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Aus: Ausgabe vom 06.08.2020, Seite 8 / Inland
Protest gegen Kohleindustrie

»Wir sind gut vernetzt und reagieren spontan«

Nordrhein-Westfalen: Kohlegegner kämpfen weiter für durch Tagebau bedrohte Dörfer. Ein Gespräch mit Tina Dresen
Interview: Gitta Düperthal
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Umweltaktivisten klettern über einen Wall, um in den Tagebau Garzweiler einzudringen (Keyenberg, 25.7.2020)

Gegen den Widerstand von Gegnern des Kohleabbaus hat der Energiekonzern RWE die Landstraße L 277 zwischen Lützerath und Keyenberg am Tagebau Garzweiler in Nordrhein-Westfalen abgerissen. Sie galt als Schutzlinie zu den bedrohten Dörfern. Ende Juli musste sie weichen. Wie geht es jetzt weiter?

Für diesen Sonntag laden wir zum Dorfspaziergang ein. Wir wollen, dass viele Menschen unsere Dörfer kennenlernen, damit sie erfahren, was RWE zerstören will. Um den Erhalt der Straße hatten wir zum Beispiel am 19. Juli mit einer Demo gekämpft, an der sich 800 Leute beteiligten. Bis Ende des Monats gab es immer wieder Sitzblockaden. Einer Person gelang es sogar, sich auf der Straße vor Lützerath auf den Abrissbagger zu setzen und so die Arbeiten stundenlang zu stoppen.

Ab Herbst, wenn die Rodungszeit beginnt, droht Lützerath das Ende. Mit unserem Protest sind wir aber nicht mehr alleine. Ob unorganisierte Kohlegegner, Aktivistinnen und Aktivisten von »Kohle ersetzen«, »Ende Gelände« oder »Fridays for Future« – viele machen mit. Direkt an der abgerissenen Straße gibt es nun eine Dauermahnwache. Von dort aus organisieren wir den Widerstand.

Sehen Sie eine Chance, diese Auseinandersetzung zu gewinnen?

Wir sind überzeugt, dass unsere Dörfer stehenbleiben werden. Widerstand lohnt sich und sorgt dafür, dass immer mehr Leute mitmachen. Im Hambacher Forst wurde es so geschafft, die Vernichtung des Waldes zu verhindern. Die gesamte Klimaschutzbewegung steht an unserer Seite, auch Greenpeace ist mit uns solidarisch. Die Politik macht nur leere Versprechen und nichts passiert. Wenn RWE versucht, bis 2038 circa 645 Millionen Tonnen Braunkohle aus dem Tagebau zu fördern, dann sind die Klimaziele nicht einzuhalten.

Die Initiative »Die Kirche(n) im Dorf lassen« veranstaltet Aktionsgottesdienste. Was hat es mit dem kirchlichen Widerstand auf sich?

Die offizielle katholische Kirche hier im Rheinland ist gegen uns. Sie hält es mit RWE, hat dem Kohlekonzern die Kirchen in unseren Dörfern verkauft. Die in Keyenberg darf schon nicht mehr betreten werden. Die Initiative stellt sich dem entgegen.

Wie ist die Situation in den Dörfern selbst?

Die vom sich immer weiter in die Gegend fressenden Tagebau bedrohten Dörfer Keyenberg, Kuckum, Lützerath, Oberwestrich und Unterwestrich sind belebt. Nichts verfällt oder vergammelt. Leute sind auf den Straßen, der Fußballverein spielt. Selbst wenn ein großer Konzern und Politiker wie Armin Laschet, CDU, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, unsere Dörfer zerstören wollen: Jedes Mal, wenn wir Gegenwind erfahren, wird unser Widerstand entschlossener.

RWE argumentiert, nach dem Kohleausstiegsgesetz dürfe der Energiekonzern noch Millionen Tonnen Braunkohle aus dem Tagebau Garzweiler fördern und alle Dörfer abreißen.

Der Konzern spricht von einer »energiewirtschaftlichen Notwendigkeit«, weiter Kohle zu fördern. Es gibt aber kein einziges ernstzunehmendes wissenschaftliches Gutachten, das dies bestätigt. Im Gegenteil besagen die allesamt: Selbst bei einem viel zu späten Kohleausstieg bis 2038 sei der Abbau in der geplanten Größenordnung nicht mehr erforderlich. Nach Analysen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung können im Tagebau Garzweiler II noch mindestens 338,3 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert werden, ohne weitere Dörfer zu vernichten. Die Initiative »Menschenrecht vor Bergrecht« wird Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht einreichen. Dabei wird es um die Rechtmäßigkeit von Enteignungen für Kohle in Zeiten des Klimawandels und des Ausstiegs aus der Kohleverstromung gehen. Wir gehen davon aus, dass dieses Kohleausstiegsgesetz, auf das RWE sich beruft, kassiert wird.

Wie wollen Sie den Widerstand aufrechterhalten?

Wir sind gut vernetzt und reagieren spontan. Am 30. August wird eine Großdemo am Tagebau weitere Aktionen zivilen Ungehorsams einläuten. Bei Beginn der Rodungssaison und dem geplanten Abriss von Lützerath im September werden wir uns zur Wehr setzen.

Tina Dresen ist Aktivistin von »Alle Dörfer bleiben«

Wann, wenn nicht jetzt?

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