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Aus: Ausgabe vom 05.08.2020, Seite 8 / Ansichten

Transparenz geht anders

DFL-Konzept für Stadionöffnung
Von René Lau
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Fans aus Pappe bei dem Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und VfL Wolfsburg (16.6.2020)

Mit Spannung haben die Fanszenen Deutschlands das gestrige Treffen der Deutschen Fußballiga (DFL) mit ihren Vereinen erwartet. Es ging um ein Konzept, damit wieder Zuschauer ins Stadion können; die vorgelegten Anträge waren alles andere als fanfreundlich.

Die Befürchtungen haben sich bestätigt. Es wurde genau das beschlossen, was das DFL-Präsidum vorgeschlagen hatte. Wer aber dachte, dass es nach der Sitzung zumindest konkretere Informationen über die Umsetzung des Plans geben würde, oder sich gar eine Auseinandersetzung mit der Kritik der Fanszenen erhofft hatte, sah sich getäuscht. Statt eine Pressekonferenz abzuhalten hätte man auch das Papier auslegen können, das schon vorher bekannt war. Transparenz geht anders.

Als DFL-Geschäftsführer Christian Seifert einen Vertrauensvorschuss für Spieler und Vereine erbat, drängte sich die Frage auf, wo ein solcher Vertrauensvorschuss für die Fans bleibt. Hier hätte es der Liga gut zu Gesicht gestanden, in Vorleistung zu treten. Selbst Seifert musste zugeben, die Anhänger hatten sich in der Coronazeit vorbildlich verhalten. Trotzdem brüskierte er sie wieder einmal, indem er die Fankampagne »Alle oder keiner« als »nicht zielführend« bezeichnete.

Unklar ist auch, warum Gästefans ausgeschlossen werden und sich nicht frei durchs Land bewegen sollen, wo dies doch jedermann bereits seit Wochen wieder tun kann. Wieder einmal werden Fans anders als der Normalbürger behandelt. Nur diesmal nicht von der Polizei, sondern von ihren eigenen Vereinsvertretern.

Man habe auch keine Erfahrung mit Spielen ohne Alkoholausschank, war zu hören. Deshalb soll es erst einmal keinen geben. Da kratzt sich der Fan nachdenklich am Kopf und erinnert sich an die vielen sogenannten Sicherheitsspiele. Dort wurde der Verzicht auf Alkohol mit der hohen Rivalität der Heim- und Gästefans begründet. Letztere sind nach dem DFL-Konzept aber gar nicht im Stadion.

Nicht nur die Gästeblocks, auch die Stehplätze sollen frei bleiben. Warum dort kein Abstand gehalten werden kann, und weshalb dadurch gerade der stimmkräftigste und auch am schlechtesten betuchte Teil der Fans ausgeschlossen werden soll – dafür blieb die Liga ebenfalls eine Erklärung schuldig.

Bleibt noch das Thema Datenschutz. Um etwaige Infektionswege nachverfolgen zu können, sollen von allen Stadionbesuchern Kontaktdaten gesammelt werden. Nur war in den letzten Tagen zu lesen, dass sich Polizeibeamte Zugriff auf Gästelisten von Kneipen verschafft haben. Wie die DFL oder ihrer Vereine ähnliche Übergriffe verhindert wollen, bleibt offen. Das ist weder transparent, noch trägt es zur Vertrauensbildung gegenüber den Fans bei, die Kriminalisierung gewohnt sind.

DFL-Konzept und -Pressekonferenz verdeutlichen leider erneut, dass für die großen Vereine und Verbände die Fans nicht zählen. Sie haben allein ihre finanziellen Interessen im Blick.

René Lau ist Strafverteidiger und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Fananwälte. Er schreibt die jW-Kolumne »Beim Fananwalt«.

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