Der Schwarze Kanal: »Barmherzige Mutti«
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Aus: Ausgabe vom 31.07.2020, Seite 16 / Sport
Beim Fananwalt

Alle oder keiner

Von René Lau
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Soll selbst beim Landespokalfinale leer bleiben: Friedrich-Ludwig-Jahn Sportpark in Berlin

Die Pandemie hat den Fußball weiter fest im Griff, aber der scheint sich zu lockern. Irgendwie sollen die Zuschauer beteiligt werden, das gibt Hoffnung, auch wenn das allenfalls der Beginn sein kann. Ziel muss die schnellstmögliche Öffnung der Stadiontore für alle Fans ohne Begrenzung sein, sofern es die Lage irgend zulässt. Alle oder keiner!

Doch es gibt auch den Fußballverband der Hauptstadt, der zwar in seinem Bereich wieder grünes Licht fürs Ballspielen gibt, selbst aber lieber keine Verantwortung für eine erlaubte Anzahl von Zuschauern übernehmen will. Zuletzt hat der Berliner Fußballverband am 21. Juli auf seiner Internetpräsenz mitgeteilt, dass die Saison der Berlin-Liga am 21. August beginne. Gleichzeitig hat er am 24. Juli seinen Vereinen ein »Hygienekonzept zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs« an die Hand gegeben. Veröffentlicht mit einem Deckblatt, auf dem im Hintergrund der Jahnsportpark zu sehen ist. Also dem Stadion, in dem am 22. August das Berliner Pokalfinale stattfinden wird. Erstaunlicherweise aber: ohne Zuschauer!

Muss ein Verband nicht mit gutem Beispiel vorangehen und Verantwortung übernehmen? Warum nutzt man nicht die Gelegenheit, neben dem Hygienekonzept für den Spielbetrieb ein Zuschauerkonzept zu entwickeln, das auch auf die Berliner Amateurklubs anwendbar ist? Sollte der Berliner Verband Hilfestellung benötigen, könnte er ja bei den Halbfinalisten des Sachsenpokals nachfragen. Für deren Partien wurden kürzlich Zuschauer zugelassen.

Egal welche Teams im Endspiel des Berliner Landespokals stehen werden, für die allermeisten Spieler wird es der Höhepunkt ihrer Amateurkarriere sein. Die Partie wird bundesweit live am »Finaltag der Amateure« übertragen, aber die Spieler bewegen sich im leeren Stadion vor Tauben, Mäusen und Funktionären? Wo ist die Verantwortung dieser Funktionäre, zumindest die für Berlin erlaubte Anzahl von 1.000 Personen zuzulassen? Offensichtlich ist dieser Verband so sehr mit internen Streitigkeiten beschäftigt, dass man gar keine Zeit hat, ein eigenes Zuschauerkonzept für den Höhenpunkt des Berliner Sportjahres umzusetzen. So gewinnt man kein Vertrauen bei den Vereinen und schon gar nicht bei den Fans. Eine Erklärung für diesen Widerspruch hat der Verband bisher nicht gegeben.

Wir können dem Verband aber auch unterstellen, er denke wie die Fans: Alle oder keiner!

Man mag dem Verband zurufen: »Football without Fans is nothing« (Fußball ohne Fans ist nichts) und »Football belongs to the people« (Der Fußball gehört den Leuten).

»Sport frei!« vom Fananwalt.

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