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Aus: Ausgabe vom 11.09.2020, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Konjunkturpolitik

Schotten dicht

EZB schließt zunächst Geldschleusen in Coronakrise – Verbraucherpreise sinken weiter
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Zusätzliche Finanzmittel sind seitens der EZB gestoppt worden – vorerst zumindest (Frankfurt am Main, 8.7.2020)

Eine Kurzdiagnose: Die Inflation ist im Keller, und die Wirtschaft im Euro-Raum erlebt einen beispiellosen Schock. Europas sogenannte Währungshüter stemmen sich bereits mit Milliarden gegen die Folgen der Pandemie.

Trotz niedriger Inflation und des enormen Konjunktureinbruchs in der Coronakrise legen Europas Währungshüter vorerst nicht nach. Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt dabei, im Rahmen ihres Notkaufprogramms 1,35 Billionen Euro in Staats- und Unternehmensanleihen bis mindestens Ende Juni 2021 stecken zu wollen, wie die Notenbank am Donnerstag in Frankfurt am Main mitteilte. Den Leitzins im Euro-Raum beließ der EZB-Rat gleichentags auf dem Rekordtief von null Prozent.

EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hatte erst kürzlich vor einer zu optimistischen Einschätzung der aktuellen konjunkturellen Erholung nach dem Coronaeinbruch gewarnt. Der jüngste weltweite Anstieg der registrierten Neuinfektionen werde die »Konsumlaune und die Stimmung in den Unternehmen noch für einige Zeit belasten«, sagte Lane. Er machte deutlich, dass es noch einige Zeit dauern werde, bis sich die Wirtschaft vollständig von der Krise erholt haben werde. Daher sei weiterhin eine deutliche Unterstützung durch staatliche Hilfsmaßnahmen und durch die Geldpolitik notwendig.

Die Wertpapierkäufe der Notenbank helfen Staaten wie Unternehmen: Sie müssen für ihre Papiere nicht so hohe Zinsen bieten, wenn eine Zentralbank als großer Käufer am Markt auftritt. Anfang Juni hatten die Währungshüter im Kampf gegen die dramatischen wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie ihr Notfallkaufprogramm PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) um 600 Milliarden Euro auf 1,35 Billionen Euro fast verdoppelt. Die Mindestlaufzeit wurde um ein halbes Jahr verlängert.

Hauptziel der EZB ist ein ausgewogenes Preisniveau bei einer mittelfristigen Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent. Die durchschnittliche Inflation ist allerdings seit geraumer Zeit deutlich geringer. Europas Währungshüter sind daher seit Jahren im Antikrisenmodus. Die seit März 2015 mit Unterbrechung laufenden anderen Kaufprogramme der Notenbank für Anleihen hatten mit gut 2,9 Billionen Euro Ende August bereits ein gewaltiges Volumen erreicht.

In der Coronakrise hat sich der Trend zu niedrigen Teuerungsraten verstärkt. Im August sanken die Verbraucherpreise in der Euro-Zone zum ersten Mal seit 2016 wieder. Die Inflationsrate fiel nach einer ersten Schätzung des Statistikamtes Eurostat auf minus 0,2 Prozent. Im Juli hatte die Rate noch bei plus 0,4 Prozent gelegen.

Sinkende Verbraucherpreise sind ein potentielles Risiko für die Konjunktur. Sie können eine Abwärtsspirale auslösen, wenn Verbraucher und Unternehmen auf weiter fallende Preise spekulieren und Investitionen immer weiter in die Zukunft verschieben. (dpa/jW)

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