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Aus: Ausgabe vom 16.09.2020, Seite 15 / Antifa
Nazi-Massaker in Feldscheune

Dokuzentrum in Gardelegen eröffnet

Verschobener Festakt nachgeholt. Neue Dauerausstellung zum Massaker an 1.016 KZ-Gefangenen
Von Marc Bebenroth
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Besucher der Gedenkstätte am Mittwoch auf dem militärischen Ehrenfriedhof bei Gardelegen

Am Dienstag wurde das neue Dokumentationszentrum der Gedenkstätte Gardelegen in Sachsen-Anhalt eröffnet. Zu den rund 60 geladenen Gästen sprachen nach einer Kranzniederlegung Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Gardelegen stehe Steinmeier zufolge für die Verbrechen, die Deutsche in den letzten Wochen und Tagen des Zweiten Weltkrieges, der längst verloren war, begangen hätten. Viele Deutsche wüssten bis heute nichts davon. »Wichtig ist, dass wir keinen Schlussstrich ziehen und nicht zurückfallen in altes Verdrängen.«

Ursprünglich war die Eröffnung des Zentrums mit der Dauerausstellung »Gardelegen 1945. Das Massaker und seine Nachwirkungen« bereits für April geplant gewesen, was jedoch aufgrund der Coronapandemie verschoben werden musste. Ab diesem Donnerstag soll das neue Gebäude unter Einhaltung geltender Hygienebestimmungen für Besucherinnen und Besucher geöffnet sein.

Die Gedenkstätte »Feldscheune Isenschnibbe Gardelegen« erinnert an das am 22. April 1945 durch die Nazis verübte Massaker an insgesamt 1.016 KZ-Gefangenen. Zuvor hatte die SS das KZ Hannover-Stöcken, dessen Gefangene für das Akkumulatorenwerk der Familie Quandt als Zwangsarbeiter ausgebeutet worden waren, sowie Außenlager des KZ Mittelbau-Dora im Harz angesichts der sich nähernden US-Truppen geräumt. Tausende KZ-Häftlinge wurden mit Zügen in die Altmark deportiert. Diese stoppten vor Gardelegen, weil die zerstörten Gleisanlagen eine Weiterfahrt unmöglich machten.

In Gardelegen zwangen SS-Angehörige die Gefangenen in eine alte Militärkaserne und daraufhin am Abend des 13. April in besagte Feldscheune nahe Isenschnibbe, »unter Beteiligung von Angehörigen der Wehrmacht, des Reichsarbeitsdienstes, des Volkssturms und weiterer NS-Organisationen«, wie es auf der Internetseite der Gedenkstätte heißt. NSDAP-Kreisleiter Gerhart Thiele ordnete die Ermordung der mehr als 1.000 Verschleppten an. Die Leichen der in der Scheune Eingesperrten wurden verbrannt. Nur rund 25 Gefangene konnten entkommen.

Am nächsten Morgen versuchten Angehörige des sogenannten Volkssturms, der Technischen Nothilfe und der Feuerwehr, die Toten zu verscharren und die Spuren des Massakers zu verwischen. Dies konnten die am 14. April eintreffenden alliierten Streitkräfte verhindern. Nahe der Feldscheune wurde auf Anordnung von US-General Frank A. Keating ein Friedhof mit Einzelgräbern angelegt. Im Herbst 1949 wurde am historischen Tatort eine Mahn- und Gedenkstätte errichtet. Nach Angaben der heutigen Gedenkstätte konnten nur 305 der 1.016 Opfer des Massakers identifiziert werden. Gerhart Thiele konnte bis zu seinem Tod im Jahr 1994 unbehelligt in Düsseldorf unter einem Decknamen leben.

Die neue Dauerausstellung betrachtet laut Internetseite der Gedenkstätte das Massaker als »nationalsozialistisches Todesmarschverbrechen im Kontext der europaweiten Räumung der deutschen Konzentrationslager« in den letzten Kriegsjahren. Dabei thematisiere sie auch »Fragen zur Täterschaft und zur Erinnerungskultur nach 1945«. Das Material, dem die Ausstellung zugrunde liegt, stamme sowohl aus öffentlichen wie aus privaten Archiven. So würden bislang unveröffentlichte Exponate präsentiert.

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