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Aus: Ausgabe vom 03.08.2020, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Bleibende Aufgabe

Zu jW vom 21.7.: »Ein moderner Robin Hood«

In Ergänzung zu dem interessanten Artikel von Gitta Düperthal im Gedenken an den baskischen Anarchisten Lucio Urtubia (1931–2020) möchte ich auf eine Parallele zwischen Urtubia und dem im Jahr nach Urtubias Geburt verstorbenen italienischen Anarchisten Errico Malatesta (1853–1932) hinweisen: Beide führten neben ihrem Leben als Sozialrevolutionäre auch ein normales Arbeiterleben, Urtubia als Maurer und Malatesta als Elektriker. Gemeinsam war ihnen die Utopie der »Befreiung der ganzen, augenblicklich geknechteten Menschheit in dreifacher, und zwar in wirtschaftlicher, politischer und moralischer Hinsicht«, wie es Malatesta einmal formuliert hat. Diesem Ziel entgegenzustreben bleibt Aufgabe für gegenwärtige und kommende Generationen …

Thomas Tews, per E-Mail

Gefährliches Konstrukt

Zu jW vom 9. und 29.7.: »Durchsuchungen bei ›Reichsbürgern‹« und »Rotlicht: Identitäre Bewegung«

Als Hitler 1938 in Österreich einmarschierte, habe das Volk gejubelt. »Heim ins Reich« war die Devise. Endlich wieder vereint. »Geeinte Deutsche Stämme und Völker«, eine seit dem Frühjahr verbotene Reichsbürgergruppe, hätte sich gefreut. Gemäß Manfred Messerschmidt, Autor im voluminösen Band »Das deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg«, bedeutete der »Anschluss« die Erreichung eines der größten Ziele des Revisionismus und zugleich den Auftakt der Expansionsphase. Die deutsche Propaganda, so Mes­serschmidt, habe sich in geschickter Steuerung so ausgiebig mit den nationalgeschichtlichen Aspekten des Vorgangs befasst, dass der Eindruck habe entstehen können, die Herstellung einer lang erstrebten Identität werde schließlich zur Beruhigung des Kontinents beitragen können. In Wirklichkeit war es der Auftakt einer kriegerischen Expansionspolitik, die 65 Millionen Tote forderte. Mit welchen Mitteln sollten heute »deutsche Völker und Stämme« vereinigt werden? Wir erwarten eine ehrliche Antwort ihrer Propagandisten.

Nationale Identität, in neuerer Zeit von der Gruppe der sogenannten Identitären beschworen, aber nicht nur von dieser, ist ein philosophisches Kunstkonstrukt. Auch ein linker Politanalyst wie Fulvio Grimaldi bedient sich aus dieser Kiste. Ohne Identität kein Widerstand, ist sein Slogan. Diese Art der beschworenen Identität setzt eine ethnisch reine Bevölkerung voraus, die es in Wirklichkeit weder in Deutschland noch sonstwo gibt oder je gegeben hat. Ein künstliches Konstrukt also, doch wozu dient es? Rechtsaußen-CDU-Mitglieder beklagen in mannigfacher Form, dass der Vertrag von Versailles ein Schandvertrag gewesen, dass Deutschland dadurch vernichtet worden sei. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban will den Vertrag von Trianon aus der Welt schaffen. Alexander Dugin, russischer Politesoteriker, baut phantastische Szenarien einer multipolaren Welt, bestehend etwa aus fünf »Großreichen«, sogenannten Polen.

Wer hat sie heraufbeschworen, diese Idee der großen Reiche? Wer hat sie revitalisiert? Wer hängt diesen Konzepten an? Wozu braucht der moderne Mensch eine »nationale Identität«, die unzweifelhaft rassistische Züge trägt? Sind dies alles etwa Gedankenspiele, die alte Sehnsüchte befriedigen wollen, um sich selbst zum Kaiser oder zum Zaren hochzustilisieren? Und die ihre Bevölkerung zu Untertanen degradieren wollen? Die gute alte Zeit – als man noch wusste, was Recht und Ordnung sind, als der Glaube alles bestimmte, als der Krieg ganze Generationen dezimierte … Wer wünschte sie herbei? Sklavenarbeit war Alltag, man sah sie nicht, die Opfer. Heute ist man gezwungen, sie zu sehen. Als Migranten stören sie unser Bild der heilen Welt. Leider neigen viele, die es besser wissen sollten, dazu, derlei Gedankenkonzepte von Identität oder den neuen Großreichen nicht ernst zu nehmen. Diese Ignoranz könnte sich als gewaltiger Fehler erweisen.

Dr. Barbara Hug, Schweiz

Verdrängte Konsequenz

Zu jW vom 28.7.: »Wohin mit all dem Geld?«

Das Schneeballsystem nach dem Motto »Immer mehr für immer mehr Profit« stößt wieder mal an seine natürlichen Grenzen. Die Zeit wäre eigentlich reif für einen System-Change und eine Umstellung auf die Devise »Immer mehr für immer mehr Bedarf«. Leider ist aber das nötige Massenbewusstsein Lichtjahre von solch schlimmen Gedanken entfernt. Die systemimmanente Meinungsmaschinerie sorgt schon mit Dauergehirnwäsche dafür, dass die Mehrheiten im Land und in der Welt die Folgen mittlerweile permanenter Krisenbewältigungen zu ihren Lasten – zwar unwillig, letztlich aber doch geduldig und voller Hoffnung – auf sich nehmen. Verdrängt wird dabei allerdings die letzte Konsequenz, dass die kapitalistischen Akteure zur Wiederherstellung brauchbarer Profitrealisierungsstrukturen im Bedarfsfall nicht zögern werden, auch das Handwerkszeug Krieg einzusetzen.

Dieter Reindl, Nürnberg (Onlinekommentar)

Vergessene Würdigung

Zu jW vom 25./26. und 29.7.: »›Die Eroberung der Harmonie hat meine Schritte gelenkt‹« und »Kompositionen des Widerstands«

Vielen Dank für Eure Beiträge zum 95. Geburtstag von Mikis Theodorakis. Vermisst habe ich einen Rückblick auf seine Auftritte und seine Würdigung in der DDR. Das Foto, von dem Ihr Ort und Datum nicht kennt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit von der Aufführung des »Canto General« am 14. Februar 1980 im Rahmen des »Festivals des politischen Liedes« im Berliner Palast der Republik (…). Mehrere in der DDR aufgenommene Langspielplatten sind Zeugnis seiner Würdigung und Anerkennung. Hervorzuheben ist Theodorakis’ Auftritt im Juni 1987 (JW vom 22.6.1987) auf dem Berliner Rosa-Luxemburg-Platz, der löblicherweise noch auf Youtube nachzuerleben ist (Veranstalter FDJ). Ein ausführlicher Sonderbeitrag zu seinem Leben und Schaffen in der Zeitschrift Melodie und Rhythmus wäre für mich lobenswert.

Herbert Stieler, Erfurt

Leider neigen viele dazu, Gedankenkonzepte von Identität oder den neuen Großreichen nicht ernst zu nehmen. Diese Ignoranz könnte sich als gewaltiger Fehler erweisen.

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