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Aus: Ausgabe vom 12.09.2020, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Hoffnung nach Wahlen

Zu jW vom 1.9.: Vor dem Ende einer Ära

Trotz aller erprobten Formen des Wahlbetrugs, die auch am 30. August seitens der »Demokratischen Partei der Sozialisten« (DPS) von Präsident Milo Djukanovic angewandt wurden, (…) hat die entrechtete, unterdrückte und misshandelte Bevölkerung von Montenegro es geschafft, sich nach 30 Jahren von der Herrschaft eines »westlichen Satans« durch Wahlen endlich wieder zu befreien. Die zwei siegreichen proserbischen Listen können zusammen mit der Wahlplattform »Schwarz auf weiß« eine Regierungskoalition bilden. Dieses »Zünglein an der Waage« wurde von dem 35 Jahre jungen albanischstämmigen Politikwissenschaftler Dritan Abazovic gegründet. Er hat Verständnis für die Leiden der serbischen Bevölkerung, tritt für elementare Bürgerrechte ein, auch das Recht auf eigene Sprache, auf Erhalt der eigenen Kirche, die im 12. Jahrhundert Montenegro gegründet hatte. Deswegen wird er »albanischer Tschetnik« genannt (ein Albaner als serbischer Nationalist). Herr Abazovic (…) hält zur Zeit enormem Druck stand, sowohl aus dem gesamten prowestlichen Vasallenmilieu auf dem Balkan, das wie Djukanovic Propaganda gegen Serbien am Kochen hält, als auch aus dem Westen, der mit dieser Wahl eine Stärkung des serbischen und des russischen Einflusses in Montenegro befürchtet. Er ist wie seine Koalitionspartner fest entschlossen, den freien Staat Montenegro aus dem Elend zu ziehen, das heißt eine Expertenregierung zu bilden, Demokratie, Recht und Ordnung im Land herzustellen, die Korruption und die Mafiageschäfte trockenzulegen (…). Gleichzeitig bezeichnet er sich als prowestlich orientiert, wobei die bisherigen Auslandsverpflichtungen wie die Anerkennung des selbsternannten Staates Kosovo auf serbischem Gebiet und die Mitgliedschaft in der NATO nicht mehr in Frage gestellt werden sollen, weil diese Themen »abgeschlossen« seien. Seine Koalitionspartner werden kaum verstehen, warum ihm der Kampf gegen den Mafiastaat in Montenegro eine Selbstverständlichkeit ist, der Kampf gegen den Mafia- und Mörderstaat im Kosovo aber ausbleiben soll. Trotz dieser Inkonsequenz sind alle Koalitionspartner zur Zeit der Meinung, dass »der Karren Montenegro« zuerst und so schnell wie möglich aus dem Schlamm gezogen werden muss. Ob der Siegerkoalition dieses Ziel gelingen wird, hängt einerseits von der Unterstützung aus dem wohlgesinnten Ausland ab, andererseits auch von der Bereitschaft der alten Regierung, die Macht abzugeben. Immerhin laufen zur Zeit Provokationen ihrer Anhänger, obwohl die restliche Bevölkerung nicht darauf eingeht, und als Präsident hält Djukanovic immer noch die Polizei unter seinem Kommando.

Olivera Götz, per E-Mail

Symbolische Tat

Zu jW vom 10.9.: »›Die Schießerei hat ewig ­gedauert‹«

Nicht dass es eine neue Erkenntnis wäre, aber das Attentat von Halle an der Saale zeigt sinnbildlich, was das Kernelement rechtsextremer Ideologie ist: purer Menschenhass, ganz simpel, ohne irgendwelche vermeintlichen Einschränkungen (von wegen, sie würden wenigstens ihr eigenes »Volk« »lieben«). Der Attentäter hatte sich zwar in erster Linie Juden ausgesucht, aber als er die Tür nicht aufbekommen hat, hat er halt einfach die nächstbeste, zufällig vorbeikommende Frau erschossen. Und später im Imbiss hat er auch genommen, was er kriegen konnte. Egal, wo sie anfangen, ihre Hassliste abzuarbeiten, bei Juden, Linken, Kommunisten, (emanzipierten) Frauen, Homosexuellen, anderen sexuellen Minderheiten, Behinderten, Nichtdeutschen, Nichtweißen, Wohnungslosen, Erwerbslosen usw., am Ende bringen sie sich gegenseitig um.

Ralf Schuster, Onlinekommentar

Verbrechen aufklären

Zu jW vom 8.9.: »Säbelrasseln gegen ­Russland«

Frau Bundeskanzlerin! Alexej Nawalny lebt, Oury Jalloh ist tot (wurde in Dessau von Polizisten umgebracht, verbrannt). Es ist doch kaum zu glauben, dass die russische Regierung Nawalny und die Skripals ermorden wollte. Die Bundeswehr, die mit Panzern an der russischen Grenze steht, in Jugoslawien mit der US-EU-NATO mitbombte, an den Kriegen in Afghanistan, Irak, Syrien, Libyen, Mali, Jemen, Somalia direkt oder indirekt beteiligt ist, muss als parteiisch, das heißt unglaubwürdig, eingeschätzt werden. Bitte, kümmern Sie sich ernsthaft um die Lösung der Probleme im »eigenen« Land: die Bestrafung der Mörder von Oury Jalloh, die Verurteilung der Mörder von Hanau, Halle! Und für den Fall, dass Sie sich international einmischen wollen, so äußern Sie sich bitte zu dem Mord an Jan Kuciak, zu den Morden an Afroamerikanern durch weiße Polizisten in den USA, zu den israelischen Bombardierungen von Syrien und Gaza, zum Völkermord an den Rohingya, zu den US-Kriegsverbrechen in Afghanistan, Syrien, Irak …

Horst Jäkel, Potsdam

Doppeltes Maß

Zu jW vom 7.9.: »Maas macht Stimmung«

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Dreistigkeit in Sachen Menschenrechte bzw. deren Auslegungshoheit hier mit vielerlei Maß gemessen wird: Da wird ein Dschamal Chaschukdschi (englisch: Khashoggi) durch die Häscher unseres »Stabilitätsankers« am Golf, der mittelalterlichen Diktatur Saudi-Arabien, mal eben im Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul auf Koffergröße gestutzt, oder der iranische General Kassem Soleimani und seine Begleiter werden am 3. Januar dieses Jahres mittels Drohnenangriff im Irak hingerichtet. Und dies sind ja nur zwei bekanntgewordene und besonders krasse Beispiele. Die Anzahl der von den USA mittels Drohnen hingerichteten Menschen kann allenfalls geschätzt werden. Dies gilt im übrigen auch für die durch unterlassene Hilfeleistung des Friedensnobelpreisträgers Europäische Union ertrunkenen Menschen im Mittelmeer bzw. deren Zurückweisung in die KZ-ähnlichen (Sprachgebrauch des Außenamts, 2017) Lager in Libyen. Warum macht Herr Heiko Maas hier nicht mobil? Warum kaufen wir immer noch das dreckige Öl der Saudis? Und ja, warum verhängen wir nicht, mal politisch endlich korrekt, Sanktionen gegen die USA?

Ulrich Becker, per E-Mail

Warum kaufen wir immer noch das dreckige Öl der Saudis? Und ja, warum verhängen wir nicht, mal politisch endlich korrekt, Sanktionen gegen die USA?

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