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Aus: Ausgabe vom 09.09.2020, Seite 5 / Inland
Arbeitskämpfe in der BRD

Flagge zeigen

IG Metall ruft Beschäftigte beim Flugzeughersteller Airbus in Norddeutschland zu Aktionstag auf – Kernforderung: Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen
Von Oliver Rast
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Airbus-Beschäftigte demonstrieren mit einem Autokorso in Hamburg-Finkenwerder gegen Konzernpolitik (8.9.2020)

Es ist eine Art Kampfauftrag, der Inhalt klar formuliert: Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen an Standorten des Flugzeugherstellers Airbus. Die IG Metall (IGM) will hierzu einen Tarifvertrag mit dem Konzern abschließen. Dafür braucht es Druck von der Basis: Am Dienstag mobilisierte der IGM-Bezirk Küste die Airbus-Belegschaften zu einem Aktionstag mit Kundgebungen vor den Werkstoren in Bremen und Stade, in Hamburg-Finkenwerder zog vormittags ein Autokorso durch den Ort. Hunderte Beschäftigte beteiligten sich an den Protesten.

»Der Konzern hat den Beschäftigten die Daumenschrauben angelegt«, sagte Ute Buggeln, Geschäftsführerin der IG Metall Bremen, am Dienstag im jW-Gespräch. Nicht nur das: Drohungen und Spekulationen stünden im Raum, ein unerträglicher Zustand für die Kollegen, weiß Buggeln. Scheiden nicht genug Mitarbeiter »freiwillig« aus dem Konzern aus, könnte seitens des Konzerns betriebsbedingt gekündigt werden. Was Beschäftigte zusätzlich belastet: »Niemand weiß, wohin die Reise mit Airbus gehen soll«, so Buggeln. Konkret: Welche Produktionsbereiche bleiben an welchem Standort. In den Belegschaften rumort es, seit Monaten. Das Gute: »Mehr und mehr Kollegen sind hellwach geworden, zeigen Flagge«, betonte Buggeln.

Bei Airbus sind in Deutschland etwa 46.000 Menschen an fast 30 Standorten beschäftigt. Der Konzern hatte angekündigt, weltweit rund 15.000 Stellen zu streichen. »In Deutschland ist der Abbau von circa 5.100 Stellen im Bereich Zivilflugzeugbau geplant«, sagte ein Konzernsprecher auf jW-Nachfrage am Dienstag. Die Rechtfertigung ist bekannt: Die Coronakrise habe zu Absatzeinbrüchen geführt, »personelle Überkapazitäten« müssten verringert werden. »Airbus hat die Produktion bereits um rund 40 Prozent heruntergefahren«, sagte der Sprecher. Aktuell setze man unter anderem auf »Optionen zum freiwilligen Ausscheiden mit Abfindung«. Damit werde in dieser Phase das »Risiko betriebsbedingter Kündigungen reduziert«. Bis Sommer 2021 soll nach Konzernangaben die Streichliste abgearbeitet sein.

An norddeutschen Airbus-Standorten sollen mehr als 3.000 Stellen vernichtet werden. In Hamburg inklusive Buxtehude und Fuhlsbüttel allein 2.325, in Bremen geht es um 445, in Stade um 365 und an weiteren Standorten um 40 Stellen. Mit den »Sozialpartnern« seien Airbus-Vertreter »in einem engen Dialog«, so der Sprecher. »Wir können uns aber zu konkreten Inhalten nicht äußern.« Das überrascht kaum, denn die Verhandlungen der Airbus-Betriebsräte mit der Konzernspitze zu einem Interessenausgleich und Sozialplan drehen sich seit Wochen im Kreis, monieren Belegschaftsvertreter. »Wenn Airbus seine Pläne durchsetzt, wird es im Frühjahr 2021 Massenentlassungen geben«, wird Holger Junge, Vorsitzender des Konzernbetriebsrates, in einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme der IGM Küste zitiert. Thomas Pretzl, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Airbus Defence and Space, geht noch einen Schritt weiter: »Wir befinden uns in der härtesten Auseinandersetzung mit dem Management in der Airbus-Geschichte.« Diese Einschätzung teilt auch IGM-Küste-Bezirksleiter Daniel Friedrich am Dienstag gegenüber jW: »Die Situation ist akut.«

Deshalb greifen jetzt die organisierten Metaller ein – und gehen in Vorleistung: Friedrich stellte am Montag inhaltliche Eckpunkte vor. Demnach soll die Dauer der Kurzarbeiterregelung inklusive einer Aufstockung des Entgelts maximal genutzt werden. Des weiteren sprach sich Friedrich für eine tarifliche Arbeitszeitverkürzung mit teilweisem Entgeltausgleich und eine Vier-Tage-Woche als Instrumente gegen Stellenstreichungen aus.

Nach jW-Informationen sollen Tarifgespräche in der kommenden Woche stattfinden. Ein genauer Termin indes steht noch nicht fest. »Airbus ist bewusst, dass sie dem Konflikt ohne Tarifabschluss nicht aus dem Weg gehen können«, ist sich die Bremer Gewerkschafterin Buggeln ­sicher. Und auch die Betriebsräte vor Ort wissen, dass einzelne Betriebsvereinbarungen Tarifverträge für den Gesamtkonzern nicht ersetzen können.

Die Zeit drängt: »Wir wollen in den nächsten anderthalb Monaten zu konkreten Ergebnissen kommen«, betonte Bezirksleiter Friedrich. Wenn es keine Verhandlungslösung geben sollte, seien die IG Metall mobilisierungs- und durchsetzungsfähig, kündigte der Bezirksleiter an. Das alte Gewerkschafterprinzip gilt weiterhin, so Buggeln: »Wenn wir den Protest nicht organisieren, tut es niemand für uns.«

Wann, wenn nicht jetzt?

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