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Aus: Ausgabe vom 15.09.2020, Seite 11 / Feuilleton
Pop

Ein Goldfisch namens Freddie Mercury

Unbedingt unmodisch: Die volatilen Throwing Muses sind mit einem neuen Album zurück
Von Christina Mohr
Throwing Muses credit Orrin Anderson.jpg
Rauh und zärtlich: Die Throwing Muses

Schon der Einstieg ist grandios: Schwer – nicht schwerfällig – donnert »Dark Blue« aus den Boxen, lauernder, lodernder Bluesrock, dazu Kristin Hershs vibrierende Vocals und eine der besten Textzeilen des Jahres: »If you were a sore loser / I’d be a better dreamer / and if I were a better dreamer / you’d be a dream come true.« Nach dem überbordenden »Purgatory/Paradise« von 2013, das kein Album im herkömmlichen Sinn war, sondern ein Buch mit Lyrics, Bildern und Download-Code für 32 Songskizzen, kommt »Sun Racket«, zehnte Platte der Throwing Muses, vergleichsweise kompakt daher: zehn Tracks, verteilt auf eine gute halbe Stunde; knapp, übersichtlich, eindrucksvoll.

Dass das derzeit aus Hersh, Longtime-Companion David Narcizo und Bernard Georges bestehende Trio 2020 in so guter Form wieder auftaucht, war nicht unbedingt abzusehen. Seit ihrer Gründung vor fast 40 Jahren sind Throwing Muses ein volatiles Projekt, abhängig von der Verfassung der so hochbegabten wie störungsanfälligen Hersh. Die Band aus Newport, Rhode Island war einst das erste US-amerikanische Signing des legendären Londoner Labels 4AD, dessen Ruf für anspruchsvollen Indierock vom kongenialen Stiefschwesternpaar Hersh/Tanya Donelly maßgeblich mitgeprägt wurde – bis sich Donelly freischwimmen musste, aber das ist eine Geschichte für sich, die hier zu erzählen zu weit führen würde. »Sun Racket« erscheint nun auf Fire Records, Heimat von u. a. Jane Weaver, Josephine Foster und Half Japanese und ebenfalls in London ansässig. Das bewährte Producerteam aus Hersh und Steve Rizzo lässt die Muses heuer so rauh und zärtlich, rätselhaft und eindringlich klingen wie auf »House Tornado« (1988) oder »Hunkpapa« (1989).

In den neuen Songs verbindet sich die Punk-Energie mit Midtempo-Grunge und Blues; das kakophonische Lärmgewitter in »Bo Diddley Bridge« kontrastiert mit »Milk at McDonald’s«, dessen träumerische Atmo den lapidar-freimütigen Text (»I don’t regret a single drop of alcohol«) frappant herausstellt. »St. Charles« ist ein noch nicht mal zweiminütiges Garage-Experiment mit verzerrter Gitarre und viel Hall auf dem Schlagzeug, und im melodiös dahingleitenden »Bywater« schenkt uns Hersh das denkwürdig skurrile Bild von einem Goldfisch namens Freddie Mercury … Zu keinem Moment haben Throwing Muses so etwas wie Zeitgeistkompatibilität oder gar einen Hit im Sinn. Für diesen gänzlich unmodischen Ansatz bei gleichzeitiger Unbedingtheit in Sound und Haltung kann man sie nur bewundern – und lieben.

Throwing Muses: »Sun Racket« (­Fire Records)

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