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Aus: Ausgabe vom 12.09.2020, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Aprikosencrêpes

Von Maxi Wunder

»Buääääääähhh!!!« Ein markerschütternder Schrei dringt durchs Lokal. In »Udos Probierstübchen« ist Asterix-Woche, und wir haben viele Kinder zu Gast. Ich linse durch den Spalt der Küchentür in den Gastraum und erspähe ein Elternpaar, das verzweifelt versucht, seinen kleinen Schreihals zu beruhigen, aber es hilft nichts. »Ist das gemeeeiiiin!!! Buähähääää!« – »Roswitha, geh doch mal hin, das Gör vertreibt mir ja die Gäste«, knurrt Udo. Den Eltern ist die Sache peinlich: »Tut mir leid«, erklärt der aufgeregte Vater, »wir waren gerade im Streichelzoo mit Lale und haben jetzt hier euer Asterix-Menü bestellt, aber unsere Tochter will das nicht essen. Auf ihre Nachfrage haben wir ihr wahrheitsgemäß erklärt, dass für das Wildschweinragout ein Schwein getötet werden musste.« – »Buähä-huhuuuu!«

»Mäuselchen, jetzt hör mal zu!« Roswitha setzt sich vor das ca. fünfjährige Kind und nimmt seine kleinen Hände in die ihren: »Das Schwein ist gar nicht ermordet worden. Es ist ganz friedlich eines natürlichen Todes gestorben im Kreise seiner Lieben.« – »Gar niiiiich!« – »Doch! Weißt du, Schweine werden auch mal krank. Das hier hatte Fieber, und dann ist es plötzlich eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht.« – »Gar niiiiich!« – »Doch! Und weißt du, was Tante Roswitha jetzt macht? Ich nehm’ deinen Teller mit dem Schwein wieder mit und beerdige es hinten im Garten, richtig mit Blumen. Und du bekommst was anderes Leckeres, was Vegetarisches, okay?« Roswitha trägt das Ragout feierlich zurück in die Küche. Die Kleine ist plötzlich ruhig. »Los, schnell, Maxi, tau dem Kind Eierkuchen auf!«

Aprikosencrêpes:

Für den Crêpeteig 2 Eier, 150 ml Milch und eine Prise Salz verquirlen, 100 g Mehl unterrühren, 1 EL zerlassene Butter zufügen. Teig 20 Min. quellen lassen. Für das Kompott 400 g Aprikosen halbieren, entsteinen und in Spalten schneiden. Mit 100 g Gelierzucker und 1 EL Zitronensaft mischen und 20 Min. ziehen lassen. Aprikosenmischung in einen Topf geben, langsam unterrühren, aufkochen und offen bei mittlerer bis starker Hitze 3 Min. kochen lassen. Aus dem Teig in einer beschichteten Pfanne mit etwas Öl nacheinander vier dünne Crêpes backen. Crêpes mit Aprikosenkompott füllen, umklappen, Schokosauce darüber. Evt. Eiskugeln dazu.

Mit schlechtem Gewissen serviere ich der jungen Tierschützerin die Crêpes, man lügt doch keine Kinder an. »Und das hier?« Lale deutet mit spitzem Zeigefinger auf den Eierkuchen, »Woraus ist das?« – »Das ist aus Milch, Zucker, Eiern …« – »Die ohne Kükentöten?« fragt mich Lale streng. »Jawoll, die ohne Kükentöten!« melde ich gehorsamst, und als wäre dies ein Zauberwort, macht sich der kleine Tyrann über die Crêpes her wie weiland Obelix über seinen Wildschweinbraten.

»Ist ’ne andere Generation«, erklärt mir die Mutter entschuldigend. »Sie ist verliebt in den hübschen Grautvornix aus dem Film ›Asterix und die Wikinger‹. Grautvornix stammt aus Lutetia (Paris), ist Pazifist und Vegetarier und bemängelt an Miraculix' Zaubertrank, dass die Zutaten nicht aus biologisch-dynamischem Anbau sind.« – »Udo! Ergänz mal die Speisekarte: ›Weicheier aus Lutetia‹!«

Wann, wenn nicht jetzt?

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Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Michael Kohler: Das Kind hat recht »Man lügt doch keine Kinder an«, schreibt Maxi Wunder in ihrer Serie »Coole Wampe« am 12./13. September. Warum – so frage ich mich – erzählt sie dann erst mal dem Kind, das kein Wildschwein-Ragout ess...

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