Die XXVI. RLK-Konferenz findet statt
Gegründet 1947 Sa. / So., 31. Oktober / 1. November 2020, Nr. 255
Die junge Welt wird von 2422 GenossInnen herausgegeben
Die XXVI. RLK-Konferenz findet statt Die XXVI. RLK-Konferenz findet statt
Die XXVI. RLK-Konferenz findet statt
Aus: Ausgabe vom 06.08.2020, Seite 6 / Ausland
Syrien

Spannungen in Ostsyrien

Arabische Stämme in Deir Al-Sor protestieren gegen kurdisch geführte Militärallianz
Von Nick Brauns
RTS2EIB4.JPG
Am Al-Omar-Ölfeld in Deir Al-Sor verkündeten die Syrischen Demokratischen Kräfte die militärische Niederlage des »Islamischen Staates« (23.3.2019)

In mehreren Städten der ostsyrischen Region Deir Al-Sor ist es zu einer Revolte gegen die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDK) gekommen. In den östlich des Euphrat gelegenen Orten Schuhail, Danan und Al-Hadscheb protestierten Angehörige arabischer Stämme mit syrischen Fahnen und Bildern von Präsident Baschar Al-Assad gegen die Präsenz der kurdisch geführten, in der Region aber mehrheitlich aus arabischen Soldaten bestehenden SDK. Der Protest richtete sich ebenfalls gegen die US-Armee, die in dieser Region nach Angaben von US-Präsident Donald Trump präsent sei, um die »Ölfelder zu schützen«.

Hunderte Stammesangehörige hätten ein Hauptquartier der SDK gestürmt, meldete die der syrischen Regierung nahestehende Nachrichtenseite Al-Masdar News am Dienstag. Dies dementierte das kurdische Nachrichtenportal Rojava Network unter Verweis auf örtliche Quellen. Allerdings seien bewaffnete Anhänger der syrischen Regierung und Stammesangehörige von der Westseite des Euphrat in die SDK-kontrollierten Gebiete eingedrungen, um dort für Unsicherheit zu sorgen, heißt es auf dem Portal. In der Nacht zum Mittwoch meldeten die SDK, wieder die volle Kontrolle über die Unruheregionen erlangt zu haben.

Angefangen haben die Proteste mit der Ermordung von Scheich Mutschar Al-Hifil. Der Führer des Al-Akidat-Stammes war am Sonntag von Maskierten auf Motorrädern niedergeschossen worden. Es war bereits der dritte Mord von Unbekannten an einem Stammesführer innerhalb einer Woche. Die Dschihadistenmiliz »Islamischer Staat« (IS) hatte die Stämme zuvor ausdrücklich vor einer Zusammenarbeit mit den SDK gewarnt.

Hatten die Stammesangehörigen nach dem Mord an Scheich Al-Hifil anfangs noch die SDK aufgefordert, die Mörder zu fassen, richteten sich ihre Proteste, befeuert durch die schlechte Versorgungssituation in der Region, schnell gegen die Präsenz der Truppen als Ganzes.

Der im Exil lebende Direktor des Nachrichtenportals Deir Ezzor 24, Omar Abu Laila, sieht darin die Folge eines »großen Sicherheitschaos in der Region«. So gäbe es in den SDK-kontrollierten Gebieten zwar Untergrundzellen sowohl von Anhängern der syrischen und iranischen Regierung als auch von Dschihadisten des IS und der Fatah-Al-Scham-Front, schrieb Abu Laila auf Twitter. Das Problem bestünde darin, dass bei jeder gegen sie gerichteten Antiterroroperation Zivilisten zu Schaden kämen oder inhaftiert würden. Deren weiteres Schicksal wäre dann unbekannt. Abu Laila sieht die Verantwortung bei den SDK.

Grund für die Proteste war wohl aber auch das Abkommen zwischen der selbstverwalteten Demokratischen Föderation Nord- und Ostsyrien und der US-Ölfirma Delta Crescent Energy LLC über die Modernisierung von Förderanlagen und den Verkauf von Öl. In der von Stämmen dominierten Region befinden sich die größten Ölfelder des Landes. Ausschlaggebend für die Bündnispolitik der Gruppen ist weniger eine politische oder religiöse Überzeugung, sondern welche Seite ihnen die meisten Mittel zur Verfügung stellt und am wenigsten in ihre Autonomie eingreift.

So gab es bereits wechselnde Allianzen mit der syrischen Regierung, dem IS und den SDK. Auch Stämme, die mit der Autonomieverwaltung kooperieren, stehen deren politischer Ausrichtung distanziert gegenüber. So lehnte der Provinzrat von Deir Al-Sor kürzlich den für das Autonomiegebiet ausgearbeiteten Schullehrplan ab, weil dieser säkular ausgerichtet ist und Frauenrechte betont.

Unterdessen verurteilte die Regierung in Damaskus die Ölvereinbarung als »Abkommen zwischen Dieben«. Nach Informationen der Nachrichtenseite Al-Monitor vom Mittwoch sind allerdings nur die Ölquellen in den kurdischen Siedlungsgebieten, nicht aber jene in Deir Al-Sor betroffen. Zudem möchte die Autonomieverwaltung trotz des von den USA gegen die syrische Regierung verhängten Embargos weiterhin auch an Damaskus Öl liefern und versucht nach Informationen von Al-Monitor russische Firmen als Partner zu gewinnen.

Unverzichtbar!

»Zusammen mit der jährlichen Rosa-Luxemburg-Konferenz bietet die junge Welt für uns die perfekte Grundlage, um unsere gewerkschaftliche Arbeit kapitalismuskritisch und antifaschistisch auszurichten.« – DGB-Jugend Ulm

Eine prinzipienfeste, radikal kritische Tageszeitung ist durch nichts zu ersetzen für all diejenigen, die dem real existierenden Kapitalismus und Faschisten etwas entgegensetzen wollen.

Diese Zeit braucht eine starke linke Stimme!

Ähnliche:

  • US-Soldaten in einem Stützpunkt nahe der türkischen Grenze bei M...
    05.07.2018

    Dialog mit Damaskus

    Syrische Regierung und kurdisch geführte Bewegung diskutieren über Status von Autonomieregion im Norden
  • Neu Kooperationen gegen westliche Interessenpolitik: Der türkisc...
    15.11.2017

    Kooperation vertieft

    Putin und Erdogan sprachen in Sotschi über Wirtschaftsbeziehungen und den Krieg in Syrien

Regio:

Mehr aus: Ausland