbrechen bereiteten Intendantin Sabine Völker bei der Saisonplanung die sechs Abonnementskonzerte, die in der Philharmonie nur mit horrenden Verlusten hätten durchgeführt werden können. Man weicht nun aus in die »Convention Hall« im Hotel Estrel.

Aus Mitteln eines Sonderförderprogramms von Bundeskulturministerin Monika Grütters (CDU) wird das Orchester sechs »Literaturkonzerte« mit Kammermusik und Lesungen bestreiten. Schauspieler wie Cornelia Heise, Daniel Brühl, Roua Houranieh und Ulrich Tukur konnten dafür gewonnen werden. Ihre Vorträge werden mit Stücken von Haydn und Mozart, Samuel Barber und Zülfü Livanelli kombiniert, Werke von DDR-Komponisten wie Hanns Eisler, Kurt Schwaen, Siegfried Matthus oder Georg Katzer bleiben auch hier leider wieder unberücksichtigt.

Erspart blieb den Symphonikern durch die Pandemie übrigens das Konzert »Frack meets Uniform«, bei dem sie mit dem Stabsmusikkorps der Bundeswehr hätten auftreten sollen – eine »innovative« Idee aus dem Förderkreis des Orchesters: lustiges Musizieren mit fröhlichen Miltärschrammeln. Ausdruck der Unterwanderung zivilen Lebens durch die Bundeswehr, die von Gewerkschaften und Friedensbewegung bekämpft wird. Wie das nun vorliegende Programm 2020/21 zeigt, geht es auch ohne Militär. Völker und ihr Team sollten diese Autonomie unbedingt bewahren.

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