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Eine Empfehlung der EZB

Von Lucas Zeise
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Nicht allen Banken geht es glänzend. Eine der größten Europas, die spanische Bank Santander hat im 2. Quartal einen Rekordverlust von 11,1 Milliarden Euro gemacht. Hauptgrund dafür sind umfangreiche Abschreibungen in Höhe von 12,6 Milliarden Euro. Ohne diese Abschreibungen hätte der Gewinn im Quartal noch 1,5 Milliarden Euro betragen. Abschreibungen sind die Krisenzeichen bei Banken. Der Wert einer Forderung, etwa eines Kredits, den die Bank an einen Großkonzern oder einen Finanzinvestor (Heuschrecke) vergeben hat, wird in der Bilanz verringert, weil die Aussichten auf volle Rückzahlung sich deutlich verschlechtert haben. Wenn in der Krise die Unternehmen wackeln, tritt das als Massenphänomen auf.

Der Job der Bankenaufsicht ist es, dafür zu sorgen, dass das Wackeln der Unternehmen und die größer werdende Unsicherheit, ob Kredite auch zurückgezahlt werden, die Banken nicht ihrerseits wackeln lassen. Die Absurdität besteht ja darin, dass die Banken mit wenig Eigenkapital aber viel Fremdkapital (sprich hoher Verschuldung) arbeiten. Ist nach hohen Abschreibungen das Eigenkapital, sind also die angehäuften Gewinne der Vorjahre, futsch, ist auch die Bank pleite. Weil eine solche Pleitebank zum größten Teil bei den übrigen Geldinstituten des Landes verschuldet ist, werden auch die zahlungsunfähig. Das Finanzsystem fällt auseinander. Wie bekannt, war dieser Zustand im Jahr 2008 fast erreicht.

Wann Abschreibungen fällig werden und in welcher Höhe, entscheidet im einzelnen der Vorstand der Bank (in Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsrat, den Wirtschaftsprüfern) und unter den Augen der Bankenaufsicht. Häufig verfolgen Vorstände die Politik, solche Abschreibungen schnell und mit stolzen Beträgen vorzunehmen. Sie signalisieren damit ihren Kreditgebern und potentiellen Aktionären: Seht her, wir sind eine starke Bank, wir können riesige Summen abschreiben, ohne auch nur im geringsten Finanzierungsprobleme zu bekommen. Santander könnte so ein Fall sein oder auch nicht.

Die Aufsicht über die Großbanken Europas liegt seit einigen Jahren bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Das ist für die Geldhäuser praktisch. Denn wenn die Zeiten wie jetzt schwierig werden, kann die EZB als Kreditgeber letzter Instanz selber tätig werden, um eine vielleicht drohende Kreditklemme vorsorglich zu beseitigen. Ein paar Billionen Euro hat die EZB im ersten Halbjahr den Banken zur Verfügung gestellt. Am vergangenen Dienstag hat Andrea Enria, der Chef der EZB-Bankenaufsicht, die im März ausgesprochene »Empfehlung«, bis Oktober keine Dividenden an die Bankeigentümer auszuschütten, bis zum Jahresende verlängert. Auch bei der Auszahlung von Boni an die hochdotierten Manager und Händler der Banken rät die EZB zu »extremer Zurückhaltung«. Das wird wohl am besten als eine Warnung interpretiert, die besagt, dass der Scheitel der Kreditkrise erst noch erreicht wird. Aus dem Zentrum des verrückten Systems, in dem inmitten einer Geldüberschwemmung eine Kreditklemme droht, hört man hier eine zaghafte Stimme der instrumentellen Vernunft.

Unser Autor ist Finanzjournalist und Publizist. Er lebt in Frankfurt am Main

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