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Aus: Ausgabe vom 16.09.2020, Seite 10 / Feuilleton

Kube, Brasch

Von Jegor Jublimov
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»Kesses Mundwerk und goldiger Humor«: Der Schauspieler Horst Kube

Wer in der DDR in den 50er und 60er Jahren fernsah oder gern ins Kino ging, kam an Horst Kube nicht vorbei. Selbst, wenn man im Kino einen ausländischen Film sah, konnte man Kube wenigstens im Vorprogramm erleben. Er wirkte in kaum zu zählenden Kurzfilmen der »Stacheltier«-Reihe mit, war aber auch in vielen Spielfilmen zu sehen. Einen »Urberliner Jungen mit kessem Mundwerk und einem goldigen Humor« nannte ihn die Presse damals. Kurt Maetzig hatte den Nachwuchsschauspieler schon 1947 in »Ehe im Schatten« in einer winzigen Rolle beschäftigt, holte ihn wieder 1954 für seinen Ernst-Thälmann-Film und 1956 für »Schlösser und Katen«. Dabei entdeckte er, dass Kube ein auf verhaltene Weise komischer Sympathieträger sein kann und gab ihm die Hauptrolle eines Volkspolizisten in der Komödie »Vergesst mir meine Traudel nicht« (1957) an Eva-Maria Hagens Seite. In der Folgezeit spielte er in Filmen von Erich Engel, Konrad Wolf, Götz Friedrich, Frank Beyer, Egon Günther, Martin Hellberg und Werner Jacobs mit, oft in großen Rollen als bester Freund des Helden oder einfühlsamer Vater in Kinderfilmen. In »Der Moorhund« (1960) gab er als Fischer getarnt auch mal einen bösen Agenten des Westens. Eine Hauptrolle, wieder als gewitzter Volkspolizist, spielte er in der Franz-Fühmann-Adaption »Köpfchen, Kamerad«, aber nach dem Verbotsplenum von 1965 wurde der Film stark gekürzt gesendet, und Kubes Rollen waren danach wieder kleiner. So war er als Goldschürfer oder Jäger noch in vier Defa-Indianerfilmen dabei. Mit nur 56 Jahren starb er 1976 und wäre am Sonnabend 100 Jahre alt geworden.

Nicht mal 46 wurde Peter Brasch, der seinen 65. Geburtstag am Freitag hätte feiern können. Der Autor stand sicherlich zu Unrecht im Schatten seines großen Bruders Thomas Brasch. Anders als Thomas blieb Peter in der DDR. Der Sohn des früheren ZK-Mitglieds und stellvertretenden Kulturministers Horst Brasch arbeitete als Hörspieldramaturg u. a. mit Thomas Heise zusammen, adaptierte Märchen der Gebrüder Grimm und von Hans Fallada für den Rundfunk und schrieb eigene Märchenstücke, die auch den Weg auf die Bühne fanden. Brasch verfasste Gedichte und Essays, und der Roman »Schön hausen«, der im vergangenen Jahr im Eulenspiegel-Verlag neu aufgelegt wurde, bewies die poetische Kraft des Autors. Es war ein Schelmenroman zwischen Realität und Phantasie, dem Magischen Realismus zugerechnet, wie ihn Michail Bulgakow, Gabriel García Márquez oder auch Irmtraud Morgner vertraten. In dieser Tradition hätte er weiterarbeiten können, wenn er sich nicht wie so viele Ex-DDR-Bürger als Verlierer der Einheit hätte sehen müssen. Er starb einsam. Aber wenn er gelesen wird, lebt er ein bisschen weiter.

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