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Aus: Ausgabe vom 10.09.2020, Seite 8 / Ansichten

Was wirklich zählt

Von Steffen Stierle
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Ein Fahrer des Sportwagenherstellers Porsche demonstriert das autonome Fahren in einer Werkstatt (Stuttgart, 21.2.2020)

In der Finanzkrise galten die großen Banken als »systemrelevant«, im Coronashutdown Pflegekräfte und Verkäufer. Die einen bekamen ein 480-Milliarden-Euro-Rettungspaket, die anderen kräftigen Applaus. Wer allerdings krisenübergreifend regelmäßige Audienzen im Kanzleramt will, um seine Wünsche stets an höchster Stelle vortragen zu können, der sollte am besten Boss eines Automobilkonzerns werden.

Natürlich saß auch der eine oder andere Gewerkschafter mit am virtuellen Tisch, als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag abend zum Spitzengespräch lud. Damit es so wirkt, als wären alle Interessen eingebunden und im Sinne des Kompromisses zum Ausgleich gebracht worden. Fast alle. Nicht die des Städtetags oder der Umweltverbände, die auf neue Verkehrskonzepte mit weniger Autos pochen. Das Kapital hat dem Nachfrageeinbruch zum Trotz die Überkapazitäten ausgelastet und fleißig dicke Autos mit Verbrennungsmotor produziert. Die müssen nun vom Hof. Da braucht es nicht weniger, sondern mehr Autos, auch in den Innenstädten.

Offizielle Beschlüsse wurden am Dienstag nicht gefasst, aber die Richtung ist klar. Von einer »Kapitalstärkung« war nach der Videoschalte zutreffend die Rede. Mit den eingesetzten Arbeitsgruppen hat die Branche jetzt eine permanente Struktur, um ihre Anliegen in die Schaltzentrale der Macht zu übermitteln. Im November steigt der nächste Gipfel. Die eine Arbeitsgruppe befasst sich derweil mit der Frage, was der Steuerzahler für die Zulieferer von Daimler, BMW und Co. tun kann. Die andere damit, wie der Einsatz öffentlichen Geldes zukünftige Autorenditen am besten absichert.

Überhaupt ging es mehr um die langfristige Absicherung der Branche als um die Folgen der Coronapandemie und die Klimakrise: Beim autonomen Fahren will man nun eine Führungsrolle einnehmen. Schon 2022 sollen die ersten teilautonomen Autos auf der Straße sein – rette sich wer kann! Der Staat hat den Autobossen zugesagt, die »Rahmenbedingungen« zu verbessern. Die wiederum haben sich bereit erklärt, zu investieren, wenn es sich lohnt.

Zu den besagten »Rahmenbedingungen« dürften insbesondere der Ausbau des 5G-Netzes und ein gründliches Schleifen bestehender Datenschutzgepflogenheiten gehören. Ohne Totalüberwachung kommt man hierzulande kaum mehr unverletzt über die Straße, wenn die Führungsrolle erst mal erreicht ist. Dass es in absehbarer Zeit soweit kommt, darf angesichts der bisherigen Transformationsträgheit des Sektors und des hiesigen, riesigen Investitionsstaus allerdings bezweifelt werden.

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Debatte

  • Beitrag von Franz L. aus S. (10. September 2020 um 06:44 Uhr)
    »5 G« und autonomes Fahren werden den Verkehr sicherer und verträglicher machen. Die fortschrittlichen Kräfte sollte da nicht als Bremser auftreten, sondern die Richtung möglichst vorgeben. Schaut nach China.

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