jW-Protest-Abo: 3 Monate für 62 €!
Gegründet 1947 Sa. / So., 19. / 20. September 2020, Nr. 220
Die junge Welt wird von 2351 GenossInnen herausgegeben
jW-Protest-Abo: 3 Monate für 62 €! jW-Protest-Abo: 3 Monate für 62 €!
jW-Protest-Abo: 3 Monate für 62 €!
Aus: Ausgabe vom 17.09.2020, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto Leserbriefe.png

Für dumm verkauft

Zu jW vom 8.9.: »Säbelrasseln gegen ­Russland«

Giftanschläge sind grundsätzlich zu ächten. Nicht zu rechtfertigen ist aber das, was man den Bürgern bezüglich des mutmaßlich vergifteten russischen Videobloggers Alexej Nawalny an Propaganda zumutet. Offenbar reicht es nicht mehr, den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu dämonisieren, sondern man muss den »Kremlchef« auch noch als dümmlich brandmarken. So will man glauben machen, dass er den für ihn ungefährlichen Liebling des Westens zunächst mit einem, wie man ebenfalls glauben machen will, nur in Russland verfügbaren chemischen Kampfstoff vergiften und dann, offensichtlich zur Beweisführung des Giftanschlages, nach Deutschland ausfliegen lässt, wo ein Bundeswehr-Labor dann auch wunschgemäß vermeldet, den Nachweis für den russischen Kampfmitteleinsatz an Nawalny gefunden zu haben. Ebenso dümmlich wird der russische Geheimdienst hingestellt, der offensichtlich ausschließlich mit Nowitschok agiert, sich jedoch im Umgang damit stets so tapsig anstellt, dass er die auserkorenen Opfer einfach nie zu Tode bringt. Aber die Tollheit der Story geht noch weiter. Da sich der Westen in seiner Doppelmoral trotz seines wenig zimperlichen weltweiten militärischen Agierens als oberste Instanz zur Wahrung von Völkerrecht, Menschenrechten und Moral ansieht, präsentiert er sich sofort in eben dieser Rolle. Dem von vornherein feststehenden »Täter« wird als Strafe für die Vergiftung eines Russen in Russland der Stopp des gemeinsamen Projekts »Nord Stream 2« angedroht. Das provoziert beim mitdenkenden Bürger natürlich sofort Fragen. Seit wann profitieren von solchen Projekten nicht beide Seiten? Will man sich nun selbst bestrafen? Was hat dieses Projekt überhaupt mit dem Fall Nawalny zu tun, der eine interne Angelegenheit Russlands ist? Oder war der Stopp des Projekts im letzten Moment das Ziel der gesamten Inszenierung? Mit welchem Recht fordert Deutschland von Russland jetzt Aufklärung? Da Nawalny wieder ansprechbar ist, sollte er ja bald für die russische Staatsanwaltschaft für Aussagen zur Verfügung stehen. Oder ermittelt Deutschland als »moralisch-juristische Oberinstanz« jetzt auch bei Straftaten in Russland, obwohl hier genug zu tun wäre? Den Nutzen haben insbesondere die von einem »Nord Stream 2«-Stopp profitierenden USA (Frackinggas) und die Kriegstreiber, die Russland wieder einmal als Schurkenstaat präsentieren möchten. Diese dem Bürger vorgesetzte Propagandainszenierung durchschaut jeder, der sich vom logischen Denken noch nicht verabschiedet hat. Für wie dumm wird man hier gehalten?

Dr. Gert Alisch, Chemnitz

Die Partei sind alle

Zu jW vom 12./13.9.: »›Partei muss ­Klassenfrage ernst nehmen‹«

Ein wenig verwundert bin ich schon, dass Frau Inge Hannemann aus der Partei ausgetreten ist, weil die soziale Gerechtigkeit immer mehr in den Hintergrund gerate. Der Partei Die Linke den Rücken zu kehren, kann ich nur bedauern. (…) Aussagen, die klingen wie »die da oben in der Parteiführung« oder »Die Mitglieder ziehen nicht mit, weil …« spiegeln nicht die richtige Einstellung. Sie, Frau Hannemann, sind die oder vielmehr waren die Partei. Sie entschieden mit Ihrer Tätigkeit in der Partei, wie sozial sich diese letztlich nach außen hin darstellt. Jedes Mitglied der Partei Die Linke ist die Partei. Deshalb bedaure ich sehr, dass so eine engagierte Frau eben nicht mehr in der Partei aktiv ist. Wenn man sich in der Partnerschaft liebt, muss man nicht gleich heiraten. Heiraten zeigt aber eben nach außen, wie wichtig einem der Partner bzw. die Beziehung ist. Um politisch konstruktiv in der Gesellschaft zu agieren, dazu benötigt man in der Tat kein Parteibuch, aber es ist eben doch professioneller. Karl Marx formulierte im 19. Jahrhundert, dass nur unter der Führung der Kommunisten der Sozialismus zu verwirklichen sei. Diesen Absolutismus teile ich heute nicht mehr. Sage aber Ihnen, Frau Hannemann, dass es ein deutlich überzeugenderes Auftreten ist, wenn man als Vorbild die Ideale unserer Partei im Herzen nach außen trägt. (…)

Alexander Klinger, Die Linke, Stade

Linkes Missverständnis

Zu jW vom 12./13.9.: »›Partei muss ­Klassenfrage ernst nehmen‹«

Zwei Anmerkungen zum Onlineleserbrief von Alexander Klinger: 1. Mich würde interessieren, wo Marx geschrieben haben soll, dass nur unter der Führung der Kommunisten der Sozialismus zu verwirklichen sei. Marx und Engels schrieben im »Manifest der Kommunistischen Partei«: »Die Kommunisten sind also praktisch der entschiedenste, immer weitertreibende Teil der Arbeiterparteien aller Länder; sie haben theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus.« Alexander Klinger ist mit Blick auf Marx meines Erachtens einem groben Missverständnis aufgesessen. Dass die Kommunisten derzeit die angeführte Rolle nicht mehr wahrnehmen, beruht auf einem Komplex von Ursachen, der hier nicht dargelegt werden kann. (…) Alexander Klinger sollte darüber nachdenken, warum die Linkspartei die genannten Eigenschaften nicht aufweist. 2. Man muss nicht zwingend Mitglied einer Partei sein, um etwas zu bewirken. Marx und Engels waren nie Mitglied einer Partei, nicht einmal der sozialdemokratischen, obwohl sie ihr, weil damals in Europa die fortschrittlichste, am nächsten standen. (…)

Joán Ujházy, per E-Mail

Perspektivwechsel

Zu jW vom 15.9.: »Im Trend«

»Dieser Sonntag hat insofern erneut alle Ideen von einer Bundesregierung aus Grünen, SPD und Linke ins Wolkenkuckucksheim befördert«, heißt es im Kommentar. Das kann man auch anders interpretieren: »Grün-Rot-Rot« hat in Nordrhein-Westfalen bei den Kommunalwahlen mehr Stimmen geholt als Union, FDP und AfD zusammen (48,1 gegenüber 44,9 Prozent). Immer eine Frage der Sichtweise.

Hagen Radtke, Rostock (Onlinekommentar)

Mit welchem Recht fordert Deutschland von Russland Aufklärung? Ermittelt Deutschland als ›moralisch-juristische Oberinstanz‹ jetzt auch bei Straftaten in Russland?

junge Welt-Aktionsabo: Drei Monate lang für 62 Euro!

junge Welt: Die Zeitung gegen Krieg und Faschismus, Irrationalismus und Demagogie! Jeden Tag liefern wir gut sortiert Informationen und Inspiration, machen Zusammenhänge und Ursachen verständlich - mit prinzipienfester, antikapitalistischer Haltung. Und das in Hand ihrer Leserinnen und Leser. Damit ist unsere Tageszeitung allein auf weiter Flur in der deutschsprachigen Medienlandschaft.

Grund genug, die junge Welt kennenzulernen! Das Protest-Abo bietet die Möglichkeit, die junge Welt stark vergünstigt und zeitlich begrenzt zu lesen - danach endet es automatisch.

Debatte

  • Beitrag von Franz L. aus S. (17. September 2020 um 07:22 Uhr)
    Zum Leserbrief von Joán Ujházy: Marx und Engels waren Mitglieder im Bund der Kommunisten. Dies war eine Partei (auch die jugoslawischen Kommunisten haben sich so genannt). Allerdings möchte ich meinen Leserbrief nicht als Argument für den Verbleib in der Partei, die sich Die Linke nennt, verstanden wissen.