Unverzichtbar! Jetzt junge Welt stärken
Gegründet 1947 Montag, 26. Oktober 2020, Nr. 250
Die junge Welt wird von 2422 GenossInnen herausgegeben
Unverzichtbar! Jetzt junge Welt stärken Unverzichtbar! Jetzt junge Welt stärken
Unverzichtbar! Jetzt junge Welt stärken
Aus: Ausgabe vom 18.09.2020, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Entlassungen

Bei Opel droht neuer Stellenabbau

Freiwilligenregelung findet kaum Anhänger - 2.100 Beschäftigte betroffen
Opel_57274802.jpg
Opel will erneut Tausende Mitabeiter loswerden

Bei Opel herrscht wieder einmal Unruhe. Seit Tagen wurde darüber spekuliert, dass bis Ende nächsten Jahres 2.100 Beschäftige ihren Arbeitsplatz verlieren könnten. Vor allem der Standort Rüsselsheim wäre von den Maßnahmen betroffen. Das Unternehmen hatte darauf spekuliert, dass »eine ausreichende Anzahl« der Beschäftigten an einem Alters- und Abfindungsprogramm teilnimmt. Laut einem Bericht des Handelsblatts haben bisher aber nur 500 Beschäftigte davon Gebrauch gemacht. Schon länger gilt die Situation zwischen Management und Belegschaft als angespannt, schreibt die Frankfurter Neue Presse (FNP).

Sollten die Mitarbeiter sich weiter weigern, vom Programm Gebrauch zu machen und die Firma verlassen, schließt Opel-Personalchef Ralph Wangemann betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus. Es habe »entsprechende Botschaften an die Mitarbeiter gegeben«, schreibt die FNP. »Die Situation wird bis Ende November bewertet«, teilte ein Sprecher von Opel mit. Von der erforderlichen Zahl an abtretenden Mitarbeitern sei man aber weit entfernt.

Bei den Arbeiterführern herrsche Entsetzen, berichtet das Handelsblatt. Der Bezirkschef der IG Metall Frankfurt, Jörg Köhlinger, verwies darauf, dass betriebsbedingte Kündigungen mit dem gültigen Zukunftstarifvertrag bis Mitte 2025 ausgeschlossen seien: »Tarifverträge sind für schwierige Situationen gemacht und können nicht nach Belieben in Frage gestellt werden. Wer das tut, spielt mit dem Feuer«, warnte er. Man erwarte von dem Unternehmen Vertragstreue.

Indes verwahrte sich der Betriebsrat in einem Flugblatt an die Mitarbeiter gegen den Eindruck, dass das Vorgehen mit ihm abgestimmt sei. Die Beschäftigten hätten bis Ende 2021 Zeit für ihre Entscheidung, und es müsse zudem nicht zwingend die Maximalzahl von 2.100 Stellen abgebaut werden. Statt dessen solle Opel attraktive Erweiterungen in dem Abfindungsprogramm anbieten.

Opel habe Investitionen in Modelle für eine langfristige Absicherung der Standorte und den Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen in den nächsten fünf Jahren zugesagt, erklärte der Opel-Beauftragte der IG Metall, Rudolf Luz. »Wenn das jetzt in Frage gestellt wird, ist das die Aufkündigung der Zusammenarbeit. Konstruktive Lösungen werden mit solchen Androhungen verbaut.«

Die Opel Automobile GmbH ist im August 2017 vom französischen Autokonzern PSA Group übernommen worden. Seitdem wurden kontinuierlich Stellen gestrichen, immer wieder sind auch Standortschließungen im Gespräch, zuletzt gab es Diskussionen um die Werke in Eisenach und in Kaiserslautern. Im Jahr 2014 wurde die Fertigung in Bochum komplett eingestellt, damals verloren alleine 3.500 Menschen ihren Job. Das Werk in Rüsselsheim ist das Stammwerk, dort sind neben den aktuell 2.100 Jobs weitere 2.000 Stellen gefährdet. (jW)

Unverzichtbar!

»Besonders in der Schule lernt man wenig über die tatsächlichen historischen und aktuellen Zusammenhänge, umso wichtiger ist die junge Welt mit ihrem Beitrag zur Aufklärung.« – Saskia Bär, Studentin

Eine prinzipienfeste, radikal kritische Tageszeitung ist durch nichts zu ersetzen für all diejenigen, die dem real existierenden Kapitalismus und Faschisten etwas entgegensetzen wollen.

Diese Zeit braucht eine starke linke Stimme!

Mehr aus: Kapital & Arbeit