Kontra Klimakiller, Protest-Abo!
Gegründet 1947 Sa. / So., 26. / 27. September 2020, Nr. 226
Die junge Welt wird von 2356 GenossInnen herausgegeben
Kontra Klimakiller, Protest-Abo! Kontra Klimakiller, Protest-Abo!
Kontra Klimakiller, Protest-Abo!
Aus: Ausgabe vom 22.08.2020, Seite 8 / Inland
Protest gegen Kohleindustrie

»Wenn alle Dörfer bleiben, ist mit der Kohle schnell Schluss«

NRW: Klimabündnisse mobilisieren siegessicher gegen Garzweiler Tagebau. Ein Gespräch mit Daniel Hofinger
Interview: Gitta Düperthal
BUND_und_oertliche_I_66226459.jpg
Kohlegegner protestieren für Erhalt von fünf Dörfern am Braunkohletagebau Garzweiler vor der Staatskanzlei in Düsseldorf (6.8.2020)

Ein bundesweites Bündnis von Klimagruppen und Umweltverbänden ruft für den 30. August zur Demo am Garzweiler Tagebau in Nordrhein-Westfalen auf. Weshalb ist nun die Zeit für großen Protest?

Nachdem wir den Hambacher Wald gerettet und den Tagebau dort gestoppt haben, ist jetzt die Garzweiler Kohlemine dran. Im Juli zerstörte der Kohlekonzern RWE dort die Landstraße 277 zwischen Keyenberg und Lützerath, was eine beeindruckende Welle an Protesten auslöste. Die Straße galt als symbolische Schutzbarriere zu den Dörfern. Die Klimabewegung und die Umweltverbände haben als Antwort auf die Zerstörungen ihre Ziele erweitert: Wir kämpfen jetzt um den Erhalt der Dörfer Lützerath und Keyenberg. Darum geht es bei der angekündigten Großdemonstration. Denn wenn alle Dörfer bleiben, ist mit der Kohle schneller Schluss, als wir das Wort »Kohleausstieg« sagen können.

Der Widerstand im Juli war groß, die Straße wurde dennoch abgerissen. Wieso meinen Sie, den Konzern jetzt stoppen zu können?

Man muss hinfahren, um einen Eindruck zu bekommen, was dort passiert. In Lützerath steht man nur etwa 200 Meter vom Tagebau entfernt. Wenn die Bagger dort stillstehen, werden wir den Abbau der Kohle stoppen. Sich das vorzustellen liefert positive Kraft – so wie auch in Hambach.

Wie will denn die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen die Zerstörung der Dörfer umsetzen? Will sie Wasserwerfer durch Fachwerk- und Backsteinsiedlungen fahren lassen, mit Räumpanzern Sitzblockaden auflösen und Menschen mit einem Sondereinsatzkommando aus ihren Häusern treiben? Falls das das Szenario ist, um eine nicht mehr zeitgemäße Kohleindustrie zu schützen, sollen sie es versuchen. Wir haben in Hambach gewonnen und sind sicher, es auch in Garzweiler hinbekommen.

Wie klappt es mit der Mobilisierung, wenn nicht Bäume, sondern Dörfer geschützt werden sollen?

Vermutlich werden wir erfolgreicher sein, weil Menschen zwangsumgesiedelt werden sollen. Und in der Klimagerechtigkeitsbewegung ist es gute Tradition, dass wir solidarisch mit befreundeten Organisationen und Initiativen zusammenwirken. Das gesamte Spektrum von Greenpeace, Campact, BUND NRW, »Fridays for Future Germany«, »Extinction Rebellion Deutschland«, »Alle Dörfer bleiben«, Interventionistische Linke bis Naturfreunde Deutschland macht mit. »Ende Gelände« wird ab dem 28. August zum Wochenende des Widerstands mit Workshops, Podiumsdiskussionen und Abendveranstaltungen einladen. Wir freuen uns, wieder zusammenkommen zu können – den Coronabedingungen angepasst mit Maske.

Ihren Zielen steht auch die Kohlepolitik der Landesregierung im Weg.

RWE will weiterhin die Dörfer für Profite zerstören, und in der Landesregierung findet der Konzern dafür willfährige Helfer. Mit der Politik werden quasi Untote dank Milliardensubventionen weitere 18 Jahre in den Untergang begleitet. Doch seitens der Kohlebefürworter zeigt sich eine gewisse Lustlosigkeit. Wo früher noch argumentiert wurde, die Kohle sei sinnvoll, geht es jetzt nur noch ums Geld. Sie stehen vor einer erdrutschartigen Veränderung. Die Klimabewegung erfährt ständig mehr Sympathie; Kohlebefürworter versprühen eher den verstaubten Charme des ewig Gestrigen. Sie können den gesellschaftlichen Wandel nicht länger ignorieren.

Es gibt noch andere Kämpfe, wie den der »Grünen Lunge« in Frankfurt am Main, die für diesen Sonntag gegen Immobilienspekulation mobilisiert, oder den um die Autobahn 49 im Dannenröder Wald. Sind das zu viele Fronten?

Momentan steht der Dörfer-Widerstand im Vordergrund. Wir wollen mit dem Stopp für die umweltschädliche Kohleproduktion eine der wichtigsten Klimafragen in Deutschland lösen und diese Auseinandersetzung gewinnen. Aber wenn man den Kapitalismus überwinden will, reicht es nicht, an einem Ort zu kämpfen. Das Kapital lebt überall seine Zerstörungswut aus. Wir haben trotz Corona beachtliche Organisationsstärke, überall gründen sich Ortsgruppen.

Daniel Hofinger ist aktiv im Bündnis »Ende Gelände«

Wann, wenn nicht jetzt?

Die letzten Tage, um das stark vergünstigte und zeitlich begrenzte Aktionsabo der Tageszeitung junge Welt zu bestellen, sind angebrochen: Bis Montag, 28. September gibt es das Protest-Abo, um die junge Welt drei Monate lang für 62 € zu lesen!
 
Eine gute Gelegenheit, um die Tageszeitung gegen Kapitalismus kennenzulernen. Auf zum Endspurt!

Leserbriefe zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Regio:

Mehr aus: Inland

Letzte Chance: drei Monate junge Welt  für 62 €. Nur noch bis 28. September bestellbar!