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Aus: Ausgabe vom 17.09.2020, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Finanzskandal

Nächster Fall Wirecard

Nach Vorwürfen von Investor Fraser Perring stürzt Aktienkurs von Grenke AG ab
Vorstand der GRENKE AG
Der Vorstand der Grenke AG weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was auf ihn zukommt

Droht nach Wirecard der nächste Finanzskandal in Deutschland? Erneut hat ein Leerverkäufer an der Börse schwere Vorwürfe gegen einen deutschen Finanzdienstleister erhoben. Der britische Investor Fraser Perring hat auf der Internetseite seines Analysehauses »Viceroy Research« einen 64seitigen Bericht veröffentlicht, in dem der Leasinganbieter Grenke AG aus Baden-Baden scharf attackiert wird.

Der Report, gefüllt mit Screenshots und Auszügen aus Dokumenten, wirft dem Unternehmen aus Süddeutschland vor, über Zukäufe von verbundenen Unternehmen die Bilanz künstlich aufgebläht zu haben. »Grenkes weltweites Wachstum durch den Kauf von Dutzenden Konzessionen von verbundenen Unternehmen, ohne dies kenntlich zu machen, ist ein Betrugsfall von massiven Ausmaß, entweder um die Nichtexistenz von Barmitteln zu verschleiern oder Millionen von Euro zu verbundenen Unternehmen zu verschieben«, zitierte das Handelsblatt (Mittwochausgabe) aus dem Bericht.

Doch damit nicht genug. Auch die Grenke-eigene Bank wird ins Visier genommen. Sie sei in schmutzige Geschäfte verwickelt, wie die Zahlungsabwicklung für betrügerische Tradingseiten. »Grenkes Bank ist für die Erträge aus Verbrechen und für Geldwäsche eingesetzt worden und könnte die Lizenz verlieren«, heißt es weiter im Report, der dem Handelsblatt vorliegt. Außerdem werden Vorwürfe zu Bilanzunregelmäßigkeiten erhoben, die an den Fall Wirecard erinnern.

Fraser Perring hatte schon 2016 mit dem damals noch anonym veröffentlichten »Zatarra-Report« Wirecard zahlreiche Rechtsbrüche vorgeworfen. Die britische Zeitung Financial Times griff die Informationen auf und trug zur Aufdeckung des Skandals bei. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) will sich den Fall nun genauer anschauen.

Grenke wies am Dienstag abend die Behauptungen in Perrings Analyse »auf das schärfste« zurück. Insbesondere sei falsch, dass ein Großteil der ausgewiesenen liquiden Mittel von 1,08 Milliarden Euro nicht existiere. Fast 80 Prozent davon (849 Millionen Euro) hätten Ende Juni bei der Deutschen Bundesbank gelegen.

Der Konzern ist Mitglied im Mittelwertindex MDax und und Teil der Grenke Gruppe, die mit 30 Standorten in Deutschland sowie insgesamt 86 internationalen Standorten vertreten ist. Der Kurs seiner Aktie stürzte ab. Am Mittwoch morgen sank er um bis zu 22 Prozent auf 35 Euro und damit auf einen Tiefstand seit 2015. Seit Montag liegt der Rückgang damit bei bis zu 36 Prozent, was einem Börsenwert von etwas mehr als 900 Millionen entspricht. (dpa/jW)

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