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Aus: Ausgabe vom 26.08.2020, Seite 5 / Inland
Kindertagesstätten

Kitaqualität weiter mangelhaft

Bertelsmann-Monitoring konstatiert Personalnot und wenig Raum für Erziehung
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Laut Ländermonitoring ist individuelle Betreuung in Kitas kaum noch möglich

Schlechte Personalausstattung und zu große Gruppen beeinträchtigen die Qualität der Betreuung in Kindertagesstätten, trotz geringfügiger Verbesserungen. Das ist eine der Grundaussagen des »Ländermonitorings frühkindliche Bildungssysteme« der Bertelsmann-Stiftung, dessen Daten am Dienstag vorgestellt wurden. Viele Kindergärten und Krippen in Deutschland können demnach ihren Bildungsauftrag angesichts nicht kindgerechter Personalschlüssel und Gruppengrößen allenfalls eingeschränkt erfüllen.

Bundesweit besuchen demnach fast drei von vier Kindern eine Kita oder eine Krippe mit zuwenig Personal: So kamen zum Erhebungsstichtag im März 2019 rechnerisch 4,2 Krippenkinder auf eine Erzieherin oder einen Erzieher. Im Kindergarten waren es 8,8 Kinder pro Fachkraft. Die Experten empfehlen aber maximal drei Krippenkinder beziehungsweise 7,5 Kindergartenkinder pro Pädagoge. Bundesweit waren zudem mehr als die Hälfte aller Kitagruppen größer als empfohlen.

Trotz Platzausbaus und Investitionen in zusätzliches Personal seien die Qualitätsverbesserungen nur gering. Das habe Folgen für die pädagogische Arbeit, kritisiert die Stiftung. Es brauche dringend weitere und dauerhafte Investitionen in die Qualitätsentwicklung: »Das darf jetzt in der Coronakrise nicht aus dem Blick geraten«, zitierte die Nachrichtenagentur dpa am Dienstag Anette Stein, bei der Stiftung verantwortlich für den Bereich frühkindliche Bildung.

Wie Personalmangel wirkt, unterstreicht eine Studie, die die Stiftung flankierend zu den Daten des Ländermonitorings gemeinsam mit der Fernuniversität Hagen veröffentlicht hat. Dafür wurden Gruppengespräche mit insgesamt 128 Kitamitarbeitern ausgewertet. »Dramatisch«, nennt die Leiterin des Lehrgebiets für empirische Bildungsforschung an der Fernuni, Julia Schütz, laut dpa die Ergebnisse. »Viele Erzieherinnen schildern einen Spagat zwischen dem eigenen Anspruch und mangelnden Zeitressourcen«, so die Wissenschaftlerin.

Die Befragten verwiesen unabhängig von Region und Träger auf ähnliche Probleme: unbesetzte Stellen; zu viele Tätigkeiten außerhalb der Gruppe, etwa in der Elternarbeit oder gar als Hausmeisterersatz; Gruppengrößen, bei denen sie gerade mal ihrer Aufsichtspflicht gerecht werden, aber wenig mehr. »Wie soll man Bildung ermöglichen, wenn man alleine 20 Kinder beaufsichtigen muss«, sagt Schütz. »Mehr als ›Aufbewahren‹ ist dann oft nicht drin.«

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat die Kritik zur Kita-Qualität zurückgewiesen. »Es ist nicht richtig, derart gravierende Zweifel an einer kindgerechten Betreuung in den Kitas zu säen«, erklärte die Politikerin am Dienstag. (dpa/jW)

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