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Aus: Ausgabe vom 11.09.2020, Seite 1 / Titel
Feuer im Flüchtlingscamp

Es brennt schon lange

Spontane Demonstrationen für Aufnahme von Geflüchteten in der BRD. Tausende nach Großfeuer im griechischen Lager Moria obdachlos
Von Jan Greve
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Allein in Berlin versammelten sich am Mittwoch abend mehrere tausend Menschen, um für die Evakuierung des Flüchtlingslagers Moria zu demonstrieren

Nach dem Brand im Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos sind viele Menschen in der BRD betroffen und wütend über die dortigen Zustände. Nach Angaben der Organisation »Seebrücke« gingen bei knapp 50 Protestaktionen am Mittwoch abend mehrere zehntausend Demonstrantinnen und Demonstranten auf die Straße. Die klare Forderung: Alle Lager auf den griechischen Inseln müssen umgehend evakuiert und die Menschen aufgenommen werden. Derweil versuchen die Verantwortlichen hierzulande mit Verweis auf die Notwendigkeit einer »europäischen Einigung« ihr eigenes Nichtstun zu rechtfertigen und beschränken sich auf bloße Mitleidsbekundungen.

Während über die Konsequenzen aus der Katastrophe gestritten wird, befinden sich in Griechenland Tausende Geflüchtete auf der Suche nach einer neuen Unterkunft. Wie das dortige Migrationsministerium am Donnerstag mitteilte, wurde eine Fähre mit Platz für Hunderte Menschen nach Lesbos entsandt. Zudem sollen zwei griechische Marineschiffe zusätzliche Schlafmöglichkeiten bieten. Hunderte unbegleitete Minderjährige sollen mit Flugzeugen aufs Festland gebracht werden. Einige von ihnen werden nach dem Willen von Berlin und Paris in der EU verteilt werden.

In der Nacht zu Mittwoch hatte ein Feuer weite Teile des Flüchtlingslagers Moria unbewohnbar gemacht. Ein zweiter Brand am Mittwoch abend zerstörte das Camp nahezu vollständig. Dadurch wurden fast 13.000 Menschen obdachlos, die in dem für knapp 3.000 Personen ausgelegten Lager untergebracht waren.

Angesichts der großen Not mehren sich auch in der BRD die Stimmen derer, die die Aufnahme von Menschen aus den griechischen Lagern fordern. Stellvertretend für die Linie der Regierung machte der CDU-Innenpolitiker Mathias Middelberg am Donnerstag deutlich, mit welcher argumentativen Figur die eigene Abschottungspolitik gerechtfertigt wird: Ein deutscher Alleingang sei der falsche Weg, vielmehr brauche es eine europäische Antwort. »Es geht um das politische Signal, das man setzt«, sagte Middelberg im ZDF-»Morgenmagazin«. Sein Parteifreund Michael Brand, menschenrechtspolitischer Sprecher der Unionsbundestagsfraktion, nannte dagegen die Zahl von 5.000 durch ein Asylverfahren bereits anerkannten Geflüchteten, die die BRD notfalls alleine aufnehmen solle. Die Menschen in Moria seien in den vergangenen Jahren »schlechter behandelt worden als bei uns das Vieh«, so Brand. Diese Forderung richtete er gemeinsam mit 15 weiteren Unionsbundestagsabgeordneten an Innenminister Horst Seehofer. Doch der CSU-Politiker lässt bislang kein Anzeichen dafür erkennen, dass er seine Blockadehaltung bezüglich der Aufnahme von Schutzbedürftigen aufgeben will.

Nach den Protesten vom Mittwoch sollte auch am Donnerstag und Freitag in deutschen Städten demonstriert werden. Henri Dubois von der Organisation »Seebrücke« betonte am Donnerstag gegenüber jW, den Druck auf die politisch Verantwortlichen hoch halten zu wollen. Man werde nicht locker lassen, »bis nicht nur die nun Obdachlosen von Moria, sondern auch alle anderen Lager an Europas Außengrenze evakuiert sind«. Zu den Mutmaßungen über mögliche Brandstiftung sagte Dubois: »Es hätte dieses Feuer nie gegeben, wenn es nicht die Politik des Wegschauens über Monate und Jahre hinweg gegeben hätte.« Was es nun brauche, sei ein Umdenken in der Migrationspolitik und ein Ende der Abschottung.

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Debatte

  • Beitrag von Torsten Andreas S. aus B. (11. September 2020 um 01:19 Uhr)
    Inner Notlage isses angesagt, dass klar denkende Menschen sofort reagieren: Auf jeden Fall fordern sie, dass wir die vielen Menschen, die Hilfe brauchen, sofort gerettet werden. Sie müssen sofort dorthin gebracht werden, wo sie sicher leben können. Weil um wenige Menschen geht, sollen sie sofort zu uns kommen. Hier ist der beste Ort für sie.

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