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Aus: Ausgabe vom 01.08.2020, Seite 1 / Titel
US-Wirtschaft

Triumph der Monopole

Gigantischer Profit für Amazon, Apple, Facebook und Google. US-Wirtschaft stürzt ab. Großkapital sortiert sich neu
Von Jörg Kronauer
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Quartett der Profiteure: Jeff Bezos, Tim Cook, Sundar Pichai und Mark Zuckerberg (v. l. n. r.)

Die US-Internet- und Technologieriesen haben im zweiten Quartal 2020 erhebliche Umsatz- und Gewinnsprünge erzielt und bestätigen damit ihre Position als bisherige Profiteure der Coronakrise. Dies geht aus den Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2020 hervor, die Amazon, Apple, Facebook und die Google-Muttergesellschaft Alphabet am Donnerstag (Ortszeit) vorgelegt haben.

Den größten Zuwachs gegenüber dem Vorjahresquartal verzeichnete dabei Amazon. Der Konzern konnte seinen Umsatz um gewaltige 40 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 88,9 Milliarden US-Dollar steigern und verdoppelte dabei seinen Gewinn auf 5,2 Milliarden US-Dollar. Bei Apple erhöhte sich der Umsatz um elf Prozent auf 59,7 Milliarden US-Dollar, der Gewinn sogar um zwölf Prozent auf 11,2 Milliarden US-Dollar, während Facebook beim Umsatz ebenfalls um elf Prozent zulegte und den Gewinn auf knapp 5,2 Milliarden US-Dollar verdoppelte. Lediglich bei Alphabet (­Google) ging der Quartalsumsatz um gut zwei Prozent auf 38,3 Milliarden US-Dollar zurück. Das reichte allerdings immer noch für einen Gewinn von 6,96 Milliarden US-Dollar.

Die gewaltigen Zuwächse und die bemerkenswerten Profite kontrastieren scharf mit den überaus dramatischen Einbrüchen bei großen Teilen der US-Wirtschaft, die im zweiten Quartal in beispiellosem Ausmaß kollabierte, laut offizieller US-Statistik, die die aktuelle Entwicklung auf das Gesamtjahr hochrechnet, um 32,9 Prozent, laut deutschen Standards um annähernd zehn Prozent – also etwas weniger als die Euro-Zone. Dennoch: eine desaströse Zwischenbilanz.

Darin spiegeln sich Verluste, die die von der Coronakrise besonders hart getroffenen Branchen hinnehmen mussten – etwa der kleine Einzelhandel, Gastronomie und Hotelgewerbe, auf Konzernebene große Fluggesellschaften und der Flugzeugbauer Boeing, der im zweiten Quartal einen Verlust von 2,4 Milliarden US-Dollar verzeichnete, aber auch die Kfz-Produzenten. Ford etwa büßte von April bis Juni 1,9 Milliarden US-Dollar ein. Auch Mineralölkonzerne wie Exxon (1,1 Milliarden US-Dollar Verlust) stürzten ab, eine ganze Reihe Frackingunternehmen, darunter alte Platzhirsche wie Chesapeake, musste Insolvenz beantragen. Hält die Pandemie an, werden wohl noch weitere Einbrüche und Bankrotte folgen.

In der krassen Differenz zwischen den gewaltigen Gewinnen der Internet- und Technologieriesen und den Einbrüchen diverser Traditionskonzerne zeigen sich möglicherweise tiefgreifende Verschiebungen in der US-Monopolstruktur, die durch die Coronakrise offenkundig beschleunigt werden. Amazon etwa konnte – eher unerwartet – auch mit teureren, exklusiveren Gütern hohe Zuwächse erzielen, eine Tendenz, die die Monopolisierung zuungunsten kleinerer Händler vorantreibt. Apple wiederum wuchs vor allem deshalb so stark, weil in großem Stil IT-Ausrüstung für das Homeoffice gekauft wurde. An der Ausweitung der dafür benötigten Cloudinfrastruktur wiederum verdienten Google und Amazon mit ihren Diensten. Diese wurden zudem für Videokonferenzen benötigt, die ihrerseits Auto- und vor allem Flugreisen überflüssig machten.

Immer wieder ist zu hören, die Unternehmen würden wohl auch nach der Krise vermehrt auf Videokonferenzen und Homeoffice zurückgreifen, um Geld zu sparen. Damit dürften Google, Amazon und Co. auch in Zukunft ihre Stellung weiter festigen können. Kein Wunder, dass in Washington Stimmen laut werden, ihre Macht zumindest ein Stück weit zu reduzieren.

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Debatte

  • Beitrag von Christian A. aus S. ( 1. August 2020 um 19:23 Uhr)
    Es sind genau diese Konzerne, die, via »Weltwirtschaftsforum« (WEF) und während die Coronapandemie den globalen Kapitalismus zerlegt, den »Great Reset« ankündigen. Dort nimmt man jetzt Worte in den Mund, die man in den letzten Jahren nur von Linken und Umweltaktivisten gehört hat. Tatsächlich geht es aber eher um das Überleben des Kapitalismus in einer Zeit, in der die Produktivität menschenleere Fabriken ermöglicht, wenn man von ein paar Technikern absieht, die für die Wartung der Anlagen zuständig sein werden. Diese Fabriken kann man dann genausogut am Hauptquartier der Konzerne – also zum Beispiel in Deutschland – betreiben. Die Schwellenländer haben ausgedient. Dort wurden bereits Tausende Fabriken pandemiebedingt geschlossen. Ob sie je wieder öffnen werden? Klaus Schwab, der Boss des WEF, ist sich mit seinen Kollegen der Tatsache bewusst, dass der »Great Reset« gelingen muss. Andernfalls befürchtet er Massenunruhen und anderes Ungestüm.

    Als wäre das nicht genug, hat die kanadische Journalistin Naomi Klein (Autorin des Bestsellerbuches »The Shock Doctrine – The Rise of Disaster Capitalism«) kürzlich mit ihrem Artikel »Screen New Deal« im Internetportal The Intercept auf ein Vorhaben hingewiesen, demzufolge zentrale Aufgaben wie Bildung, Telemedizin sowie die Breitbandvernetzung mit ihren unzähligen weiteren Anwendungen wie Homeoffice oder Shopping in die Verantwortung internationaler Konzerne wie Google und Amazon übergehen sollen.

    Unter dem Vorwand der Pandemie plant New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo gemeinsam mit Eric Schmidt (Exvorstand von Google) eine düstere Vision des total entkernten Staates. In ihm soll fast 50 Jahre nach Milton Friedmans neoliberalem Laborexperiment während der Pinochet-Diktatur in Chile die staatliche Verwaltung öffentlicher Aufgaben endgültig entsorgt – und schrittweise auf private Konzerne übertragen werden.

    Das aktuelle Vorhaben ist sicher erst der Anfang. Der Phantasie hinsichtlich künftiger Ausbaustufen sind da kaum Grenzen gesetzt. Kleinunternehmer und mittelständische Betriebe sind in diesem Szenario natürlich nicht vorgesehen. Und damit auch alle beim »Screen New Deal« mitmachen können, soll jeder New Yorker Bürger die dafür benötigte Ausrüstung gratis erhalten. Die Coronapandemie wird für diese umwälzenden Pläne die perfekte Rechtfertigung liefern. Interessanterweise wird dieses Szenario bereits in Bob Harts aktuellem Roman »Der Store antizipiert.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Reinhard Hopp: Freiheit in Ketten Es rettet uns kein höheres Wesen! Und schon gar nicht retten uns US-amerikanische Verbrecherkartelle mit ihren weltweiten Vasallen-, Spitzel- und Killernetzwerken. Vielleicht kommt der Welt ja schon b...

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