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Aus: Ausgabe vom 01.08.2020, Seite 4 / Inland
»Tag der Freiheit« von Realitätsinn

Gegen Coronaregeln und rote Gefahr

»Tag der Freiheit«: Großkundgebung in Berlin geplant
Von Claudia Wangerin
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Mit und ohne Maske: Demonstration in Berlin (25.4.2020)

Esoteriker, Ultrarechte und Leute, die betonen, dass sie nichts dergleichen seien, sondern nur repressive »Coronamaßnahmen« ablehnen, wollen an diesem Samstag auf einer Großdemonstration in Berlin das »Ende der Pandemie« verkünden, die sie bisher gar nicht als solche anerkannt hatten. Ein Pressesprecher der Bewegung, Stephan Bergmann von der Stuttgarter Initiative »Querdenken 711«, warnt außerdem, die Bundesregierung wolle den Kommunismus einführen – so erklärte er laut einem Tagesspiegel-Bericht vom Donnerstag, was es mit den Maßnahmen gegen das »Fakevirus« auf sich habe.

Mehrere antifaschistische Gruppen finden das zwar absurd, nehmen es aber ernst genug für Gegenproteste, da auch offen faschistische Organisationen wie die NPD zur Demonstration unter dem Motto »Ende der Pandemie – Tag der Freiheit« mobilisieren und das ultrarechte Compact-Magazin für die »bundesweite Demo gegen die Coronadiktatur« wirbt. Als Veranstalter tritt neben »Querdenken 711« die »Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand« auf, die seit März unter Berufung auf die ersten 20 Artikel des Grundgesetzes »Hygienedemos« in Berlin organisiert. Letztere wurden bereits in den ersten Wochen von Rechten gekapert.

Auch für den »Tag der Freiheit« wird mit dem Grundgesetz geworben. Die Gewerkschaft Verdi sieht dagegen in den Veranstaltern ein »rechtsextremes Bündnis«. Die Deutsche Journalistinnen- und Journalistenunion (DJU) in Verdi warnte am Donnerstag vor »Behinderungen von Pressearbeit« sowie »körperlichen und sexistischen Übergriffen«, wie es sie »auf vergleichbaren Demonstrationen in Berlin« gegeben habe. Auch an diesem Samstag sei »mit einer hohen Gewaltbereitschaft auf seiten der Teilnehmer« zu rechnen. Über deren Zahl wurde in den letzten Tagen wild spekuliert. Eine Mitorganisatorin hatte in einer Telegram-Gruppe erklärt, es kämen bis zu 4,5 Millionen Teilnehmer. Vergleichsweise bescheiden ließ die »Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand« nach einem Bericht der Taz vom 29. Juli verlauten, sie erwarte nur eine halbe Million Menschen.

Tatsächlich angemeldet wurden aber wohl noch weniger. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) rechnet laut einem Bericht der Deutschen Presseagentur vom Freitag nur mit rund 10.000 Personen beim »Ende der Pandemie«, das ab 10.30 Uhr vor dem Brandenburger Tor und ab 15.30 Uhr bis zum Abend bei der Abschlusskundgebung auf der Straße des 17. Juni verkündet werden soll. Insgesamt geht Geisel aber von rund 22.000 Demonstrierenden zu diversen Themen am Wochenende in Berlin aus – davon sicher einige bei Gegenveranstaltungen zum »Tag der Freiheit«. Bereits ab 10 Uhr wollen sich die Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten und das Bündnis »Aufstehen gegen Rassismus« am Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma im Großen Tiergarten südlich des Reichstags versammeln. Ab 10.30 Uhr will das Berliner Bündnis gegen rechts auf der Mittelinsel am Pariser Platz, dem »Anreisebereich der rechtsoffenen Demo« protestieren. Eine linke Fahrraddemo am Abend im Bezirk Neukölln richtet sich gegen Zwangsräumungen.

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