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Aus: Ausgabe vom 16.09.2020, Seite 1 / Titel
Rezession

Krise ohne Ende

Größter Rückgang der Beschäftigtenzahlen in deutscher Industrie seit 2010. Weitere Entlassungen angekündigt. Finanzsektor mit guten Geschäften
Von Simon Zeise
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Die Beschäftigten wehren sich gegen die Kürzungsdiktate der Unternehmen (Hamburg, 8.7.2020)

Die Rezession in der Industrie nimmt Fahrt auf. Die Zahl der Beschäftigten in der Branche ist in Deutschland so stark gesunken wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Ende Juli waren fast 5,5 Millionen Personen in den Betrieben des verarbeitenden Gewerbes tätig. Das waren 164.000 oder 2,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Dies sei der höchste prozentuale Rückgang der Beschäftigtenzahl im Vergleich zum Vorjahresmonat seit Mai 2010, hieß es. Damals wurden die Unternehmen in den Sog der Finanzkrise gezogen.

Die wichtigsten Exportbranchen Automobilindustrie und Maschinenbau meldeten einen Rückgang von 4,1 bzw. 3,8 Prozent. Hier werden große Überkapazitäten abgebaut. Der Verband deutscher Maschinenbauer rechnet im laufenden Jahr mit einem Auftragsrückgang in Höhe von 17 Prozent. Die großen Automonopole setzen auf Kurzarbeit und lassen sich vom Staat die Sozialabgaben erstatten. Zahlreiche Zulieferer stehen am Rande der Insolvenz. Massenentlassungen sind die Folge. So kündigte Branchenprimus Continental am Dienstag an, Ende 2021 mit seinem Reifenwerk in Aachen einen weiteren Standort zu schließen. Aus der IG BCE gab es heftige Kritik an den Plänen: »Der Kahlschlag ist weder mit der Transformation der Autoindustrie zu begründen noch mit der Coronakrise«, erklärte Vorstandsmitglied Francesco Grioli.

Doch damit nicht genug. Die Krise nimmt kein Ende: Laut einer Umfrage des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI) geben 40 Prozent der befragten Firmenchefs an, dass sie bis Jahresende einen Rückgang der Mitarbeiterzahl um bis zu zehn Prozent im Vergleich zu Ende 2019 erwarten. Wie das Handelsblatt am Dienstag berichtete, habe jeder fünfte angegeben, im eigenen Unternehmen Mitarbeiter zu entlassen. Selbst den Vertretern des deutschen Industriekapitals wird angst und bange: Das »unternehmerische Grundgerüst« der deutschen Wirtschaft drohe weiter zu erodieren, sagte der Vorsitzende des BDI-Mittelstandsausschusses, Hans-Toni Junius.

Dabei ist die Krise hausgemacht. Schon vor der Coronapandemie befand sich die deutsche Wirtschaft in der Rezession. Um zum Exportweltmeister aufzusteigen, entlastete der Staat die Monopole und hielt Sozialleistungen und öffentliche Investitionen zurück. Dass die Bundesrepublik andere Staaten niederkonkurriert hat, räumt mittlerweile sogar die Deutsche Bundesbank ein. So heißt es im Monatsbericht Juli, »eine restriktive Fiskalpolitik« in der BRD in Kombination mit einer »vergleichsweise expansiven Politik im Rest der Welt« sei die Ursache für den exorbitanten Leistungsbilanzüberschuss. Die »Ersparnisbildung« – die Vermögen der Reichen – habe sich durch die »Agenda 2010« deutlich erhöht. »Da diese zusätzlichen Ersparnisse nicht vollständig im Inland investiert werden konnten, wurden Teile im Ausland angelegt. Der Leistungsbilanzüberschuss stieg«, heißt es bei der Zentralbank.

Die Folgen dieser Misere treffen nicht jeden gleichermaßen. Während die lohnabhängige Bevölkerung harte Einbußen hinnehmen muss, nehmen Banken mit, was sie kriegen können. Die Finanzbranche in Deutschland werde dem Druck der Coronakrise standhalten, frohlockte Hans-Walter Peters, der bis Ende April Präsident des Bundesverbands deutscher Banken gewesen war, im Handelsblatt (Dienstag). Die Institute seien »sehr robust aufgestellt«. Nach jetzigem Stand halte er die Mehrzahl der Institute für »gut gerüstet«. Bis zum nächsten großen Crash.

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Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Roland Winkler, Aue: In aller Grausamkeit Krise ohne Ende, Kapitalismus in Dauerkrise, von einer in die nächste Krise – das ist kapitalistische Realität seit vielen Jahrzehnten. Namen, Auslöser ändern nichts am Verursacher der Krisen, der Kap...
  • Istvan Hidy: Finanzfaschismus Zitat: »Schon vor der Coronapandemie befand sich die deutsche Wirtschaft in der Rezession.« Das ist absolut richtig – sogar nicht nur die deutsche Wirtschaft! Jedoch: »... dabei ist die Krise hausgema...

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